Ein Bumerang am Heck, Haifischzähne an der Seitenverkleidung - die Schlagzeilen im MotoGP-Test von Jerez schrieb am Montag einmal mehr Aprilia. Der Hersteller aus Noale überraschte auf der Suche nach mehr und mehr Performance mit faszinierenden Technik-Tricks und stand deshalb nur folgerichtig im Zentrum der Aufmerksamkeit. Aber auch die restlichen MotoGP-Konstrukteure schliefen am Montag nicht. Speziell Ducati arbeitete nach dem enttäuschenden Saisonstart fleißig an der Trendwende.
Gleich mehrere verschiedene Aero-Pakete waren im Jerez-Test an den Desmosedicis zu sehen, zudem verkam eine großflächige Verkleidung an der Hinterrad-Schwinge zum Blickfang. Die Technikabteilung um den spitzfindigen Ziegenbart Gigi Dall'Igna hatte sich also einiges einfallen lassen, und das war auch dringend nötig. Von Alex Marquez am vergangenen Wochenende abgesehen, war bislang schließlich noch kein Ducati-Pilot so wirklich gut mit der GP26 zu Recht gekommen. Fabio Di Giannantonio zeigte noch die konstantesten Leistungen, speziell Francesco Bagnaia und Marc Marquez hatten aber größere Probleme. Kein Wunder also, dass Letzterer am Sonntagabend noch gesagt hatte: "Das wird ein entscheidender Test."
Update-Offensive im Jerez-Test: Gelang Ducati der Durchbruch mit der GP26?
Wie also fiel das Fazit des MotoGP-Superstars am Montagabend aus? War Ducati im Jerez-Test der dringend nötige Fortschritt gelungen? Es scheint fast so. "Wir haben die meiste Zeit des Tages mit der Aerodynamik verbracht, aber wir haben auch im Bereich des Chassis gearbeitet. Da haben wir auch ein paar Modifikationen vorgenommen, um das Gefühl für den Vorderreifen wiederzufinden", begann Marc Marquez und bilanzierte dann: "Da sind uns ein paar Schritte gelungen und auch die Aerodynamik war in einigen Bereichen hilfreich für meinen Fahrstil."
Was das im Detail bedeutet? Der 33-Jährige aus Cervera beschrieb: "Ich fühle mich wieder etwas wohler mit der Front, speziell in Linkskurven. Diese sind normalerweise ja meine Stärke, aber da hatte ich in den ersten Rennen meine Probleme. Die Rechtskurven sind auch etwas besser geworden. Grundsätzlich haben wir unsere starken Punkte [mit der GP26, Anm.] also nicht verloren und unsere Schwachpunkte etwas verbessert."

Anschließend danach befragt, ob das Fahrgefühl mit der GP26 nun wieder jenem der GP24 - Ducatis vermeintlich bestes MotoGP-Bike überhaupt - gleiche, gab Marquez eine interessante Antwort. "Ich habe die GP24 nie wirklich ausprobiert, ich bin sie im Barcelona-Test damals nur zwei Runs gefahren und danach direkt auf die GP25 gewechselt." Ein direkter Vergleich falle ihm also schwer, aber "soweit ich die Ingenieure verstehe, könnte ich wieder mit dem 2024er-Motorrad fahren. Es bräuchte nur einen Mix aus verschiedenen Teilen. Die Basis des Motorrads ist immer noch die gleiche. Wenn du zu einer bestimmten Konfiguration zurück willst, dann kannst du das."
Ducati vor MotoGP-Rückkehr zur GP24? Marc Marquez gibt klare Antwort
Speziell Teamkollege Francesco Bagnaia war in der letzten Saison immer wieder mit einer Rückkehr zur GP24, mit der er 2024 ganze elf Grand-Prix-Siege feierte, in Verbindung gebracht worden. Realität wurde das aber nie - und zwar auch, weil Marquez nicht am gleichen Strang zog. Das MotoGP-Reglement schreibt nämlich vor, dass in Werksteams beide Piloten stets mit der gleichen Motorenspezifikation unterwegs sein müssen. Da Marquez den 2025er-Antrieb bevorzugte, war eine vollständige Rückkehr Bagnaias auf die GP24 nicht möglich. Er konnte nur einzelne Komponenten zurückbringen, da Ducati als Hersteller in Concession-Rang A beispielsweise auch nur ein Aero-Update pro Saison gestattet ist und dieses bereits aufgebraucht war.
Würde nun aber auch Marquez zurück auf die GP24 wollen, würde das natürlich neue Türen öffnen. Doch will der neunmalige Weltmeister das auch? Seine Antwort fiel eindeutig aus: "Alex [Marquez] war mit der GP26 dieses Jahr [im Spanien-GP, Anm.] sieben Sekunden schneller als letztes Jahr mit der GP24. Als Rennfahrer erinnerst du dich immer an dieses eine Motorrad, mit dem du ständig gewonnen hast und denkst: 'Das war fantastisch.' Aber in der Zwischenzeit haben deine Gegner Zehntel um Zehntel aufgeholt." Eine Rückkehr zur GP24 mache aus seiner Sicht also keinen Sinn, weil das zwei Jahre alte Motorrad inzwischen in unveränderter Form einfach nicht mehr schnell genug wäre, um etwa mit der seither deutlich aufgerüsteten Aprilia RS-GP des Jahres 2026 mithalten zu können. "Wir müssen weiter voranschreiten, nicht zurückgehen", lautet die klare Devise.

Ob das Ducati mit den zahlreichen Neuerungen im Jerez-Test bereits gelungen ist, werden die kommenden Monate zeigen. Zumindest Teammanager Davide Tardozzi zeigte sich am Montag aber optimistisch, jetzt wieder auf dem richtigen Pfad zu sein. Bei 'Sky Italia' kündigte er mit breiter Brust an: "Ich bin überzeugt, dass wir beginnend mit dem nächsten Rennen wieder das gewisse Extra haben werden. Wir werden konkurrenzfähiger sein und wieder konstanter mit Aprilia kämpfen können."
Was meint ihr: Ist Ducati im Jerez-Test der erhoffte Durchbruch mit der GP26 gelungen? Sagt uns eure Meinung in den Kommentaren!
Was in Jerez sonst noch los war, verrät euch Markus in unserem neusten Video:



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