Jorge Martin schrieb an seinem Comeback-Tag in Brünn durchweg positive Schlagzeilen. Zum einen überzeugte der MotoGP-Weltmeister beim Freitagstraining unter allen Bedingungen im regnerischen Tschechien und zog als Fünfter souverän ins Q2 ein. Zum anderen deuteten sich beim Spanier erste Annäherungen an Arbeitgeber Aprilia an, von denen am Donnerstag noch nicht das Geringste zu hören war.
Gut vorbereitet und konzentriert am Werk: Jorge Martin meistert den Brünn-Regen
"Ich bin einfach glücklich, wieder da zu sein. Ich war fokussiert, es war ein anstrengender Tag. Bei diesen verschiedenen Bedingungen auf der Strecke musstest du stets sehr konzentriert sein", fing Martin seine Ausführungen nach dem erfolgreichen ersten MotoGP-Tag seit April an. Seine lange Verletzungszeit hatte er gut genutzt: "Ich war nicht nervös. Ich habe an meine Arbeit geglaubt und dass ich bereit war. In diesen vier Monaten lag ich ja nicht nur auf dem Sofa und habe MotoGP geschaut. Ich arbeitete hart an meinem körperlichen Zustand und auch mental. Ebenso versuchte ich Visualisierungen. Ich war also im Kopf schon hier, als ich noch zuhause war."
Trotz aller möglichen Vorbereitung machte ihm das Wetter in Brünn das Leben gehörig schwer. In beiden Sessions regnete es zunächst, um dann wieder aufzutrocknen. Während es im FP1 am Ende sogar noch zu Slicks reichte, blieb es im Training beim Regenreifen. Dass er genau in diesen Bedingungen zu überzeugen wusste, war erstaunlich. "Das war heute Nachmittag schon eine Überraschung. Das war das erste Mal im Nassen auf diesem Motorrad und das erste Mal seit der letzten Saison. Das ist also eine Menge Tage her, aber sobald ich aus der Box fuhr, spürte ich sofort eine Menge Rückmeldung von den Reifen", berichtete der 'Martinator' von der ersten Regenfahrt auf der RS-GP.
Jubel bei Aprilia, Dank von Martin: Erste Annäherung im MotoGP-Zwist
Doch nicht nur das Ergebnis war positiv. Auch die Stimmung scheint aufzuhellen. Als Martin in die Box zurückkehrte, war der Empfang keineswegs kalt. Stattdessen das gesamte Programm: Applaus, Abklatschen und Geschäftsführer Massimo Rivola nahm ihn sogar kurz in den Arm. Dies beruhte auf Gegenseitigkeit. Zwischen den Zeilen war bei Martin vielleicht sogar eine kleine Entschuldigung zu hören: "Es ist fantastisch. Ich bin nicht nur glücklich für mich, sondern auch für das Team. Sie verdienen das, nach all dem, was passiert ist. Es ist Zeit, zusammen Vertrauen aufzubauen."
Dass Martin mit so viel Vertrauen in diesen schwierigen Tag nach monatelanger Pause gehen konnte, hing stark mit seinem Test in Misano aus der vorletzten Woche zusammen. Aprilia hatte sich massiv um die Regeländerung bemüht, dass Langzeitverletzte einen Privattest bekommen. "Ich muss Aprilia danken, denn sie haben sich stark für diesen Test eingesetzt. Der war sehr wichtig. Da waren keine Kameras und keine Leute. Ich konnte einfach langsam und geschmeidig zurück auf meine Position auf dem Motorrad finden. Jetzt fühlt es sich schon so an, als wäre es mein Motorrad. Das ist fantastisch", bedankte sich Martin bei seinem Arbeitgeber, mit dem er so lange nur im Streit lag.

Jorge Martin realistisch: Brünn-Sieg unmöglich, aber Top-Ten vielleicht drin
Auch wenn daraus keine große Liebe mehr wird, so scheint dieser Freitag in Brünn zumindest ein klares Indiz darauf, dass eine erfolgreiche Zusammenarbeit trotzdem möglich sein könnte. "Ich fahre gegen die besten Fahrer der Welt. Natürlich wird es schwierig, wieder meine Rennpace zu finden und um Siege zu kämpfen, aber das ist jetzt das Ziel. In der Gegenwart arbeiten, um gute Resultate in der Zukunft zu erzielen", gibt Martin die Marschrichtung vor.
Doch was ist bereits bei diesem ersten Auftritt nach der langen Pause drin? Der Titelverteidiger ist realistisch und optimistisch zugleich: "Ich glaube wir sind konkurrenzfähig und können kämpfen. Momentan geht es sicherlich nicht um den Sieg, aber die ersten Zehn sind vielleicht ein realistisches Resultat." Eines wird im restlichen Wochenende aber wohl anders sein. Statt Mischbedingungen ist sowohl samstags als auch sonntags Sonnenschein vorhergesagt. Es werden die nächsten Stunden der Wahrheit für den Weltmeister.
Während der Streit mit Aprilia also wohl etwas abklingt, verriet der 'Martinator' auch ein interessantes Detail dazu. Marc Marquez hatte ihm einen Rat gegeben. Ob er ihn eingehalten hat, erfahrt ihr hier:



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