Die fünf Rennen Testphase hat Franco Colapinto bei Alpine bereits überstanden. Beim anstehenden Formel-1-Wochenende in Großbritannien wird der Argentinier seinen sechsten Grand Prix für das Team aus Enstone absolvieren. Und doch ist Colapinto bei Alpine längst nicht unumstritten, nachdem er wie sein Vorgänger Jack Doohan bisland noch keine Punkte in dieser Saison sammeln konnte.
Gar ein erneuter Cockpit-Tausch schwirrte nach dem Österreich-Wochenende, an dem Colapinto eine unglückliche Figur abgab, im Fahrerlager umher. Valtteri Bottas soll angeblich im Falle eines Wechsels in den Startlöchern stehen. Helfen würden Colapinto im Kampf um seine Zukunft mit Sicherheit Punkte, wie sie Alpine-Berater und aktuell de facto Teamchef Flavio Briatore zu Beginn von Colpaintos Testphase als eines von drei Hauptzielen ausgegeben hatte.

Colapinto: Trainingsfreitag verhindert bessere Performance
Neben der grundsätzlich schwachen Performance des A525 stellt das Qualifying bislang für Colapinto die größte Achillesverse dar. Noch kein einziges Mal konnte der 22-Jährige für Alpine ins Q3 einziehen, Teamkollege Pierre Gasly gelang dies im gleichen Zeitraum drei Mal. Das Problem im Qualifying liegt laut Colapinto jedoch nicht am Samstag selbst, sondern hat seinen Ursprung bereits am Trainings-Freitag.
“Wir müssen versuchen, zu verstehen, wie wir die Performance bereits am Freitag auf den Asphalt bringen können, denn ansonsten ist es eine Menge Zeit, die wir versuchen, von Freitag auf Samstag zu finden“, beschreibt Colapinto. „Dann verpasst du diese kleinen Details, die kleinen Verbesserungen, die du normalerweise machst. Einige Dinge ergeben sich nicht, weil wir so damit beschäftigt sind, uns auf die großen Dinge zu fokussieren.“
“Es gibt immer etwas, das wir von Freitag auf Samstag finden, was das Auto ein bisschen mehr in die Richtung bringt, wie ich es auch im Hinblick auf das Fahrgefühl haben möchte“, so Colapinto weiter. „Wir bringen alles zusammen und dann ist es auch am Samstag deutlich besser. Aber das passiert nicht wirklich früher am Wochenende.“
Colapinto optimistisch: Erfahrung soll Erlösung bringen
Genau diesen schnelleren Start ins Wochenende zu finden, sei jedoch nur eine Frage der Zeit, so zumindest Colapintos Hoffnung: „Das kommt mit der Erfahrung mit dem Auto, wenn du weißt, was genau du willst. Die Performance sehr schnell am Wochenende zu maximieren ist, was ich nicht tue und ich denke, dass liegt bloß daran, dass ich das Auto nicht kenne.“
Schwierig macht einen guten Start schon vom FP1 an der schwer vorhersehbare und knifflig zu fahrende Alpine im Jahr 2025. „Dieses Gefühl einfach generell ein bisschen schwierig zu fahren zu sein, inkonstant mit dem Wind, inkonstant mit den Temperaturen“, beklagt Colapinto die Limitationen seines Arbeitsgefährts. „Wenn die Temperaturen auf der Strecke zu sehr ansteigen, dann wird das Auto schwieriger und instabiler und wir belasten die Hinterachse zu stark.“

Obwohl auch der Williams im vergangenen Jahr ein schwierig zu fahrendes Auto gewesen sei, habe er mit dem Alpine mehr zu kämpfen, beschreibt Colapinto weiter. „Letztes Jahr war es sehr einfach für mich, aber dieses Jahr strauchle ich mit dem Selbstvertrauen an den Kurveneingängen, dieser Instabilität, das Gefühl der Nervosität. Und einfach das Gefühl, dass das Auto nicht gut ineinandergreift. Das führt dazu, dass ich früh im Wochenende nicht dieses Selbstvertrauen habe.“
Alpine und Colapinto: Dieses Problem wurde bereits überwunden
Doch diese Probleme sieht Colapinto nicht als unüberwindbare Herausforderung an und verweist mit Blick auf Teamkollege Gasly auch hier auf das Thema Erfahrung: „Pierre hat ähnliche Probleme, aber er fährt das Auto seit vier Jahren (2023; d. Red.). Dann ist es sehr einfach, zu verstehen, wo das Limit liegt. Generell ist das Auto schnell. Das ist die Hauptsache.“
Zudem verweist der 14-fache GP-Starter dabei auf die Fortschritte, die er seit seinem Start bei Alpine bereits erzielen konnte: „Am Anfang der fünf Rennen waren die langsamen Kurven eher ein Problem. Aber das konnte ich schnell lösen. Schon in Kanada waren wir in den langsamen Kurven wirklich gut. Und jetzt fokussieren wir uns auf andere Puzzlestücke.“

Erste Punkte in Silverstone? Colapinto skeptisch
Grundsätzlich bleibt Colapinto also optimistisch, das Trainings-Problem und damit auch den weiteren Wochenendverlauf zum Positiven wenden zu können. „Wir arbeiten hart an der Vorbereitung für das Wochenende, im Hinblick auf das Setup und die Fahrweise. Wir versuchen alles, um den Freitag zu verbessern. Ich denke, wir können das schaffen“, glaubt der Mann aus der Provinz Buenos Aires.
Zumindest mit den ersten Punkten für Alpine könnte es in Silverstone, wo sich Colapinto vor einem Jahr mit seinem ersten F1-Training den Weg ins Williams-Cockpit ebnete, jedoch erneut schwierig werden. „Es ist eine sehr motorenempfindliche Strecke. Es wird also nicht einfach für uns“, prophezeit Colapinto. „Aber wir haben ein gutes Auto für die Highspeed-Kurven. Es wird wahrscheinlich auch etwas regnen, vielleicht hilft uns das ein bisschen.“
Nicht nur auf der Strecke geht es am Silverstone-Wochenende zur Sache. Auch im Rennen um die FIA-Präsidentschaft, das nach der Absage von Carlos Sainz Senior an Brisanz zu verloren schien, kommt wieder Fahrt. Der US-Amerikaner Tim Mayer, der im vergangenen Jahr von Mohammed Ben Sulayem von seinen FIA-Aufgaben entbunden wurde, soll wohl am Freitagmorgen bei einer Pressekonferenz seine Kandidatur gegen den Amtsinhaber bekanntgeben. Was dahinter steckt, lest Ihr hier:


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