Anderthalb Monate sind vergangen, seit Jorge Martin Schockwellen durch das MotoGP-Paddock jagte. Im Rahmen des Frankreich-Grand-Prix informierte Martin, der verletzungsbedingt erst ein Rennwochenende in der laufenden Saison bestritten hat, seinen Arbeitgeber Aprilia darüber, dass er seinen Vertrag mit Ende 2025 vorzeitig auflösen will. Eine Klausel sollte das ermöglichen, Aprilia wollte davon aufgrund von Martins Verletzungsserie allerdings nichts wissen. In Noale war man schnell entschlossen, rechtliche Schritte einzuleiten, würde Martin seinen Plan tatsächlich in die Tat umsetzen.

Aprilia streckt Hand in Richtung Jorge Martin aus

Es folgten Statements von beiden Parteien, in denen die bereits bekannten Standpunkte noch einmal klargestellt wurden. Dann wurde es ruhig in der Causa Martin. Vor kurzem meldete sich dann Aprilia-Teammanager Paolo Bonora zu Wort und richtete ein Friedensangebot an Martin und seinen Manager Albert Valera: "Es kann alles behoben werden. Daran arbeiten wir."

Eine Sichtweise, die Valera offensichtlich nicht teilt. Im Interview mit MotoGP-Pitlane-Reporter Jack Appleyard am Samstag in Assen erteilte er jeglichen Versöhnungsangeboten eine klare Absage: "Ich kann sagen, dass Jorge für 2026 frei ist. Für uns ist das ziemlich klar. Wir halten uns an den Vertrag und dieser beinhaltet eine Klausel, die Jorge genützt hat. Das ist sein Recht. Er ist damit verfügbar und offen, für einen anderen Hersteller zu unterschreiben. Es war immer unser Ziel, die Deadline in den September oder Oktober zu verschieben, weil uns bewusst war, dass der Zeitraum so sehr kurz ist. Wir wollten, dass Aprilia und Jorge mehr Zeit haben, um ihr Potenzial zu verstehen. Leider wurde es uns verwehrt, diese zweite Chance herbeizuführen. Somit war Jorge gezwungen, seine Entscheidung zum ursprünglich vereinbarten Zeitpunkt zu treffen."

Aprilia vs. Jorge Martin: Kampf um die Freiheit

Ein Rechtsstreit zwischen Aprilia und Martin scheint nun der einzig denkbare Ausgang. Das ließ Albert Valera auch im Interview anklingen: "Es ist wohl nicht der richtige Zeitpunkt, um andere Angebote zu besprechen. Wenn wir Jorges Freiheit erkämpft haben, können wir uns Gesprächen mit anderen Herstellern widmen." Der Kampf um Jorge Martins Freiheit wird wohl einer ihm Gerichtssaal sein. Valera hofft auf eine schnellstmögliche Klärung, um sich der Zukunft seinen Schützlings widmen zu können. Die Gerüchte um einen möglichen Wechsel zu Honda dementierte der gewiefte Manager keineswegs: "Honda ist eine Option für nächstes Jahr."

Von der zweiten Streitpartei gibt es unterdessen keine Stellungnahme. Aprilia hatte schon nach dem ersten offiziellen Statement erklärt, dass es keine weiteren Äußerungen zur Causa Martin geben werde. Diese Strategie bestätigte Kommunikationschef Antonio Boselli am Samstag in Assen: "Unsere Position hat sich seit der Presseaussendung vom 22. Mai nicht geändert. Aprilia-Repräsentanten werden keine weiteren Kommentare zu dieser Angelegenheit abgeben."

Jorge Martins Manager Albert Valera kümmert sich in der MotoGP auch um Pedro Acosta. Der sorgte dieser Tage mit einem Besuch bei Ducati für Aufregung. Was es damit auf sich hatte, erfahrt ihr im Video:

Pedro Acosta besucht Ducati-Werk: Was ist da los? (08:51 Min.)