"Ich bin überzeugt, dass meine Situation morgen viel besser sein wird", nach seinem schwachen Sprint hatte Francesco Bagnaia noch am Samstagabend eine klare Kampfansage in Richtung seiner Rivalen und Kritiker gesendet. Der Rennsonntag zur Dutch TT sollte endlich die Rückkehr des alten Bagnaias aus den letzten Jahren mitsichbringen. Und tatsächlich: Führend in die erste Kurve eingebogen, sah es auch erstmal richtig gut für den zweimaligen MotoGP-Champion aus. Zwischenzeitlich auch zweimal in Folge die schnellste Rennrunde gefahren, stand letztlich aber wieder nur Platz drei zu Buche. Was machen wir jetzt also aus dem Rennwochenende in Assen?

"Ich habe das Gefühl, dass ich zum ersten Mal in dieser Saison - über das gesamte Wochenende hinweg gesehen - derjenige mit der stärksten Pace war. Am Ende bin ich aber wieder auf dem gleichen Platz wie immer ins Ziel gekommen", wusste auch Bagnaia selbst am Sonntagnachmittag nicht so recht, wie er die Dutch TT nun einordnen sollte. Warum es nicht zum erlösenden ersten Saisonsieg aus eigener Kraft gereicht hatte? "Ich hatte die gleichen Probleme. Ich bin da, kann in den ersten Runden kämpfen. Dann spüre ich einen kleinen Drop [bei den Reifen], der mich zur Rennmitte kostet und dann bin ich wieder schnell."

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Altbekannte Überholprobleme kosten Francesco Bagnaia in Assen

Tatsächlich eine recht treffende Zusammenfassung seines Rennens in Assen. Auf vier Führungsrunden zum Start folgte am Ende des fünften Umlaufs das Überholmanöver von Teamkollege Marc Marquez, woraufhin Bagnaia etwas aus dem Tritt geriet. Kurze Zeit später gingen auch Marco Bezzecchi und Pedro Acosta vorbei. Pünktlich mit Beginn der zweiten Rennhälfte dann der Konter gegen Acosta und zwei schnellste Runden in Serie. Die Startnummer 63 schien wieder auf dem Vormarsch, doch dieser kam am Hinterrad von Kumpel Bezzecchi zum Erliegen.

"In dieser Saison habe ich einfach größere Probleme, anderen Fahrern zu folgen", haderte Bagnaia und beschrieb: "Sobald ich näherkomme, bekomme ich die Front nicht mehr an die richtigen Stellen. Bewegung im Vorderrad, Blockieren und Untersteuern sind enorm, das Motorrad wird sehr unruhig und wackelt extrem. Da wird es einfach schwer, die Lücke zum Vordermann zu schließen, wenn er eine sehr ähnliche Pace zu dir hat." Acosta brach in der zweiten Rennhälfte ein, weshalb Bagnaia leichter vorbeigehen konnte. Bezzecchi erlitt dieses Schicksal jedoch nicht und sah sich so nie in ernsthafter Bedrängnis durch seinen VR46-Academykollegen.

So stand letztlich eben nur der vierte dritte Platz im Kalenderjahr 2025 zu Buche, während Marc Marquez bereits seinen sechsten Saisonsieg feierte. "Marc leistet fantastische Arbeit mit diesem Motorrad. Ich habe größere Probleme, damit die richtige Balance zu finden, weil ich genau weiß, wie sich das letztjährige Bike angefühlt hat", kommentierte Bagnaia. "Wir arbeiten daran und müssen das Positive sehen. Wir sind nicht weit weg, wir kommen immer näher." Auch das ein Fakt, der sich tatsächlich nicht wegdiskutieren lässt. Nur 2,666 Sekunden fehlten Bagnaia in Assen auf Teamkollege Marquez. Weniger waren es nur in Thailand und Aragon, dort hätte der WM-Führende aber auch deutlich mehr Vorsprung haben können, wenn er es denn gewollt hätte oder nicht durch äußere Umstände eingebremst worden wäre.

Francesco Bagnaia hatte das Führungsduo in Assen direkt vor Augen, Foto: IMAGO / Orange Pictures
Francesco Bagnaia hatte das Führungsduo in Assen direkt vor Augen, Foto: IMAGO / Orange Pictures

Francesco Bagnaia: In 2 bis 3 Rennen wieder bei alter Stärke?

"Ich habe in Le Mans und Silverstone viel Selbstvertrauen eingebüßt, jetzt sind wir wieder zurück bei der Performance aus den ersten Rennen. Für mich war das mein bestes Wochenende der ganzen Saison", freute sich Bagnaia daher. Die Brust werde aktuell immer breiter: "Ich konnte pushen und hatte mit gebrauchten Reifen eine starke Pace, meine Zuversicht wird besser und besser." Der 28-jährige Italiener müsse sich nun lediglich noch etwas besser an die Ducati GP25 anpassen. "Ich versuche mein Bestes, aber das ist nicht einfach, weil ich eigentlich ein stabileres Bike wie letztes Jahr brauche. Es wird aber immer besser und besser. Ich hoffe, dass ich mich in zwei bis drei Rennen endlich gut fühlen werde."

Für einen Angriff im WM-Kampf ist es bei inzwischen schon 126 Punkten Rückstand auf Marquez dann natürlich zu spät, aber das wusste Bagnaia auch schon nach dem Italien-GP. Vielmehr geht es im restlichen Saisonverlauf nur noch um Punktsiege. Vielleicht schon am Sachsenring oder in Brünn? "Marc ist auf den nächsten Strecken eigentlich extrem schnell. Aber wie er selbst sagt: Dieses Jahr ist er auf Strecken schnell, auf denen er sonst Probleme hat und auf Strecken, auf denen er eigentlich schnell ist, hat er mehr Probleme. Nur in Aragon nicht", hofft Bagnaia auf eine Überraschung beim nächsten Doubleheader. "Ich war [am Sachsenring] immer konkurrenzfähig. Das werde ich auch dieses Mal wieder sein."

Im Vorjahr gewann Bagnaia den Deutschland-GP vor Marquez, nachdem Jorge Martin kurz vor Schluss in Führung liegend gestürzt war. Was glaubt ihr: Gibt es eine reelle Chance auf eine Wiederholung dieses Szenarios? Sagt uns eure Meinung in den Kommentaren! Wie es aktuell um den 'Martinator' steht, könnt ihr derweil hier nachlesen: