Die Fahrermarkt-Sensation ist perfekt: Nach 18 gemeinsamen Jahren in der Formel 1 gehen Lewis Hamilton und Mercedes 2025 getrennte Wege. Der erfolgreichste F1-Fahrer der Geschichte wechselt nach der Saison 2024, die er noch mit Mercedes bestreiten wird, zu Ferrari und wird dort Teamkollege von Charles Leclerc. Nachdem sich Hamiltons Ferrari-Transfer am Donnerstagmorgen angebahnt hatte, bestätigten die Parteien den Wechsel am Donnerstagabend.

Weil Hamilton erst vor einigen Monaten einen neuen Mercedes-Vertrag unterschrieben hatte, glaubte niemand mehr so richtig an die immer wiederkehrenden Gerüchte über einen Wechsel zu Ferrari. Mercedes hatte im August 2023 verkündet, dass Hamilton bis Ende 2025 für die Marke mit dem Stern in der Formel 1 fahren würde.

Hamilton wechselt zu Ferrari! Wer ersetzt ihn bei Mercedes?: (09:20 Min.)

"Lewis hat eine Ausstiegsklausel in seinem im vergangenen August verkündeten Vertrag gezogen, weshalb die anstehende Saison seine letzte als Fahrer für die Silberpfeile darstellen wird", heißt es jetzt in einer Presseaussendung von Mercedes. Dass Hamilton schon vor dem Start der ersten Vertrags-Saison die Option ziehen kann, wirft Fragen auf.

Hamilton: Mercedes-Abschied härteste Entscheidung überhaupt

"Wir wussten, dass unsere Partnerschaft irgendwann zu einem natürlichen Ende kommen würde, und dieser Tag ist nun gekommen", sagt Mercedes Motorsportchef Toto Wolff. Hamilton selbst erinnert sich zum Abschied zurück: "Seit ich 13 Jahre alt war ist Mercedes ein Teil meines Lebens. Mit ihnen bin ich aufgewachsen und sie zu verlassen war deshalb eine der härtesten Entscheidungen, die ich jemals treffen musste."

Lewis Hamilton fuhr schon im Kart mit Mercedes AMG Branding, Foto: Sutton
Lewis Hamilton fuhr schon im Kart mit Mercedes AMG Branding, Foto: Sutton

Hamilton wurde schon zu Kart-Zeiten von McLaren-Mercedes gefördert und stieg 2007 mit dem britischen Rennstall in die Formel 1 auf. 2013 wechselte er von McLaren-Mercedes zum 2010 wieder ins Leben gerufenen Mercedes-Werksteam. Der Wechsel war damals sportlich nicht unumstritten, doch Hamilton holte von 2014 bis 2021 sechs Fahrerweltmeisterschaften.

Insgesamt steht Hamilton wie Michael Schumacher bei sieben Fahrer-Titeln. Mit 103 Rennsiegen hat er den Deutschen bereits übertrumpft. 82 davon holte der erste schwarze Formel-1-Fahrer der Geschichte mit dem Mercedes-Werksteam. "Ich hatte elf fantastische Jahre mit diesem Team und ich bin sehr stolz auf das, was wir gemeinsam erreicht haben", reflektiert Hamilton.

"Unsere Partnerschaft mit Lewis ist zur erfolgreichsten Team- und Fahrerpaarung in der Geschichte unseres Sports geworden. Darauf können wir mit Stolz zurückblicken. Lewis wird immer ein wichtiger Teil der Rennsportgeschichte von Mercedes sein", verspricht Toto Wolff.

Hamilton zu Ferrari-Wechsel: Zeit ist reif

Doch die mittelfristige Zukunft heißt für Hamilton Ferrari. "Die Zeit ist für mich reif, diesen Schritt zu gehen und ich freue mich darauf, eine neue Herausforderung anzunehmen", so der 39-Jährige, der kurz nach seinem Dienstantritt in Maranello seinen 40. Geburtstag feiern wird - sich aber einst geschworen hatte, mit 40 schon in Formel-1-Rente zu sein.

