Nach nur einem Jahr bei Sauber stieg Charles Leclerc 2019 ins Ferrari-Cockpit ein. Damals postete er emotional: "Träume werden wahr. Und an all die Personen, die mich unterstützt und an mich geglaubt haben. Ich werde härter denn je arbeiten, um euch nicht zu enttäuschen." 2025 ist nur einer enttäuscht: Leclerc selbst, denn auch in seinem siebten Ferrari-Jahr hat er keine Chance auf den WM-Titel.
Trotzdem schwört er der Scuderia weiterhin die Treue - ein Fehler? Die Motorsport-Magazin.com -Redakteurinnen Edda Holweg und Kerstin Hasenbichler debattieren.
Forza Ferrari sempre: Verlässt er Ferrari, verlässt er sich selbst
"Come mi fai sognare!" Übersetzt: Wie du mich träumen lässt! Das sagte Renningenieur Bryan Bozzi zu Charles Leclerc, als er 2024 Ferraris Heim-Grand-Prix in Monza gewann. Damit brachte er auf den Punkt, warum Leclerc Ferrari auf keinen Fall den Rücken zukehren sollte. Würde er Ferrari verlassen, wäre das ein Bruch mit sich selbst und seinen Träumen. Das weiß er selbst und steht deshalb trotz der Enttäuschungen der letzten Jahre weiterhin mit Herzblut hinter dem italienischen Team.
Charles Leclerc sprach schon oft über seine tief emotionale Verbindung zu Ferrari. Für ihn gibt es nur eine Art zu gewinnen: in Rot. Natürlich kratzen die letzten Jahre, in denen es maximal zum zweiten Platz in der Fahrerwertung gereicht hat, an seinem Ego. Doch der 27-Jährige weiß auch um seine besondere Stellung bei der Scuderia. Es ist ein nicht unumstößlicher Fakt, dass er einer der besten aktiven Formel-1-Piloten ist. Das weiß auch Ferrari.
Das Management des Kult-Autobauers schätzt den achtfachen GP-Gewinner und tut alles, um ihn in Maranello zu behalten. Ist er mit jemandem unzufrieden, kann das schnell zum Rauswurf dieser Person führen. Mattia Binotto, ehemaliger Teamchef der Scuderia, bekam das am eigenen Leib zu spüren, als er Ende 2022 abdanken musste. Kaum ein anderer Fahrer hat so viel Macht in seinem Team.
Ja, Ferrari hat eine Durststrecke. Der letzte Fahrertitel von Kimi Räikkönen liegt schon 18 Jahre zurück. Doch eine Durststrecke, die sich über Jahrzehnte zieht, ist für das italienische Team nichts Neues. Als Michael Schumacher 1999 mit Ferrari gewann, lag der letzte WM-Sieg 16 Jahre zurück. Danach holte die Scuderia sechs Titel hintereinander.
Und auch wenn Ferrari 2025 nicht das schnellste Auto im Feld hat, so liegt der Traditionsrennstall nach zehn Rennen auf Platz drei der Konstrukteurswertung und damit vor Red Bull. Mit der Reglementänderung 2026 wird das Feld weit aufgerissen und bietet eine Möglichkeit für Ferrari, sich in eine Siegesposition zu bringen. Gerade jetzt ist es für Charles Leclerc wichtig, in Maranello zu bleiben und mit dem Team für die Zukunft zu arbeiten, um seinen Traum in Rot zu verwirklichen.

Falsche Liebe! Warum der nächste Karriereschritt längst überfällig ist
Als erstem Absolventen der Ferrari-Fahrerakademie im Werksteam galt der 20-jährige Charles Leclerc 2019 als DER Senkrechtstarter - schnell, zweikampfstark und willensstark. Mittlerweile ist Leclerc 27 Jahre alt und blickt auf sieben Jahre in Rot zurück. Eine Zeit geprägt von einigen guten und noch mehr leidgeplagten Rennen. Fehlende Performance, mangelnde Zuverlässigkeit, fragwürdige Strategien und vereinzelt Fahrfehler.
Letztere waren allerdings eine Folge des schlechten Ferrari-Pakets. "Du versuchst als Fahrer den Unterschied auszumachen, aber eine Sekunde kann kein Fahrer herausholen. Das treibt dich in Sachen, die wahrscheinlich nicht realistisch sind", erklärte der Monegasse. Wenn es das Auto hergab, wusste Leclerc etwas daraus zu machen. Der Beweis: 10 schnellste Rennrunden, 26 Pole Positions und 8 Siege. Zu einem WM-Titel reichte es nie, doch genau das ist das Ziel eines jeden Rennfahrers.
Nur in einem der sieben Jahre sah es aus, als hätte Leclerc Chancen. Doch 2022 entglitt der Scuderia der WM-Titel im Saisonverlauf - der Titel ging am Ende an Max Verstappen. Alle anderen Jahre hatte der Monegasse nicht das Paket, um an der Spitze der Königsklasse zu fighten - so auch 2025. Anstatt sein Glück in einem anderen Team zu versuchen, bleibt er Ferrari weiterhin treu. Ein schwerer Fehler!
Denn Leclerc ist kein 40-jähriger Hamilton, der seine Formel 1-Karriere nach sieben WM-Titeln in Rot ausklingen lassen kann. Der 27-Jährige muss vielmehr jede Chance nutzen bzw. auch ein Wagnis eingehen - denn die nächste Generation steht bereits in den Startlöchern. Mit Kimi Antonelli sitzt ein Youngster bereits in einem Top-Team, Red Bull hat längst ein Auge auf Isack Hadjar geworfen und McLaren ist mit dem 23-jährigen Piastri und dem 25-jährigen Norris auf längere Zeit dicht.
Cadillac ist wohl ein zu großes Wagnis, Aston Martin und Audi hingegen nicht. Dass es klappen kann, hat 2010 sein aktueller Ferrari-Teamkollege bewiesen. Als Lewis Hamilton von McLaren zu Mercedes wechselte, sahen das viele als Karriere-Suizid an. Bekanntlich war das Gegenteil der Fall. Sein Wagnis wurde mit sechs Fahrertiteln belohnt.

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