Aprilia wurde am Sonntag in Jerez erstmals in der MotoGP-Saison 2026 in einem Grand Prix besiegt. Doch ausgerechnet in dieser Niederlage fand sich weitere Bestätigung, dass die Titelchancen mit diesem Motorrad real sind. Jetzt müssen dies die Fahrer umsetzen.

"Motorrad kann nicht so schlecht sein" - Aprilia auch in Jerez geschlossen vorn dabei

Eigentlich galt Jerez einmal als Angststrecke für die RS-GP. Viele enge Ecken und wenige schnelle Kurven passten nicht ins Profil. Einzig Aleix Espargaro konnte in der Saison 2022 einen Podestplatz holen. Seitdem war Rang fünf das höchste der Gefühle in Sprint und Rennen. Die Ergebnisse am Sonntag von 2026? Platz zwei, vier, fünf und sechs. "Ich bin sehr zufrieden, besonders weil wir vier Aprilias unter den ersten sechs hatten. Das kann nur bedeuten, dass unser Motorrad nicht so schlecht ist [lacht, Anm. d. Red.]", freut sich Team-Manager Paolo Bonora. Damit dieses Motorrad vielleicht sogar noch besser wird, zündete Noale ein wahres Technik-Feuerwerk im Montagstest. Mehr dazu in unserem Video:

Bumerang und Haifischzahn: Kuriose MotoGP-Updates im Jerez-Test (06:37 Min.)

Diese RS-GPs läuft mittlerweile überall, das scheint klar. Nur zwei Dinge konnten sie in Spanien ärgern: Pech und das Wetter. Das kam alles an einem schwarzen Samstag zusammen, sodass im Regen von Jerez die Punkte für das Werksteam weggespült wurden. Umso stolzer war Bonora daher auf die starke Antwort am Sonntag: "Nach der nicht gerade leichten Situation am Samstag war der Schlüssel, alles zu vergessen und sich mit klarem Kopf auf den Sonntag zu konzentrieren. Das ist uns gelungen. Wir haben analysiert, wo wir keine gute Arbeit geleistet haben und besonders die beiden Fahrer haben sich sehr gut eingebracht."

Marco Bezzecchis Siegesserie endet, doch Platz zwei in Jerez stark erarbeitet

Für WM-Leader Marco Bezzecchi ist es ebenfalls eine Genugtuung, auch bei Schwierigkeiten abgeliefert zu haben: "Ich bin zufrieden. Es war ein wichtiges und hartes Rennen, denn dieses Wochenende war nicht das leichteste für uns. Wir hatten uns entschieden, am Freitag mit dem Soft zu arbeiten und dann am Samstag mit dem Medium, aber dann kam der Regen dazwischen. Also haben wir den Tag [den Rennsonntag, Anm. d. Red] mit einigen Zweifeln begonnen, aber glücklicherweise haben wir das Bike gut hinbekommen. Alex [Marquez] war zu stark für mich. Ich wusste schon nach 10 Kurven, dass er gewinnen würde. Aber ich bin glücklich mit diesem zweiten Platz."

Marco Bezzecchi und Aprilia feiern Rang zwei in Jerez
Marco Bezzecchi war auch mit Rang zwei hochzufrieden, Foto: IMAGO / PRESSE SPORTS

Die erste Saisonniederlage nach einer fantastischen Serie an Siegen und Führungsrunden war angesichts von 20 wichtigen Punkten für die Weltmeisterschaft leicht zu verkraften: "Es war wundervoll für mich, in den ersten drei Rennen alle Runden anzuführen. Aber es war auch normal, dass das irgendwann endet. Zum Glück ist es jetzt auf ordentliche Weise mit einem guten Resultat passiert." Damit gelang es ihm auch als erstem Pilot seit Marc Marquez 2016, die ersten vier Grand Prix allesamt auf dem Podium zu beenden.

