185 von 185 möglichen Punkten - In der MotoGP führte an den letzten fünf Rennwochenenden kein Weg an Marc Marquez vorbei. Der Ducati-Star gewann jedes der zehn Rennen und kann in der restlichen Saison 2025 "nur noch verlieren", wie er nach dem Tschechien-Grand-Prix selbst festhielt. Ganze 120 Punkte Vorsprung hat er in der Weltmeisterschaft inzwischen auf Bruder Alex angehäuft, der über weite Strecken der laufenden Saison die klare Nummer zwei im MotoGP-Feld war. In den letzten Wochen ließ der WM-Zweite jedoch nach - es gibt einen neuen ersten Herausforderer von Marquez und dem Ducati-Werksteam.
Um wen es sich dabei handelt? Um Marco Bezzecchi und Aprilia natürlich! Nach schwierigem Saisonstart drehte das italienische Gespann zuletzt so richtig auf und holte seit der Dutch TT in Assen in vier von sechs möglichen Fällen einen Podiumsplatz. Dreimal wurde Bezzecchi dabei sogar Zweiter, kämpfte in allen drei Rennen zumindest phasenweise auch mit Marquez um den Sieg. Der Lohn: 62 Punkte aus den letzten drei Grands Prix, einzig die Nummer 93 holte mehr. Seht hier selbst:
Die MotoGP-Punkteausbeute der Fahrer seit Assen:
| Position | Fahrer | Punkte |
|---|---|---|
| 1. | Marc Marquez | 111 |
| 2. | Marco Bezzecchi | 62 |
| 3. | Francesco Bagnaia | 53 |
| 4. | Fabio Quartararo | 41 |
| 5. | Pedro Acosta | 40 |
| 6. | Alex Marquez | 31 |
| 7. | Raul Fernandez | 30 |
| 8. | Brad Binder | 26 |
| 9. | Fabio Di Giannantonio | 22 |
| 10. | Jack Miller | 21 |
"Das war eine gute erste Saisonhälfte", bilanziert Bezzecchi daher nach dem Tschechien-GP. "Die ersten Rennen waren hart, weil wir aus einer schwierigen Saisonvorbereitung kamen, in der ich die Entwicklung fast komplett alleine übernehmen musste. Das war mental wie körperlich anstrengend, speziell mental. Als die Ergebnisse nicht kamen, war ich enttäuscht, aber wir sind ruhig geblieben und haben weitergearbeitet. Dann wurde alles besser." Wäre Bezzecchi am Sachsenring nicht auf Platz zwei zu Sturz gekommen, hätte die Punkte- und Podiumsausbeute der letzten Wochen sogar noch besser ausfallen können.
Was noch fehlt, um Marquez im direkten Duell auch mal schlagen zu können? Nicht viel! "Uns fehlt nichts im Speziellen", gibt Bezzecchi an. "Das Motorrad funktioniert jetzt in allen Bereichen gut, es geht jetzt nur noch um Details. Ducati hat da einen Vorteil, weil sie viele Fahrer haben und viele Daten sammeln können. Da Jorge jetzt zurück ist, können wir das künftig zusammen mit den Trackhouse-Jungs aber auch."
Jorge Martin als letztes Puzzleteil für den großen Aprilia-Durchbruch?
Es muss daher die Frage erlaubt sein, wie hoch der Aprilia-Höhenflug in den kommenden Monaten noch gehen kann. Jorge Martin zeigte in Brünn bereits ein äußerst vielversprechendes Comeback und könnte mit einiger Verspätung doch noch für eine Art 'Superteam' in Noale sorgen. "Das Potenzial ist riesig, das sieht man an Marco. Ich muss nur die Lücke zu ihm schließen und dann kann ich wieder um Siege kämpfen", gibt sich der MotoGP-Weltmeister optimistisch. Die Zweifel der letzten Monate sind ausgeräumt: "Das Bike ist konkurrenzfähig und ich bin es auch. Ich fühle noch das nötige Feuer in mir, um zurück an die Spitze zu kommen. Das ist nur eine Frage der Zeit, mit jedem Tag verstehe ich Motorrad und Team immer besser."

"Unsere Arbeit zahlt sich aus", strahlte auch Aprilia-Racing-CEO Massimo Rivola in Brünn. "Es werden auch wieder schwierigere Momente kommen, weil es selbst für einen Champion wie Jorge nicht leicht wird, die letzten Zehntel zu finden. Aber ich freue mich jetzt wirklich auf die zweite Saisonhälfte." Was den Italiener besonders optimistisch macht: "Wir konnten nicht viel testen, weil unser Testfahrer ja Rennen gefahren ist. Jetzt haben wir aber Zeit, um an den Details zu arbeiten. Wir verstehen das Bike immer besser. Und das Gute ist: Wann immer wir in letzter Zeit etwas Neues ausprobiert haben, hat es funktioniert. Das gibt uns einen Boost für die restliche Saison, aber auch für 2026."
Aprilia 2026 ernstzunehmender MotoGP-WM-Anwärter?
In der laufenden Saison ist der WM-Zug längst abgefahren, aber im kommenden Jahr könnte Aprilia in der aktuellen Form tatsächlich zur Gefahr für Ducati und Marc Marquez werden. Bezzecchi fehlt bereits jetzt nicht mehr viel, um den wohl bald neunmaligen MotoGP-Weltmeister regelmäßig herauszufordern und was Bezzecchi kann, das sollte Martin auf dem Papier schon lange können. "Mir fehlen noch drei, vier, vielleicht fünf Zehntel zum Sieg", spuckt dieser bereits jetzt große Töne. "Ich habe noch drei, vier Rennen im Kalender im Blick, wo ich mindestens um das Podium kämpfen will", schickt die scheidende Nummer 1 eine Kampfansage an die Konkurrenz und meint: "Das ist das Ziel für dieses Jahr: Einige Podien holen und bereit machen für die nächste Saison."
Vor wenigen Wochen noch undenkbar, sieht die Zukunft für Aprilia zur Sommerpause 2025 also wieder rosig aus. Traut ihr den Italienern im nächsten Jahr den großen Wurf zu? Sagt uns eure Meinung in den Kommentaren!



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