Ferrari bestätigt am Donnerstagabend lediglich in einer Mini-Presseaussendung mit einem einzelnen Satz, dass Hamilton einen mehrjährigen Vertrag unterschrieben hat. Weitere Details, egal ob Laufzeit oder Reaktionen der Team- und Konzernführung, bleibt die Scuderia erst einmal schuldig.

Lewis Hamilton im Gespräch mit ART-Teamchef Fred Vasseur.
Lewis Hamilton und Fred Vasseur kennen sich noch aus GP2-Tagen, Foto: LAT Images

Bei Ferrari trifft Hamilton auf Fred Vasseur. Der Franzose ist seit 2023 Teamchef in Maranello. Die beiden kennen sich bereits seit zwei Jahrzehnten. 2006 holte Hamilton mit Vasseurs Rennstall ART den Titel der GP2-Serie, der Kontakt zwischen beiden riss nie ganz ab. Aber dass Ferrari kein einfaches Pflaster ist, das ist wohl dokumentiert. Die MSM-Redakteure Christian Menath und Markus Steinrisser analysieren Hamiltons Entscheidung und seine Erfolgschancen hier:

Formel-1-Saison 2024 für Hamilton silberne Abschiedstournee

Die kurzfristige Zukunft heißt dennoch Mercedes. Die Saison 2024, die in einem Monat in Bahrain beginnt, bestreitet das Erfolgsduo noch gemeinsam. "Ich bin hundertprozentig entschlossen, in dieser Saison mein absolut Bestes zu geben und mein letztes Jahr in einem Silberpfeil zu einem unvergesslichen Jahr zu machen", verspricht Hamilton.

Zwischenmenschlich, so der Rekordsieger, gibt es keine Probleme: "Ich werde meiner Mercedes Familie immer für die unglaubliche Unterstützung dankbar sein, ganz besonders Toto für seine Freundschaft und seine Führungsqualitäten, und ich möchte die Zusammenarbeit mit einem Höhepunkt abschließen."

Fahrermarkt kommt in Schwung: Wer folgt auf Hamilton?

Für den Fahrermarkt hat der Hamilton-Wechsel weitreichende Konsequenzen. Bei Ferrari muss Carlos Sainz weichen. Der Vertrag des Spaniers läuft Ende 2024 aus. Sainz ist Andreas Seidls Wunschkandidat für den Audi-Einstieg 2026. Ein Wechsel zum Sauber-Team im kommenden Jahr gilt als wahrscheinlich. Zuvor hatte schon Carlos Sainz Senior die Werbetrommel für einen Wechsel seines Sohnes gerührt, nachdem er mit Audi die Rallye Dakar gewonnen hatte.

Die spannendste Frage lautet, wen Mercedes als Hamilton-Nachfolger verpflichtet und wer 2025 neben George Russell für die Silberpfeile an den Start geht. "Uns bieten sich aufregende Möglichkeiten für die Zukunft", meint Wolff. Tatsächlich aber ist der Fahrermarkt bereits ausgedünnt: Lando Norris verlängerte unlängst bei McLaren vorzeitig, Max Verstappen ist ohnehin bis 2028 an Red Bull gebunden.

In den eigenen Reihen hätte Mercedes noch Ersatz- und Simulatorfahrer Mick Schumacher und den hochgelobten Junior Andrea Kimi Antonelli. Antonelli geht aber 2024 in seine erste Formel-2-Saison, eine Beförderung zum Mercedes-Formel-1-Piloten 2025 scheint verfrüht.

Alexander Albon (derzeit bei Williams unter Vertrag) oder Esteban Ocon (Alpine) könnten Alternativen sein. Ocon entstammt dem Mercedes-Nachwuchsprogramm und wird noch immer von Mercedes gemanagt. Alle Optionen haben wir hier analysiert: