2025 ist Wahljahr im internationalen Automobil-Verband FIA. Dessen amtierender Präsident Mohammed Ben Sulayem gilt besonders im internationalen Motorsport-Umfeld als kontrovers, doch ein Gegner scheint sich nicht zu materialisieren. Zuletzt evaluierte Carlos Sainz Sr., ehemaliger Rallye-Weltmeister und Vater von F1-Pilot Carlos Sainz Jr., zwar seine Optionen. Jetzt zieht er sich aber aus dem Rennen zurück, noch bevor es begonnen hat.
"Ich habe in den letzten Monaten hart gearbeitet, um die Tiefe der Situation bei der FIA zu verstehen, und die Notwendigkeiten und Komplexitäten, die so ein wichtiges Projekt mit sich bringt", lässt Sainz Sr. in einer Stellungnahme wissen. "Nach reiflicher Überlegung bin ich zum Schluss gelangt, dass die gegenwärtigen Umstände nicht den idealen Nährboden für meine Kandidatur bilden."
Carlos Sainz Sr. will weiter Dakar fahren: Rallye statt Präsident
"Weiters habe ich festgestellt, dass eine ernsthafte Präsidentschaftskampagne meine Vorbereitung für die Dakar einschränken würde", unterstreicht Sainz weiters. Denn der 63-Jährige, der 1990 und 1992 die Rallye-WM gewann, ist noch immer Profi-Rennfahrer. Nämlich im Rallye-Raid-Sport, also in Ausdauer-Rallyes wie der Dakar, die er schon fünfmal gewann, zuletzt 2024.
Seit 2025 ist er Werkspilot bei Ford. "Diese Sorgen haben mich daher dazu gebracht, realistisch zu sein und von meinem FIA-Abenteuer abzusehen", sagt Sainz. Zumindest 2025. "Meine Leidenschaft, dem Motorsport zu dienen, hat sich nicht geändert und ich glaube noch immer, dass die Organisation wichtige Änderungen braucht. Ich hoffe, dass es in den nächsten Jahren dazu kommt."
FIA-Präsident Mohammed Ben Sulayem fest auf Kurs zu Wiederwahl
Aus dem F1-Fahrerlager hatte Sainz Sr. in den letzten Wochen Zuspruch erhalten. Dort streiten sich besonders die Fahrer (und die Fahrer-Gewerkschaft GPDA) seit Monaten mit dem seit 2021 amtierenden Präsidenten Mohammed Ben Sulayem. Über Regelauslegungen, drakonische Fluch-Strafen und mehr. Auch abseits der Formel 1 gab es im Sport-Bereich in den letzten Monaten politische Tumulte, mit dem Rücktritt von Sport-Vizepräsident Robert Reid als Höhepunkt.
Aber die FIA ist viel mehr als bloß Formel 1 und Motorsport. Sie vereint die Automobil-Clubs weltweit, und alle ihre Tätigkeitsfelder, nicht bloß Sport. Ben Sulayem bemühte sich direkt im Anschluss an Sainz' erstes Vorfühlen, mittels Unterstützungserklärungen der Clubs aus Südamerika und Afrika seine Ansprüche auf eine Wiederwahl mit Nachdruck zu untermauern.
Für eine Präsidentschafts-Kandidatur braucht es nämlich schon vorab eine formelle Unterstützungsbasis. Besonders im Umfeld kleinerer Clubs ist Ben Sulayems Unterstützung nach wie vor vorhanden. Ben Sulayems Position wurde bei der Generalversammlung in Macau zuletzt weiter gefestigt, als im Vorfeld kontrovers diskutierte Änderungen an den Statuten erfolgreich abgesegnet wurden.

Das Thema bleibt allerdings brisant. So kritisierte in Macau der österreichische Automobil-Club ÖAMTC mit einem Brief Ben Sulayems Verschärfungen der Wahlbedingungen und warnte, damit werde riskiert, weiter zur "Erosion des Rufs der FIA für kompetente und transparente Führung beizutragen."
Eine Serie an Kündigungen und Entlassungen war dem vorangegangen, sowie ein Eklat rund um eine Sitzung des Motorsport-Weltrates, bei dem Mitglieder eine Verschärfung der Vertraulichkeitsvereinbarung weiter diskutieren hatten wollen und daraufhin aus dem Meeting ausgeschlossen wurden. Die nächste Präsidentschaftswahl findet am 12. Dezember bei der Generalversammlung in Usbekistan statt.



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