Beim Formel-1-Rennen in Kanada hatte die internationale Regie in Runde 30 wichtigere Szenen zu zeigen als den Boxenstopp von Franco Colapinto. George Russell war gerade in Führung liegend mit einem Batterie-Defekt ausgerollt und regte sich so fürchterlich auf, dass er dafür später sogar eine Strafe bekam. Deshalb wurde nicht eingefangen, wie Colapinto beim Boxengassenausgang die Betonmauer von allein küsste.

Der Argentinier hatte die Virtual-Safety-Car-Phase genutzt, um sich neue Pirellis abzuholen. Als einziges Team im Feld entschied sich Alpine, den harten Reifen einzusetzen. Bei kühlen Temperaturen von gerade einmal 13 Grad zeigte sich bei Colapinto schnell, warum das nicht die beste Idee war. Auf den sehr schwer aufzuwärmenden Reifen verlor er bei der Rückkehr auf die Strecke in Kurve zwei das Heck, rutschte ins Gras und schlug seitlich in die Betonmauer ein.

"Ich bin gecrasht! Ich bin verdammt nochmal gecrasht!", schrie Colapinto sofort am Funk. "Idiot", geißelte er sich selbst. Doch zu seinem großen Glück hielten sich die Schäden an seinem A526 in Grenzen, er konnte weiterfahren. "Die Reifen sehen gut aus. Wir sehen nichts am Unterboden, nur kleine Schäden an der Endplatte und am linken Hinterreifen", informierte ihn sein Renningenieur Stuart Barlow. Mit einem wackelnden Teil am Frontflügel fuhr Colapinto sein bestes F1-Ergebnis ein.

Colapinto warnt vor Übermut: Waren schnell, aber Lücke bleibt!

Nach einem starken Qualifying am Samstag startete Colapinto von P10 in den Großen Preis von Kanada. Durch die Ausfälle von Arvid Lindblad und George Russell sowie die verpatzte McLaren-Strategie kam er auf Platz sechs vor. Er hielt sich aus allen Dramen raus und fuhr ein, bis auf den Wandkuss, unaufgeregtes Rennen im Niemandsland.

Die Top-Fahrer setzten sich schon früh von ihm ab, am Ende kam er als Sechster 14,725 Sekunden vor Liam Lawson und 14,477 Sekunden hinter Isack Hadjar über die Ziellinie. Man muss jedoch bedenken, dass der Red-Bull-Fahrer insgesamt 40 Strafsekunden kassierte, Colapintos tatsächlicher Rückstand betrug also fast eine Minute.

"Ich bin sehr erleichtert und glücklich. Das Team hat dieses Ergebnis verdient", so der Argentinier, der seinen Teamkollegen Pierre Gasly schon seit dem Miami-Wochenende fest im Griff hat. "Wir waren wirklich schnell und hatten viel Pace. Ich bin gespannt, wohin wir weiter gehen."

Dass er sein bestes Karriere-Ergebnis den Fehlern und Defekten der Teams vor ihm zu verdanken hat, weiß Colapinto selbst: "Wir müssen noch viel mehr an Performance arbeiten. Ja, wir sind P6, aber die beiden McLarens sind hinter uns und George [Russell] musste aufgeben. Wir müssen noch mehr aus dem Auto herausholen, die Lücke ist noch groß." Dennoch ist er sich sicher, dass das Team die Decke noch nicht erreicht hat.

Mit Gasly auf Platz acht gab es für Alpine doppelte Punkte in Montreal. Das Team brachte eine neue Unterboden-Geometrie nach Kanada, jetzt sind beide A526 technisch auf dem gleichen Stand. Die Updates haben sich also vor allem für Colapinto ausgezahlt: "Wir werden in die gleiche Richtung weiterarbeiten. Als Team sind wir gerade sehr stark, ich bin mir sicher, wir werden noch bessere Resultate einfahren. Wir werden weiter pushen, denn wir müssen noch einige Male doppelt punkten."

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