"KTM und Aprilia haben einen Schritt gemacht, aber Ich denke, dass wir bald wieder auf ihrem Level sein werden. Wir müssen nur auf Updates für das Bike warten." Als sich Honda vor etwas mehr als einem Monat mit enttäuschenden Leistungen in Brünn in die MotoGP-Sommerpause verabschiedete, ließ sich Luca Marini als einziger Pilot der Japaner nicht aus der Ruhe bringen. "Wir wissen, dass sie kommen werden", versicherte er und durfte sich am vergangenen Wochenende bei der MotoGP-Rückkehr nach Ungarn bestätigt fühlen. Es gab ein neues Chassis für die Werksmannschaft - und prombt waren auch die Ergebnisse wieder da.
Die Zahlen und Fakten, die Marini und Teamkollege Joan Mir am Balaton Park Circuit zustande brachten, sprechen für sich. Ersterer erzielte mit den Plätzen vier (Sprint) und fünf (Grand Prix) seine bislang besten Ergebnisse als HRC-Pilot, schaffte es zudem als erster Honda-Fahrer überhaupt seit Beginn der Sprint-Ära 2023 zweimal am gleichen Wochenende in die Top-Fünf. Das war selbst dem großen Marc Marquez vor seinem Abschied nicht gelungen. Mir wiederrum feierte mit Platz sechs sein bestes Resultat überhaupt in einem Sprint und sorgte damit auch dafür, dass erstmals beide Werks-Hondas in einem Sprint in die Top-Sechs fuhren. Außerdem landeten am Freitag erstmals seit Indien 2023 wieder beide HRC-Werkspiloten direkt im Q2.

Honda-Durchbruch mit neuem MotoGP-Chassis? Vorsicht!
Ist Honda mit dem neuen Chassis also ein Durchbruch gelungen? "Das Potenzial des Motorrads sind unter normalen Umständen jetzt die Top-Sechs oder Top-Sieben. Wenn davor etwas passiert, kannst du auch mehr erreichen. Luca hatte ein großartiges Wochenende, das ist ermutigend", bilanzierte Mir am Sonntagabend jedenfalls erfreut. Doch von diesen Aussagen sollte man sich nicht blenden lassen, das weitere Feedback viel nicht unbedingt erfreulich aus.
"In der Bremsphase blockiere ich die Front oft, ich kann das Motorrad nicht stoppen. Das ist normalerweise meine Stärke, da geht mir also etwas Potenzial verloren. Wir müssen noch mehr damit testen", zeigte sich der MotoGP-Weltmeister von 2020 (noch) nicht vollends zufrieden mit dem neuen Chassis und Marini schwankte ebenfalls mit seinen Eindrücken. "Das Gefühl für die Front hat sich etwas verändert. Du bekommst mehr Feedback vom Reifen, wenn du die Bremse loslässt, aber mit angezogener Bremse ist es etwas schlechter geworden", begann er und hielt dann fest: "Wir sind uns noch nicht zu 100 Prozent sicher, welches Paket das bessere ist. Insgesamt fühlt sich das Bike aber sehr ähnlich an und ist noch nicht genug verbessert."
Honda brilliert im Balaton Park: Ausnahme oder neuer Standard?
Wieso es im Balaton Park dann so gut lief? Marini hat eine einfache Theorie: "Du brauchst hier keinen Topspeed. Du schaffst hier nur gerade so 300 km/h und bis dahin funktioniert unser Motor nicht allzu schlecht. Dadurch konnten wir hier gut performen. Außerdem war das eine neue Strecke. Niemand hatte verfügbare Daten und wir haben gute Ingenieure, die gut und schnell arbeiten und unser Motorrad gut vorbereitet hatten. Außerdem ist es für uns viel einfacher, wenn wir auf Strecken mit gutem Grip fahren. Dann erhöht sich das Niveau unseres Bikes um ein Vielfaches." Zahlreiche äußere Einflüsse also, die Honda zum starken Ungarn-Wochenende verholfen haben könnten. Und vor allem eben äußere Einflüsse, die so schon bei der kommenden WM-Station in Barcelona (5. - 7. September) nicht mehr vorzufinden sein werden.
"Wir haben noch viel Arbeit vor uns, das wird man in Barcelona wieder sehen. Dort ist der Grip gering und es gibt die lange Gerade, auf der du Motorenleistung brauchst. Da werden wir wahrscheinlich wieder etwas größere Probleme haben", fürchtet der Halbbruder von MotoGP-Legende Valentino Rossi. Es gibt aber auch Grund zur Hoffnung, denn LCR-Mann Johann Zarco fuhr den Werkspiloten am Balaton Park deutlich hinterher. Über weite Strecken der laufenden Saison eigentlich klar bester HRC-Fahrer, war der Franzose in Ungarn noch mit dem alten Chassis unterwegs und vielleicht auch deshalb nicht auf der Höhe. "Es fühlt sich schon etwas nach Fortschritt an", ließ Marini daher abschließend doch etwas Optimismus durchklingen. Der grundsätzliche Tenor blieb aber gleich: "Wir müssen vorsichtig sein, das war eine einzigartige Strecke. Es gibt noch viel Raum für Verbesserungen."
Was meint ihr: Sehen wir die Hondas jetzt regelmäßig auf den vorderen Plätzen oder geht's in Barcelona wieder zurück nach hinten? Sagt uns eure Meinung in den Kommentaren! Den Aufschwung bereits bestätigt hat derweil KTM. Was der Truppe aus Mattighofen noch zum ganz großen Wurf fehlt, erfahrt ihr hier:



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