Der Formel 1 steht 2026 ein Umbruch bevor, der seinesgleichen sucht. Die Motoren werden radikal umgestellt, wobei 50 Prozent der Energie elektrisch bezogen wird. Das Chassis-Reglement wird damit einhergehend ebenfalls radikal angepasst, damit die Power-Unit-Revolution überhaupt Form annehmen kann.
Bei den F1-Piloten regt sich aber zunehmend Widerstand gegen diese Neuerungen. Charles Leclerc verschaffte vor einer Woche in Österreich seiner Ablehnung gegen das neue Reglement Luft, Carlos Sainz tat dasselbe im April. Aus dem Lager von Red Bull gibt es schon seit Jahren Widerstand. Jetzt stimmt noch ein weiterer Formel-1-Fahrer in diese Welle an Kritik ein.
Lance Stroll: Wissenschaftsprojekt anstatt Formel-1-WM
Lance Stroll berichtete vor dem Silverstone-Wochenende, was er von den Regeln hält, und bezeichnete diese als "ein bisschen traurig." Der Kanadier fürchtet, dass die Motor-Revolution das Racing in der Königsklasse grundlegend verändern wird – und das zum schlechteren. "Es ist schade. Die Formel 1 wählt einen Pfad von mehr elektrischer Energie und wir mussten die ganze Downforce von den Autos nehmen, um die Batterie-Power zu unterstützen."
"Es würde Spaß machen, wenn wir etwas leichtere, wendigere Autos sehen würden, die viel Abtrieb haben und weniger etwas, das sich eher wie ein Batterie-Wissenschaftsprojekt anfühlt als eine Formel-1-Weltmeisterschaft", kritisierte Stroll das Regelpaket. Dabei geht er auf einen schon häufig angeführten Kritikpunkt ein. Nämlich jenen, dass bei den neuen Autos dem Energiemanagement ein so hoher Stellenwert zukommen könnte, dass dadurch klassische Fahrdynamiken, wie wir sie aus dem modernen Motorsport kennen, zunichte gemacht werden könnten.
Vor allem auf Highspeed-Strecken wurde schon mehrfach die Befürchtung geäußert, dass man dem Energiemanagement zuliebe schon lange vor der Bremszone vom Gas gehen müsse. Auch die Art und Weise, wie ein Fahrer eine Kurve nimmt, könnte sich grundlegend ändern, so ein anderer Kritikpunkt.
Stroll hat schon Runden im Simulator mit einem 2026er-Prototypen absolviert, und stimmt diesen Befürchtungen zu: "Ja, viel geht um das. Ich weiß nicht, ob das Racing ist." Auf unterschiedlichen Strecken wird sich das auf einer anderen Art und Weise äußern, bestätigt er eine weitere Annahme: "Monza wird ganz anders wie Monaco sein. Man wird mit der Rückgewinnung und der Power während der Runde [viel mehr] arbeiten müssen."
Das neue Formel-1-Reglement für 2026 ist auch Thema in unserer neuesten Print-Ausgabe des Motorsport-Magazins. Dort könnt ihr alle Details zu den technischen Eckdaten der neuen Motoren nachlesen und woher die Kritik an den neuen Regeln kommt.
Motorsport-Magazin - aktuelle Ausgabe jetzt bestellen
Lance Stroll: Manche sagen aus politischen Gründen nichts
Der Aston-Martin-Pilot betont auch, dass weit mehr Fahrer dieser Ansicht zustimmen, als nur jene, die sich öffentlich dazu geäußert hätten. "Einige von ihnen können aus politischen Gründen nicht darüber reden", so Stroll. Vor allem F1-Teambosse relativierten die Kritik an dem neuen F1-Reglement, die durch Aussagen von Leclerc am letzten Wochenende neuen Wind bekam, und wiesen darauf hin, dass große Regeländerungen häufig vor und bei deren Einführung von Fahrerkritik begleitet waren.
Historisch betrachtet schwang diese auch nach der Einführung nicht umgehend ab. Vor allem zwischen jenen Formel-1-Teams, welche die Regel-Revolution hinbekommen haben, und jenen, die daran gescheitert sind. "Es wird dasselbe für alle sein im nächsten Jahr. Ich bin mir sicher, derjenige, der es am besten hinkriegt, wird die neuen Regeln lieben", sagte Stroll dazu. Seiner Meinung nach spricht nichts dagegen, dass es sich dabei um Aston Martin handeln könnte. "Ich denke unsere Entwicklung ist sehr positiv. Alles, was in Silverstone passiert, rund um die Ankunft von Adrian [Newey]. Die Zukunft ist sehr aufregend."



diese Formel 1 Nachricht