Platz vier in Katar, Sieg in Le Mans, Podium in Silverstone und Platz sieben in Aragon. Nach der Horrorsaison 2024 und alarmierend schwachen Testfahrten in Sepang schien Honda im Frühling 2025 endlich wieder auf dem Vormarsch. Lediglich Ducati sammelte zwischen den Grands Prix in Katar und Aragon mehr Punkte in der Konstrukteurs-WM, KTM oder auch Aprilia schnitten 11 bzw. 13 Zähler schlechter ab. Es herrschte Aufbruchsstimmung, selbst Weltmeister Jorge Martin wollte plötzlich unbedingt zu den Japanern wechseln. Doch zu Beginn der Sommerpause ist davon nichts mehr übrig geblieben.
Vielmehr verfiel Honda seit dem Italien-Grand-Prix in Mugello in alte Muster, verlor den Anschluss zur MotoGP-Spitze komplett. Lediglich eine Top-Zehn-Platzierung gelang an einem Sonntag seither noch durch Luca Marini (P6), allerdings im sturzreichen und damit wenig aussagekräftigen Deutschland-GP. In Brünn kam die beste Honda - erneut Marini - zuletzt sogar nur auf Platz 12 ins Ziel, happige 20,778 Sekunden hinter Rennsieger Marc Marquez.
Joan Mir fordert Honda-Updates, doch der MotoGP-Hersteller liefert nicht
Bereits am Sachsenring hatte Joan Mir deshalb neue Teile gefordert, um die Performance der RC213V wieder steigern zu können. Doch wann kommen die nächsten Updates aus der japanischen Zweirad-Zentrale in Asaka denn? "Das ist eine gute Frage", gestand der MotoGP-Weltmeister von 2020 in Brünn mit einem Säufzen. "Ich weiß es nicht und das ist eine schwierige Situation", führte er aus. "Mit unserem aktuellen Paket haben wir nur eine Linie. Wenn wir die perfekt treffen, schaffen wir es in Q2. Aber sobald etwas passiert - und es passiert aktuell jedes Wochenende etwas - dann sind wir draußen [aus Q2, Anm.] und alles wird chaotisch."
Tatsächlich brachte Honda in den letzten vier Grand Prix nur viermal einen Fahrer in Q2, profitierte dabei aber auch dreimal von nassen Bedingungen. Im Trockenen konnte sich einzig Johann Zarco in Assen als Zehnter im Training gerade so für Q2 qualifizieren, kam dort dann aber auch nicht über den zwölften Startplatz hinaus. Die Botschaft der Honda-Piloten ist daher eindeutig. "Das ist ein Moment, in dem wir mehr Unterschützung brauchen. Wir brauchen Hilfe von Honda. Eine Verbesserung auf der Performance-Seite, um Schritte nach vorne machen zu können", brachte es Mir bereits am Brünn-Freitag auf den Punkt. Denn "wenn wir das nicht machen, werden die Anderen einen Schritt machen und wir fallen weiter zurück. Und das können wir uns nicht erlauben."
Takaaki Nakagami verrät: Auch Honda-Testfahrer aktuell ohne viel Arbeit
Das Problem ist nur, dass aktuell eben wenig in Aussicht zu stehen scheint. "Ich weiß nicht, wann", antwortete auch Testfahrer Takaaki Nakagami von Motorsport-Magazin.com danach befragt, ob zeitnah Updates geplant seien. "Ich habe in Motegi ein paar Teile getestet, die auch in die richtige Richtung gingen. Wir haben damit etwa bei der Einlenkphase einen Schritt gemacht. Ich weiß nicht warum, aber aus irgendeinem Grund können sie die Teile der GP-Mannschaft jedoch nicht zur Verfügung stellen. Vielleicht sind sie nicht überzeugt oder brauchen noch mehr Zeit, um sie weiter zu evaluieren." Wenig Fortschritt also bei Honda, was Nakagami negativ überrascht: "In Motegi und auch hier hätte ich beispielsweise neue Aero-Teile oder ein neues Chassis erwartet. Vor ein paar Wochen habe ich noch eine Karbon-Schwinge getestet, die jetzt aber verschwunden ist. Ich weiß nicht, warum." Der 33-jährige Routinier habe daher gerade "gemischte Gefühle" über den gegenwärtigen Zustand des Projekts: "Ich weiß, dass sie im Hintergrund wirklich hart arbeiten, um die bestmögliche Balance zu finden, aber es sieht gerade nicht leicht aus."

Positiv gestimmt zeigte sich in Brünn nur Luca Marini. "KTM und Aprilia haben einen Schritt gemacht, was gut für die Weltmeisterschaft ist. Ich denke, dass wir bald wieder auf ihrem Level sein werden. Wir müssen nur auf Updates für das Bike warten. Wir wissen, dass sie kommen werden", gab die Startnummer 10 an. Tatsächlich soll bereits nach der Sommerpause in Spielberg (15. - 17. August) etwas Neues ausgepackt werden. Allerdings wohl nichts Weltbewegendes: "Ein Schritt, aber sicher nicht genug. Wir haben das schon vor zwei Wochen in Brünn in getestet, wir werden sehen."
Vorfreude klingt wahrlich anders. Deutlich euphorischer präsentierte sich da Aprilia nach dem Tschechien-GP. Der Hersteller aus Noale scheint sich mit Jorge Martin und Marco Bezzecchi ein kleines 'Dreamteam' gebaut zu haben. Mehr dazu hier:



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