Lediglich 0,028 Sekunden trennten Francesco Bagnaia am Samstag von seiner ersten MotoGP-Pole-Position im Jahr 2025. Näher war der dreimalige Weltmeister in der laufenden Saison noch nie am ersten Startplatz dran - und vor allem auch noch nie schnellster Ducati-Fahrer. Beide Marquez geschlagen, beide VR46-Piloten geschlagen, Rookie Fermin Aldeguer geschlagen. Auf der Lieblingsstrecke in Assen machte Bagnaia einen richtig guten Eindruck, schien nach dem Rückschlag in Mugello wieder auf dem richtigen Weg.

"Pecco hatte in den Trainings eine richtig starke Pace", erkannte auch Ducati-Teammanager Davide Tardozzi. Es gab also Grund zum Optimismus, doch im Sprint selbst dann der erneute Rückfall in alte Muster. Anstatt um den Sieg zu kämpfen, wurde Bagnaia nach und nach durchgereicht. Marc Marquez ging gleich am Start vorbei, später dann auch Alex Marquez, Marco Bezzecchi und Fabio Di Giannantonio. Zu Platz fünf reichte es einzig, weil Fabio Quartararo in der Schlussphase noch zu Sturz kam und seinem ehemaligen Titelrivalen damit eine Position schenkte. "Leider ein klassicher Sprint", haderte Bagnaia am Samstagabend dann in seiner Medienrunde.

Francesco Bagnaia erfreut: Endlich altes Gefühl für die Front wiedergefunden!

Was jedoch überraschte: Im Anschluss setzte der Ducati-Star nicht etwa zu einer Wutrede oder Ähnlichem an, er wechselte schnell in erfreute Gemütszustände. "Es gibt ein paar positive Dinge und ich will die Positiven Dinge auch in den Vordergrund stellen. Zum ersten Mal muss ich mich nicht über mein Gefühl [für die Front] beklagen, sondern nur über den Sprint. Das ist ein Schritt in die richtige Richtung", bilanzierte er.

Wie der Mann aus Turin das genau meinte? 2025 hatten ihn bislang an praktisch jedem Rennwochenende Probleme mit der Front seiner Ducati begleitet. Er konnte kein Vertrauen zum Vorderrad der Desmosedici GP25 aufbauen und sah sich dadurch seiner größten Stärken beraubt: Bremsphase und Kurveneingang. In Aragon hatte er noch auf den Durchbruch mit einer größeren Bremsscheibe gehofft, konnte daraufhin in Mugello aber trotzdem nicht mit den Marquez-Brüdern mithalten. In Assen sei das jedoch anders, das Gefühl für die Front stimme nun wieder. Dass es nur zu Platz fünf reichte, lag demnach einzig an Bagnaias altbekannter Sprintschwäche mit dem kleineren Tank, die ihm das Überholen unmöglich macht.

Pedro Acosta besucht Ducati-Werk: Was ist da los? (08:51 Min.)

"Die Sprint laufen für mich immer identisch ab. Ich habe Probleme in den ersten Runden, aggressiv zu fahren. Danach ist die Pace dann gut", analysierte er und kam im Anschluss zu einer spannenden Erkenntnis: "Ich war heute schneller als die Jungs vor mir, ich konnte nur die Lücke zu ihnen nicht schließen, [um einen Überholversuch zu wagen, Anm.]. Diese Probleme habe ich, seit sie die Sprints eingeführt haben. Wenn ich nach den ersten zwei Runden noch führe, kann ich gewinnen. Sobald ich aber überholt werde, nimmt das Rennen immer den gleichen Verlauf. Ich finde da einfach nicht das gleiche Gefühl wie die anderen."

Francesco Bagnaia kam im Sprint nicht in die Nähe seiner Vorderleute, Foto: Tobias Linke
Francesco Bagnaia kam im Sprint nicht in die Nähe seiner Vorderleute, Foto: Tobias Linke

Francesco Bagnaia vor Durchbruch: In der Dutch TT wieder der Alte?

Eine Lösung für die Sprintprobleme ist weiterhin nicht in Sicht, was jetzt erstmal keine erfreulichen Nachrichten sind. Aber es sind eben nur Sprintprobleme, die sich in der Vergangenheit im Grand Prix in Luft auflösten. "Ich bin überzeugt, dass meine Situation morgen viel besser sein wird", zeigte sich Bagnaia daher optimistisch für die Dutch TT (Start 14:00 Uhr MEZ). "Ich werde besser perfomen als letzte Woche, als ich schon am Anfang mit den Brüdern kämpfen konnte. Zum ersten Mal in dieser Saison habe ich eine bessere Pace als Alex. Ich bin mir zu 100 Prozent sicher, das ich morgen keine Probleme beim Überholen anderer Fahrer haben werde", lautet die klare Kampfansage der Startnummer 63. "Es wird morgen so sein, wie in den letzten Jahren."

Bekommen wir am Sonntag tatsächlich wieder den alten, speziell im Grand Prix so starken Francesco Bagnaia zu sehen? Sagt uns eure Meinung dazu in den Kommentaren. Wenn ihr nun noch wissen wollt, wieso Alex Marquez im Sprint auf eine Attacke gegen Bruder Marc verzichtete, dann klickt doch mal in diesen Artikel rein!