Nach enttäuschenden Saisonstart ging es bei KTM zuletzt wieder aufwärts: Zwei vierte Plätze durch Pedro Acosta in Aragon und Assen, dazu ein potenzieller Podestplatz durch Maverick Vinales in Mugello, hätte ihn Franco Morbidelli nicht mit einem überzogenen Manöver aus dem Rennen katapultiert. Die RC16 ist wieder auf dem Vormarsch - zumindest mit Acosta und Vinales. Bei Brad Binder geht der Trend dagegen in die völlig falsche Richtung.
Tiefpunkt Assen: Brad Binder stürzt in die MotoGP-Krise
Jahrelang die KTM-Speerspitze, hatte Binders Status als Nummer-eins-Fahrer der Orangenen bereits im Vorjahr gewackelt, als Rookie Pedro Acosta die Königsklasse im Sturm eroberte und letztlich nur zwei WM-Punkte weniger als der Südafrikaner sammelte. Dennoch war Binder 2024 unter dem Strich wieder bester KTM-Pilot. Sechs Monate später könnte er davon aber kaum weiter entfernt sein: Lediglich 47 Punkte hat er nach zehn Grands Prix gesammelt, liegt auf einem enttäuschenden WM-Rang 13. Schlechter stand Binder nicht einmal 2020, 2021 oder 2022 da - und da gab es bekanntlich noch keine Zusatzpunkte durch Sprints.
Wie schlimm es tatsächlich um Binder steht? In Grand Prix und Sprint stehen 2025 kombiniert erst sechs Top-Zehn-Platzierungen zu Buche - bei insgesamt 20 Anläufen. Überhaupt holte der 29-Jährige aus Potchefstroom im Sprint erst drei magere WM-Punkte, beendete sieben der 20 Rennen vorzeitig im Kiesbett. Ein sechster Platz aus dem Spanien-GP Ende April ist ein bestes Saisonergebnis, zuletzt bei der Dutch TT kam er fast 20 Sekunden hinter Teamkollege Acosta ins Ziel, fand sich bereits zum achten Mal in Q1 wieder und kam nicht über Startplatz 16 hinaus. Wie konnte die Startnummer 33 so sehr abstürzen?
Diese Frage stellt sich Binder aktuell wohl auch selbst oft genug. Eine klare Antwort gibt es nicht. "Ich habe nicht viel zu sagen, ich hatte einfach das gesamte Wochenende über keine Pace. Mir hat jeglicher Speed gefehlt, ich hatte sehr zu kämpfen. Das war hart. Das einzig Gute, dass ich sagen kann, ist, dass ich beide Rennen beendet habe. Aber das bedeutet mir nicht viel, ich wäre lieber schnell", bilanzierte Binder nach der Dutch TT sichtlich niedergeschlagen und ratlos. Er wolle die Pause bis zum Deutschland-GP am Sachsenring (11. - 13. Juli) nun nutzen und die eigenen Probleme analysieren: "Ich muss dringend etwas Speed finden."
Woran scheitert es bei Brad Binder aktuell?
Das große Problem: Binder scheint - ähnlich wie Francesco Bagnaia - das Gefühl für die Front seines Motorrads völlig verloren zu haben. Bereits am Mugello-Freitag klagte er über den "gefühlt 20. Sturz über das Vorderrad in diesem Jahr". Hatte sich der Südafrikaner damals noch positiv gezeigt, eine Lösung für seine Probleme gefunden zu haben, war dem rückblickend wohl nicht so. "Die Front ist sehr unruhig, wackelt viel. Dadurch muss ich das Gas immer wieder zumachen", beschreibt Binder. Speziell in schnellen Kurven, wie es sie zuletzt in Mugello oder Assen zu Genüge gab, verliere er deshalb viel Zeit. "Ich kann keinen Kurvenspeed aufbauen. Ich muss einen Weg finden, dieses Wackeln zu unterbinden oder lernen, mit dem Wackeln zu fahren."

Speziell Letzteres ist aber leichter gesagt als getan. Maverick Vinales erklärte in seinen Medienrunden und Pressekonferenzen seit Wochen, dass es einen sehr präzisen, sauberen, ruhigen, kontrollierten Fahrstil mit der KTM RC16 des Jahrgangs 2025 brauche, um schnell sein zu können. Binder kommt nur leider mit einem komplett gegenteiligen Fahrstil daher, will eigentlich hart bremsen und das Bike in die Kurven wuchten. "Es ist ziemlich leicht, dieses Motorrad aus der Ruhe zu bringen. Und ich mache das eigentlich in jeder Kurve", weiß der zweimalige Grand-Prix-Sieger auch selbst. Eine schnelle Lösung seiner Probleme ist daher nicht in Sicht: "Ich mache mir das Leben selbst schwer. Aber es ist auch nicht einfach, anders zu fahren."
Wie schwierig eine Anpassung des Fahrstils sein kann, wenn man seiner größten Stärken beraubt wird, zeigt derzeit ja auch Bagnaia. Beim Ducati-Star ging es zuletzt aber aufwärts. Was ihn optimistisch stimmt, bald wieder der Alte zu sein, erfahrt ihr hier:



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