Das große Warten auf Jorge Martin hat an diesem Wochenende ein Ende - und das gleich in doppelter Hinsicht. Der amtierende Weltmeister gibt in Brünn sein MotoGP-Comeback nach drei Monaten Verletzungspause. Martin war ja nach zwei schweren Stürzen im Winter erst beim Katar-Grand-Prix in die Rennsaison gestartet, crashte dort erneut und wurde vom nachkommenden Fabio Di Giannantonio überrollt. Zahlreiche Rippenbrüche und Lungenverletzungen waren die Folge. Nun ist Martin aber wieder voll einsatzfähig.

Jorge Martin und Aprilia: Drama abseits der Strecke

Mehr als mit seiner Verletzungsgeschichte stand Martin in den vergangenen Wochen aber mit dem Vertragsstreit zwischen ihm und Aprilia in den Schlagzeilen. Er wollte ja mittels einer Klausel den eigentlich bis 2026 geltenden Vertrag bereits mit Ende 2025 auflösen. Aprilia erachtete aufgrund von Martins Verletzungsserie - vor dem Tschechien-GP hat er mit dem Katar-Wochenende nur ein MotoGP-Event 2025 bestritten - diese Klausel aber als nichtig.

Martin hatte bei seinem Katar-Crash Glück im Unglück, Foto: Instagram Jorge Martin
Martin hatte bei seinem Katar-Crash Glück im Unglück, Foto: Instagram Jorge Martin

Was folgte, war ein wochenlanger öffentlicher Schlagabtausch der beiden Parteien. Die Fronten verhärteten sich zunehmend. Selbst Carmelo Ezpeleta, CEO von MotoGP-Promoter Dorna Sports, schaltete sich ein und stellte klar, dass man eine Teilnahme von Martin für einen anderen Hersteller in der Saison 2026 nicht akzeptieren werde, solange der Streit mit Aprilia nicht gelöst wurde.

Jorge Martin gibt auf: Auch 2026 bei Aprilia

Martin und Manager Albert Valera wollten diese Angelegenheit deshalb vor dem Internationalen Sportgerichtshof CAS klären, der in solchen Fällen schnelle und unbürokratische Entscheidungen ermöglicht. Diese Variante wurde von Aprilia allerdings abgelehnt, womit es zu einem langwierigen Verfahren vor einem italienischen Zivilgericht gekommen wäre. So viel Zeit hatte Martin aber nicht, weshalb er und sein Management schließlich einlenken mussten. Martin wird seinen Vertrag bei Aprilia bis Ende 2026 erfüllen. Das gab er am Donnerstag in einer eigens einberufenen Pressekonferenz offiziell bekannt.

Jorge Martin 2026 bei Aprilia: MotoGP-Liebe sieht anders aus (10:47 Min.)

Martin war deutlich anzusehen, wie sehr ihn die Streitigkeiten und die öffentlichen Reaktionen darauf mitgenommen haben. Ein unwürdiges Schauspiel, dass er sich allerdings ersparen hätte können. Dann nämlich, wenn er den Ratschlag eines seiner größten Rivalen befolgt hätte. "Viele Leute haben sich nach meiner Verletzung bei mir gemeldet und viele Fahrer haben mir Nachrichten geschrieben, etwa Pecco [Bagnaia] oder Fabio [Quartararo]", verriet Martin am Donnerstag. "Wenn ich heute zurückblicke, war es aber wohl die Nachricht von Marc [Marquez], die für mich die wichtigste war. Ich weiß diese Nachricht sehr zu schätzen, auch in Anbetracht unserer Beziehung zueinander. Er hat mir am Tag nach dem Sturz in Katar geschrieben und sein Ratschlag war, keine Entscheidungen zu treffen, solange ich verletzt bin."

Hat Marc Marquez Jorge Martins Karriereende verhindert?

Sieht man sich die Vorkommnisse der vergangenen Wochen an, scheint es so, als hätte Martin nicht auf den Rat seines Kontrahenten Marc Marquez gehört. Doch wie der 'Martinator' weiter gestand, war er im Krankenbett kurz davor gewesen, eine noch deutlich gravierendere Entscheidung zu treffen: "Ich hatte auch mit dem Gedanken gespielt, meine Karriere zu beenden. Vielleicht hätte diese Entscheidung auch anders ausfallen können."

Marc Marquez selbst fährt in der MotoGP aktuell ja von Erfolg zu Erfolg und hat bereits einen dicken WM-Polster angehäuft. Warum er dennoch nicht in den Verwaltungsmodus schalten will, erfahrt ihr hier: