Auch nach dem Formel-1-Rennen in Barcelona gilt es bei Alpine wieder eine Strafe aufzuarbeiten. Das trübt das Ergebnis eines überraschend starken Sonntages am Abend doch wieder etwas. Immerhin kann sich Pierre Gasly diesmal anders als in Monaco, wo er sein Podium erst nach einem Protest zurückbekam, unbesorgt freuen. Teamkollege Franco Colapinto muss drei seiner vier Punkte aber wieder abgeben.

Eigentlich hatte Alpine vor dem Rennen überhaupt nicht mit Punkte gerechnet. Permanent waren sie in Barcelona Audi und den Racing Bulls hinterhergefahren. Doch im Renn-Trimm sah es plötzlich um einiges besser aus. Audi eliminierte sich zuerst einmal mit einem schlechten Start und einer bizarren Situation bei Nico Hülkenberg, bei dem ein Kieselstein den Killswitch des Autos auslöste und ihn zur Aufgabe zwang.

Und die Racing Bulls schwächelten im Rennen gehörig. Über die Distanz war Liam Lawson, der zu Rennbeginn das Mittelfeld anführte, nicht in der Lage, seine Reifen so gut in Schuss zu halten wie Colapinto und Gasly. "Die Hitze schien uns entgegenzukommen", meint Gasly nach dem Rennen. Dadurch schlossen die beiden Alpine im Formationsflug im Mittelteil zu Lawson auf.

Alpine-Glückssträhne hält in Barcelona weiter an

Eine kurze Teamorder-Debatte später winkte Colapinto Gasly vorbei. Seinen kurz im Funk entladenen Frust tut der Argentinier nach dem Rennen schnell ab: "Du willst keinen Platz und drei Sekunden beim Vorbeilassen verlieren, aber in der Garage haben sie immer ein viel größeres Bild." Gasly zeigte, dass der Call richtig war, schloss sofort zu Lawson auf und setzte ihn unter Druck

Dann holte das Team Colapinto zum Stopp. Eine Runde später reagierten die Racing Bulls, um mit Lawson gegen diesen Undercut-Versuch zu verteidigen. Das ging schief, weil das eigentlich 2026 sehr schnell stoppende Team zum zweiten Mal zu langsam war. Erst nach 3,71 Sekunden setzte sich Lawson wieder in Bewegung und verlor den Platz an Colapinto.

Doch es folgte noch mehr Glück für Alpine. Gasly blieb draußen, um seinen Stint zu verlängern und hintenraus bessere Reifen zu haben. Das wurde fünf Runden später mit einem Virtuellen Safety Car belohnt. Gasly stoppte so zum Billig-Tarif und kam sowohl vor Colapinto als auch vor Lawson wieder raus: "Gute Strategie, und momentan geht bei uns alles auf."

Colapinto verliert 3 von 4 Punkten wegen Gelb-Verstoß

Weitere Ausfälle kurz vor Rennende katapultierten Gasly und Colapinto dann auf die Plätze sieben und acht. Colapintos P8 war da aber schon in Zweifel. Die FIA-Stewards ermittelten auf Verdacht, dass er vor dem Virtuellen Safety Car einfache gelbe Flaggen für den ausgerollten Fernando Alonso missachtet hatte.

Die Daten bestätigten diesen Verdacht. Colapinto hatte zwar vor Beginn der Gelbzone Tempo rausgenommen, aber in der Zone selbst nicht merklich verzögert. Das reicht den Stewards insgesamt nicht, auch wenn sie es als mildernde Umstände gelten lassen. Die Konsequenz sind 10 Strafsekunden, welche Colapinto zurück hinter die Racing Bulls von Lawson und Arvid Lindblad auf den zehnten Rang werfen.

Außerdem kassiert Colapinto für die Aktion einen Strafpunkt. Das ist wiederum etwas kurios. Es ist nämlich der erste Strafpunkt der Saison, nachdem sich Fahrer und FIA im Winter darauf verständigt hatten, den Strafpunkt-Einsatz bei gewöhnlichen Rennzwischenfällen zurückzufahren. Dass das die sicherheitsrelevanten Gelb-Verstöße nicht betrifft, erscheint sinnvoll. Auf den ersten Blick überrascht der Strafpunkt also nicht.

Was ihn kurios macht: In Kanada gab es dieses Jahr schon einen Gelb-Verstoß. Der war sogar deutlich schwerwiegender. Isack Hadjar fuhr ohne mildernde Umstände in einer Doppelgelb-Zone zu schnell und kassierte eine zehnsekündige Stop-and-Go. Aber keine Strafpunkte. Die Logik dahinter erschließt sich weder aus den Stewards-Urteilen noch aus den Penalty Guidelines, in denen alle Gelbverstöße bloß vage als mit "bis zu 3 Strafpunkten" gekennzeichnet sind.

Pierre Gasly sucht weiter Grund nach mysteriösem Bremsproblem

Alpines Vorsprung auf die Racing Bulls wächst entsprechend nicht ganz so sehr wie erhofft. Aktuell führen die beiden Teams mit 57 respektive 41 Punkten das F1-Mittelfeld an. Alpines Glückssträhne scheint dabei kein Ende zu finden. Seit China haben sie an jedem Wochenende mindestens 6 Punkte geholt.

Für Gasly kommt es etwas verwundernd, das hier wieder geschafft zu haben. Vom ersten Training an kämpfte er mit einem Auto, welches auf der Bremse unberechenbar nach links oder rechts zu ziehen begann. Alpine unternahm im Verlauf des Wochenendes alles, um den Grund zu finden, tauschte von Freitag auf Samstag sogar das Chassis.

Alles war vergeblich. "Selbst heute konnte ich in den Kurven 1 und 4 nicht normal bremsen", verrät Gasly. "Wir haben ein paar Ideen warum. Natürlich konnten wir das Auto im Parc ferme nicht mehr angreifen. Heute Abend wird da noch mehr kommen. In Österreich sollte alles wieder normal sein."