Öffnet sich in der MotoGP vor einem Grand Prix der Himmel, bringt das nicht selten hochspannende Regenrennen mit sich. Niederschlag gilt im Rennsport bekanntlich als größtmöglicher Gleichmacher, auch Fahrer auf weniger konkurrenzfähigem Material können dann den Unterschied ausmachen. So gewann Chris Vermeulen 2007 in Le Mans etwa sensationell für Suzuki oder Jack Miller 2016 auf auftrocknender Strecke für MarcVDS bei der Dutch TT.
In diesen Bedingungen erhöht sich allerdings auch das Sturzrisiko, da Fehler viel schneller und dramatischer bestraft werden. Nicht selten bekommen MotoGP-Fans in einem Regen- oder Flag-to-Flag-Rennen daher viele Abflüge zu sehen. So auch beim Großbritannien-GP im Jahr 2005, als lediglich elf Piloten ins Ziel kamen. Das Chaos von Donington stellt mit einer Quote von 47,6 Prozent bis heute den ausfallreichsten Grand Prix der MotoGP-Geschichte dar. Motorsport-Magazin.com blickt exakt 20 Jahre später auf jenen verrückten und verregneten 24. Juli zurück.
Max Biaggi eröffnet Sturzorgie beim MotoGP-Rennen in Donington
Los ging es bereits wenige Augenblicke nach dem Start: Vom achten Platz sehr gut weggekommen, fiel ausgerechnet der erfahrene Max Biaggi den höchst schwierigen Streckenbedingungen zum Opfer. Der Repsol-Honda-Pilot verlor am unteren Ende des Donington Park in Kurve vier, der 'Old Hairpin', das Heck seiner Maschine und rutschte ins völlig durchnässte Gras. Biaggi nahm das Rennen nochmal auf und fuhr dem Feld hinterher, allerdings nur, um abseits der TV-Kameras in der vierten Runde im dritten Sektor nochmal zu stürzen.
Danach ließ es der viermalige 250ccm-Weltmeister dann auch gut sein und beendete seinen frustrierenden Arbeitstag. Der erste ausgeschiedene Fahrer war er zu diesem Zeitpunkt aber schon lange nicht mehr. Denn schon die zweite Runde hatte mit Ruben Xaus (Sturz in Turn 7) und Nicky Hayden (Sturz in Turn 11) die nächsten Opfer gefordert. Nur einen Umlauf später kopierte zudem Marco Melandri in der Schlusskurve T11 - auch 'Goddards' genannt - denn Crash von Markenkollege Hayden und riss damit auch Troy Bayliss ins Verderben. Melandri brach das Heck am Kurvenausgang aus, Bayliss musste ausweichen, kam dadurch aufs nasse Gras und rutschte ebenfalls weg.
Bereits nach drei Runden war das MotoGP-Feld also auf 17 Piloten dezimiert und in diesem Tempo sollte es erstmal auch weitergehen. Kaum war Bayliss zum Liegen gekommen, schwenkten die TV-Kameras nämlich schon hektisch auf Sete Gibernau, der Ausgang von Kurve eins plötzlich im Matsch lag und damit einen potenziellen Rennsieg weggeworfen hatte. Der Gresini-Pilot führte die ersten Runden an und hatte sich bereits einen kleinen Vorsprung auf Valentino Rossi, Alex Barros und Kenny Roberts jr. erarbeitet, ging aber offensichtlich zu viel Risiko und bezahlte dafür den Preis.

Wie verkam Donington zum ausfallreichsten MotoGP-Rennen der Geschichte?
Erneut nur wenige Momente später erwischte es dann Shinya Nakano abseits der TV-Kameras, ehe der bereits angesprochene Biaggi nach seinem zweiten Crash des Tages als siebter Pilot mehr oder minder zur Aufgabe gezwungen wurde. Wieso die MotoGP-Stars in dieser Phase wie die Fliegen fielen? Ganz einfach: Im Rennen wurden sie erstmals mit den beinahe unfahrbaren Bedingungen konfrontiert, zuvor hatten (fast) alle Sessions - passend zum britischen Sommer - unter Sonnenschein stattgefunden. Einzig im Warm Up wurde nach nächtlichen Regenfällen auf nasser Strecke gefahren, nicht aber im Starkregen. Dieser setzte erst während dem 125ccm-Rennen ein, das dadurch unterbrochen werden musste.
Vermutlich wäre heutzutage übrigens auch jedes MotoGP-Rennen in vergleichbaren Bedingungen wie jenem Großbritannien-GP 2005 abgebrochen worden, damals entschied die Rennleitung jedoch anders. Wie schwierig der Starkregen und lediglich 13 Grad Asphalttemperatur das Rennfahren selbst für die absoluten Spitzenpiloten im Feld machte, zeigte sich jedoch zu Beginn von Runde fünf. Dort erwischte es beinahe Valentino Rossi per Highsider in Kurve eins, er blieb nur mit viel Glück sitzen.

Mit Lokalmatador Shane Byrne meinten es die MotoGP-Götter weniger gut, der Brite crashte wenig später in Kurve zehn. Ein besonders bitterer Sturz, hatte der sonst so chancenlose Proton-KR-Pilot als Siebter doch bislang ein brillantes Rennen gezeigt und die Möglichkeit gehabt, 'Big Points' anzuschreiben. Es sollte jedoch nicht sein - ebenso für den zweiten Briten im Feld: James Ellison. Für Hinterbänkler Blata WCM unterwegs, hatte auch er sich als Zehnter in eine herausragende Position gefahren. Ein Highsider in Turn 1 brachte jedoch auch ihn zu Fall.
Damit waren zu Beginn von Runde neun lediglich noch zwölf der 21 gestarteten Piloten im Rennen. Längst war also klar: Wer es heute ins Ziel schafft, der punktet auch. Und genau aus diesem Grund gab John Hopkins auch nicht auf, als er im weiteren Verlauf des neunten Umlaufs zwischen den Kurven fünf und sechs von der Strecke ab und auf dem nassen Gras zu Sturz kam. Stattdessen kämpfte sich der Suzuki-Pilot zurück an die Box, wechselte das Motorrad und fuhr mit zwei Runden Rückstand nochmal hinterher.
Valentino Rossi triumphiert im Chaos von Donington
Der zehnte und letzte Ausfall des Großbritannien-GPs ging damit auf das Konto vom Franco Battaini, dem zweiten WCM-Piloten. Dieser stürzte fünf Runden vor Schluss im dritten Sektor, als er bereits einmal überrundet war. Zwar nahm Battaini das Rennen in der Hoffnung auf seine ersten WM-Punkte des Jahres nochmal auf, musste jedoch mit zu großen Beschädigungen an seiner Maschine aufgeben. Damit machte er das Rennen zum ausfallreichsten Grand Prix der MotoGP-Geschichte. Nur elf der 21 gestarteten Piloten sollten ins Ziel kommen.

Den Rennsieg sicherte sich übrigens Rossi, der im Rennverlauf noch zwei weitere Mal fast zu Sturz gekommen wäre. Letztlich spielte der 'Doktor' aber all sein fahrerisches Können aus und siegte dank eines unglaublich starken Schlussspurts mit 3,169 Sekunden Vorsprung vor Roberts jr. und Barros, die für ein unerwartetes Podium sorgten. "Er wird nie müde, uns zu überraschen. Unglaublich! Er ist ein toller Fahrer, der Beste aller Zeiten", jubelte der damalige Yamaha-Teammanager Davide Brivio völlig zu Recht. Colin Edwards holte Rang vier vor Carlos Checa, Loris Capirossi und Makoto Tamada. Alex Hofmann schrieb als Achter sein bestes Kawasaki-Resultat an, die letzten Punkte holten sich Toni Elias (9.), Roberto Rolfo (10.) und der bereits erwähnte Hopkins (11.).
Erst vor wenigen Tagen hätte der Deutschland-GP 2025 Donington beinahe als ausfallreichsten Grand Prix der Geschichte abgelöst, nur ein DNF fehlte. Wieso am Sachsenring nur zehn Fahrer ins Ziel kamen, erfahrt ihr in diesem Video:



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