Jorge Martin sicher: Jetzt machen die Fahrer den Unterschied im MotoGP-Titelkampf

Nach den sensationellen Übersee-Rennen betonten bei Aprilia alle, dass die Saison erst in Europa so richtig losgehen würde. Doch nun scheint trotz der Niederlage gegen einen überragenden Alex Marquez endgültig klar, dass die technischen Voraussetzungen für den WM-Kampf gegen Ducati gegeben sind.

Dementsprechend wundert es nicht, dass Jorge Martin nun die Piloten in die Pflicht nimmt: "Es liegt an den Fahrern, sich an das Bike und die Strecke anzupassen. Es ist das Resultat der Arbeit von Freitag und Samstag, dass am Ende des Wochenendes fast alle ziemlich konkurrenzfähig sind." Der 'Martinator' erwartet einen offenen Schlagabtausch: "Es hat eine Ducati gewonnen und eine Aprilia war Zweiter. Ich wurde Vierter. Es ist alles durchmischt und ich denke, dass es die gesamte Saison so weitergehen wird: Aprilia gegen Ducati. Marquez gegen Martin gegen Bezzecchi. Ich denke es geht momentan mehr um den Fahrer als um das Motorrad."

Jorge Martin sieht die Fahrer in der Pflicht, Foto: Aprilia Media
Jorge Martin sieht die Fahrer in der Pflicht, Foto: Aprilia Media

Trackhouse-Duo braucht Qualifying-Steigerung

Zu diesen Aussagen passt auch die Lage bei Kundenteam Trackhouse. Beide Piloten sorgen im Rennen mit starker Pace stets für gute Punkte, doch ganz an die Spitze gelangten sie noch nicht. Dafür macht aber keiner das Material verantwortlich. Mit dem Motorrad sind sie hochzufrieden. Stattdessen hadern sie mit ihrer mangelhaften Leistung im Qualifying, die sie stets zu Aufholjagden zwingt.

Raul Fernandez vor Ai Ogura im Spanien GP
Die Trackhouse-Piloten müssen sich im Qualifying steigern, Foto: IMAGO / PsnewZ

"Es braucht keine Veränderung des Motorrads, ich fühle mich wohl darauf. Ich muss einfach verstehen, wie ich mehr Zeit auf eine Runde raushole", sagt Raul Fernandez. Teamkollege Ai Ogura stimmt zu: "In einem trockenen Qualifying können alle den Extra-Grip des Soft-Reifens nutzen. Ich schaffe das nicht so gut. Das ist mein größtes Problem."

Fazit: Aprilia-Fahrer haben alle Vorrausetzungen - und können sogar noch mehr

Auch Martin ist im Qualifying noch nicht da, wo er gerne wäre. Es passt ins Bild, denn Marco Bezzecchi strauchelte zu Beginn seiner Aprilia-Zeit 2025 auch mit der schnellen Runde auf der RS-GP. Der Italiener hat aber mittlerweile den Dreh raus und qualifizierte sich bisher stets unter den ersten vier. Dafür hat 'Bezz' mit unnötigen Stürzen in den Sprints bereits einige Punkte liegen gelassen.

Martin hat mit seinen Aussagen demnach recht: Das Bike bietet alle Möglichkeiten und es liegt an den Piloten, diese zu nutzen. Die Plätze eins und zwei in Fahrer- und Teamwertung beweisen, dass dies trotz Qualifying-Schwächen bei drei von vier Fahrern und Sprint-Stürzen von Bezzecchi bisher gelungen ist. Doch es wäre eben noch mehr drin gewesen. Ducati sollte also endgültig gewarnt sein: Aus Dominanz wird 2026 ein WM-Kampf.

In der Box von Gigi Dall'Igna & Co. muss dementsprechend gehandelt werden. Marc Marquez sprach nach dem Test in Jerez sogar über die theoretische Möglichkeit, die GP24 wieder auszupacken: