Nach seiner Handfraktur in Assen hatte Alex Marquez für die letzten beiden Grands Prix vor der MotoGP-Sommerpause am Sachsenring und in Brünn "Schadensbegrenzung" als einziges Ziel ausgegeben. Klappte dies beim Deutschland-GP mit Platz zwei noch hervorragend, scheiterte das Vorhaben eine Woche später beim Tschechien-Comeback jedoch krachend. Nach einem ereignisreichen Samstag blieb Marquez nach einem Sturz auch am Sonntag punktlos in Brünn und schaufelte sich außerdem noch eine Bürde für das erste Rennwochenende nach der Sommerpause auf.

Alex Marquez stürzt im Tschechien-GP in Joan Mir

Was passiert war? Nach eigentlich gutem Start lag Alex Marquez zum Ende der ersten Runde auf Platz sieben, hatte die Spitze um Bruder Marc und WM-Rivale Francesco Bagnaia im Blick. Diese wohl nicht aus den Augen verlieren wollend, wollte der Gresini-Pilot schnellstmöglich an Joan Mir vorbei und wagte zum Ende des zweiten Umlaufs in Kurve zwölf einen Angriffsversuch. Dabei verlor Marquez die Front, ging zu Boden und rutschte ins Kiesbett. Seine Maschine traf auch noch Mir und riss den HRC-Werksfahrer mit aus dem Rennen.

Die MotoGP-Stewards kündigten sofort eine Untersuchung für nach dem Rennen an und teilten knapp zweieinhalb Stunden später ihr Urteil mit. Sie erkannten wenig überraschend einen Verstoß gegen Artikel 1.21.2 des MotoGP-Reglements und sprachen eine Longlap-Penalty gegen Marquez aus, weil dieser ihrer Ansicht nach beim Überholversuch zu Sturz gekommen und dadurch einen anderen Fahrer - in diesem Fall Mir - ebenfalls zu Sturz gebracht hatte. Die Longlap-Penalty muss Marquez im nächsten Grand Prix antreten, an dem er teilnimmt. Voraussichtlich also beim Österreich-GP am Red Bull Ring in vier Wochen (15. - 17. August). Dort findet das erste Rennwochenende nach der nun beginnenden Sommerpause statt.

Joan Mir schimpft, Alex Marquez gesteht Unfallschuld

"Ich weiß nicht, was Alex dort versucht hat", zeigte sich Mir am Sonntagnachmittag ziemlich angefressen. "Ich hatte schon davor ein paar Berührungen von hinten abbekommen und in der Schikane hat er mich dann erneut berührt und die Front verloren oder die Front verloren und mich dann berührt, ich weiß es nicht. Jedenfalls bin ich auf dem Boden gelandet. Das ist alles, was ich dazu sagen will. Alles weitere wird nicht gut für mich enden", so die klare Kritik.

Bereits im Kiesbett hatte Mir seinen Unmut deutlich gemacht, noch an der Unfallstelle zeigten ihn die TV-Kameras im scheinbar heißen Disput mit Marquez, der ebenfalls wild gestikulierte. Eine deutliche Meinungsverschiedenheit? "Wir waren in diesem Moment einfach beide geladen, da gibt es nicht mehr dazu zu sagen", verneinte Marquez eine größere Streiterei. "Wir haben dann aufgehört, weil du in diesem Moment sowieso zu Nichts kommst. Ich habe mich später entschuldigt, jetzt machen wir weiter."

"Ich habe einfach einen Fehler gemacht", klärte die Startnummer 73 weiter auf und verriet: "Ich wollte ihn eigentlich gar nicht überholen. Ich wollte nur sehen, ob das eine Stelle für einen Überholversuch sein könnte. Dabei habe ich dann die Front verloren, bin gestürzt und habe ihn berührt." Unglückliche Umstände also, die beide Piloten um ein potenzielles Top-Acht-Resultat brachte. "Das ist eine Erfahrung, die ich für die Zukunft mitnehme", sucht Marquez sogar das Positive. "Ich muss ruhiger bleiben, wenn ich von hinten starte. Es tut mir leid für das Team, ich war dieses Wochenende nicht so stark wie zuletzt. Ich habe den Fokus verloren und Fehler gemacht, aber das kann passieren."

Schon wieder Joan Mir: abgeschossener Honda-Pilot vom Pech verfolgt?

Wohl wahr. Bitter nur, dass es schon wieder ausgerechnet Mir als Unfallgegner erwischte. Der Honda-Pilot war bereits in Assen durch Fermin Aldeguer und am Sachsenring durch Ai Ogura zu Sturz gebracht worden, schrieb als unverschuldet schon den dritten Nuller in Serie an. "Ich glaube nicht an Pech oder Glück", wollte Mir in seiner Medienrunde danach befragt nichts von höheren Mächten wissen, die ihm aktuell böse mitspielen. Vielmehr erkannte er: "Wir kämpfen mit Bikes, die fünf oder zehn km/h schneller sind. Wenn du in der Bremszone mit weniger Vorteil ankommst, werden die Fahrer hinter dir vielleicht etwas optimistischer als sie sein sollten. Da können solche Dinge dann passieren." Die klare Forderung an Honda daher: Mehr Pferdestärken finden, um künftig gar nicht erst unter Druck durch den Hintermann zu geraten. Tatsächlich ein guter Ansatz, doch vielleicht sollte Mir seine Aussagen doch nochmal überdenken. Wie das Honda-Team am Sonntagabend mitteilte, wurde der Heimflug des Spaniers nämlich auch noch gestrichen…

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MotoGP-Blamage: Marquez siegt bei peinlicher Regel-Farce! (09:21 Min.)