Den MotoGP-Sieg in Brünn sicherte sich am Sonntag einmal mehr Marc Marquez in überlegener Manier. Doch der wahre Sieger kam im Tschechien-Grand-Prix wohl auf dem siebten Platz ins Ziel: Jorge Martin. Erstmals seit dem Saisonfinale 2024, in dem er sich zum Weltmeister krönte, beendete der 27-jährige Spanier am Sonntag wieder ein MotoGP-Hauptrennen und verpasste einem ohnehin schon erfolgreichen Comeback-Versuch damit das sogenannte Sahnehäubchen.

"Das war ein sehr intensives Wochenende. Vor dem Start habe ich in meinem Motorhome noch gemeinsam mit meiner Familie geweint", gestand ein sichtlich erleichterter Martin am Sonntagabend in seiner Medienrunde. Er erinnerte: "Das war wirklich eine harte Zeit zuletzt." Zahlreiche Stürze und Verletzungen hatten ihn bekanntlich fast die komplette bisherige Saison verpassen lassen, dazu noch der öffentliche Vertragsstreit mit Arbeitgeber Aprilia. Das Alles war in der maximal angespannten Phase vor dem Rennstart wohl einfach etwas zu viel, aber "ich glaube, dass es gut war, diese Emotionen rauszulassen. Danach konnte ich mich dann fokussieren."

Jorge Martin von sich selbst überrascht: In Brünn besser als gedacht

Einen solchen Raketenstart wie 23 Stunden zuvor legte Martin zwar nicht hin, konnte im Tschechien-GP dafür aber einen ähnlichen Rückfall wie im Sprint von zwischenzeitlich P6 auf P11 verhindern. Nach den ersten Runden auf Platz acht liegend, hielt er seine Position diesmal konstant bis zum Rennende und machte durch den Sturz von Enea Bastianini sogar noch einen Platz gut. "Das war besser als erwartet", freute sich der gebürtige Madrilene. "Ich war irgendwo im Nirgendwo, aber das Ziel war heute auch einfach nur, anzukommen. Ich brauche Runden um zu verstehen, was ich [mit diesem Motorrad, Anm.] ausrichten kann."

Was Martin mit der Aprilia ausrichten kann? Diese Frage dürfte so manchen MotoGP-Fan schon seit Monaten plagen und nach diesem Wochenende wohl nur noch mehr. Denn wie groß das Potenzial der Aprilia RS-GP inzwischen geworden ist, zeigten Marco Bezzecchi (2.) und Raul Fernandez (5.) am Sonntag eindrucksvoll. "Ich dachte sogar, dass Marco gewonnen hätte, weil er noch geführt hatte, als ich seine Gruppe noch in Sicht hatte", erkannte auch der 'Martinator' lachhaft.

Jorge Martin und Aprilia lassen Beziehung in Brünn neu aufleben

Anschließend wurde Martin aber auch schnell wieder ernst und ließ mit Worten aufhorchen, die vor wenigen Wochen noch völlig undenkbar schienen. "Ich freue mich für Aprilia. Das ist wahrscheinlich schwer zu glauben, aber ich fange schon an, mich hier wie zuhause zu fühlen. Am Freitag war es noch etwas angespannt, aber seit gestern wird es besser und besser", berichtet er von deutlichen Fortschritten im Wiederaufbau des gegenseitigen Vertrauens. "Ich weiß, dass Aprilia an mich glaubt und ich glaube jetzt an Aprilia und das Projekt. Ich bin wirklich zuversichtlich. Das Potenzial ist riesig, das kann man an Marco erkennen. Ich muss jetzt einfach noch die Lücke zu ihm schließen und dann kann ich wieder um Siege kämpfen."

Marco Bezzecchi hatte nach P2 wieder viel zu jubeln, Foto: MotoGP Press
Marco Bezzecchi hatte nach P2 wieder viel zu jubeln, Foto: MotoGP Press

Ob Martin also die richtige Entscheidung getroffen habe, nun doch bei Aprilia zu bleiben? "Ja. Ich denke, dass ich die richtige Entscheidung getroffen habe", unterstreicht Martin sein neu gewonnenes Vertrauen in das Werk aus Noale. "Wir werden es nie mit Sicherheit sagen können, aber ich bin froh, wo ich jetzt bin. Das Bike ist sehr konkurrenzfähig und ich bin es auch. Ich habe das nötige Feuer noch und kann es zurück an die Spitze schaffen."

Worte, die speziell einem gefallen dürften: Massimo Rivola. Der Racing-CEO Aprilias hatte bis zuletzt um den Verbleib seines Schützlings gekämpft und im Vertragsstreit letztlich auch auf die richtige Taktik gesetzt. "Ich freue mich sehr, das zu hören", bestätigte er am Sonntag in einer gesonderten Medienrunde mit einem Lächeln im Gesicht. "Ich wusste, dass es richtig war, auf unserer Position zu verharren. Ich freue mich, ihn jetzt wieder lachen und schon ziemlich komfortabel auf dem Motorrad zu sehen. Ihm fehlt nicht viel. Wir können sehr positiv nach vorne schauen."

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Drei Wochen Sommerpause warten nun auf Martin und Aprilia, ehe es am Red Bull Ring mit dem Österreich-GP (15. - 17. August) weitergeht. Ziele gibt es für dort noch nicht, aber der Optimismus ist spürbar. "Ich brauche einfach noch mehr Zeit, um das Bike und das Team zu verstehen. Aber wir machen jeden Tag Fortschritte berichtet der scheidende Weltmeister und verkündet: "Wir müssen jetzt nur noch Details finden. Mir fehlen nur drei, vier, vielleicht fünf Zehntel, dann kann ich um Siege kämpfen und wir haben noch zehn Rennen zu bestreiten. Da kommen einige Rennen, in denen ich sehr schnell sein kann. Ich denke, dass ich dort mindestens um Podestplätze kämpfen kann."

Damit es für Jorge Martin auch wieder zu Rennsiegen reicht, muss er wohl primär einen Weg an Marc Marquez vorbei finden. Der WM-Führende war in Brünn unschlagbar, während die restlichen Ducatis strauchelten. Was da los war, erfahrt ihr im nachfolgenden Artikel: