10 Grand-Prix-Siege, 13 Sprintsiege, acht Pole Positions - Marc Marquez dominiert die MotoGP-Saison 2025 nach Belieben und könnte theoretisch schon in zweieinhalb Wochen in Misano den WM-Gewinn auch rechnerisch fix machen. Völlig undenkbar in Anbetracht dessen: Vor lediglich vier Monaten war der 32-Jährige aus Cervera nicht einmal WM-Führender. Ja, richtig gelesen. Nach dem Spanien-GP in Jerez führte Bruder Alex die Weltmeisterschaft noch an, hatte einen Zähler mehr als Marc Marquez gesammelt. Inzwischen aber ganze 175 Punkte im Rückstand, sind sämtliche WM-Hoffnungen des jüngeren Marquez-Bruders in den vergangenen Wochen implodiert. Die Startnummer 73 hat ihre große Stärke verloren.

Was damit gemeint ist? Ganze 14 zweite Plätze fuhr Alex Marquez beginnend mit dem Saisonstart in Thailand bis einschließlich des Sprints in Assen ein. Lediglich dreimal landete er in diesem Zeitraum nicht auf dem Podium, lediglich einmal blieb er völlig ohne Zähler. Und wenn Bruder Marc einmal patzte, war er mit Siegen im Spanien-GP oder dem Silverstone-Sprint zur Stelle. Eine beeindruckende Konstanz, die selbst dem so dominanten Überflieger in Rot zwischenzeitlich Probleme und Sorgen bereitete.

Marc Marquez vor MotoGP-Titel: Er will ihn nicht in Misano (08:23 Min.)

Alex Marquez verliert große Stärke: Ungarn-Wochenende zum Vergessen

Von genau dieser Konstanz ist in den vergangenen Wochen aber nichts mehr zu sehen. Konnten durchwachsene Wochenenden am Sachsenring und in Brünn noch Marquez' Handbruch aus der Dutch TT zugeschoben werden, geht das seit Ende der Sommerpause nicht mehr. Und dennoch holte der jüngere Marquez-Bruder seither zusammengerechnet nur 19 Punkte mit neuem Tiefpunkt in Ungarn. Beim Debüt des Balaton Park Circuits reichte es lediglich für die Ränge acht (Sprint) und 14 (Grand Prix).

"Ich war auf der Linie und ich habe auch nicht zu spät gebremst, ich habe einfach nur die Front verloren. Das ist ein Wochenende zum Vergessen, nicht mehr und nicht weniger", haderte Marquez am Sonntagabend folgerichtig, nachdem er zuvor die Ursache seines Sturzes in Kurve eins angeführt hatte. Anschließend war er dem Feld hoffnungslos hinterher gefahren, lag aber auch vor dem Crash nur Platz 13. Eine Gridstrafe nach Blockade von Jack Miller und Francesco Bagnaia im Training hatte ihn vom ursrpünglichen Startplart elf nochmal weiter zurückgeworfen. "Ich habe viele Fehler gemacht, war dieses Wochenende zum ersten Mal in diesem Jahr überhaupt nicht auf der Höhe", bilanzierte der Gresini-Pilot schonungslos. Droht der Sturz in die MotoGP-Krise?

Alex Marquez verlor in Kurve eins des Balaton Park Circuits die Front seiner Gresini-Ducati, Foto: IMAGO / PsnewZ
Alex Marquez verlor in Kurve eins des Balaton Park Circuits die Front seiner Gresini-Ducati, Foto: IMAGO / PsnewZ

Alex Marquez in der MotoGP-Krise? Reset ja, Panik nein!

"Wir müssen uns auf Strecken verbessern, die nicht zu meinem Fahrstil passen. Ich muss als Fahrer kompletter werden, wenn wir konkurrenzfähig sein und um gute Dinge kämpfen wollen. Ich muss auf jeder Art von Strecke schnell sein. Dieses Wochenende waren wir nicht gut, daraus müssen wir lernen", ging Marquez jedenfalls hart mit sich ins Gericht. "Wir brauchen einen kleinen Reset", kommunizierte er weiter in aller Deutlichkeit, hielt anschließend aber auch klipp und klar fest: "Wir brauchen jetzt nicht in Panik zu verfallen."

Wieso? Das ist relativ schnell erklärt. Mit dem Circuit de Barcelona-Catalunya steht in anderthalb Wochen (5. - 7. September) als nächtes eine Strecke auf dem Programm, die mit ihrem flüssigen Charakter wie für Alex Marquez geschaffen scheint. Bereits beim Barcelona-Test im letzten November zeigte er dort mit Bestzeit auf. "Barcelona wird wieder besser zu meinem Fahrstil passen", zeigte sich die Startnummer 73 optimistisch, schon beim nächsten Grand Prix wieder verbesserte Leistungen an den Tag legen zu können. "Diese Aufs und Abs können passieren. Wir müssen jetzt einfach wieder zu unserem Level zurückfinden und in Barcelona ein paar gute Ergebnisse für die Weltmeisterschaft einfahren."

Läuft es aber auch auf der Lieblingsstrecke in Katalonien nicht, dann muss man sich wohl doch so langsam Sorgen um Alex Marquez machen. Dass er in der Fahrer-WM weiterhin komfortabel auf Platz zwei liegt, liegt ohnehin nur am gleichzeitigen Formtief von Francesco Bagnaia, der aus den Marquez-Patzern somit kein Kapital schlagen konnte. In Ungarn will der Ducati-Werkspilot nun aber einen Durchbruch geschafft haben: