Die MotoGP beschloss am Montag das erste von vier Spanien-Rennwochenenden des Jahres 2026 mit achtstündigen Testfahrten in Jerez. Bei frühlingshaften Temperaturen, viel Sonnenschein und recht starkem Wind fuhr Ai Ogura die Bestzeit.
Das Ergebnis: Rund fünf Minuten vor Schluss stürmte Ogura in 1:35.944 Minuten an die Spitze des Klassements. Damit schlug der Japaner seinen Teamkollegen Raul Fernandez um fünf Tausendstelsekunden. Ein äußerst erfolgreicher Tag also für das Trackhouse-Team, das den Fokus im Jerez-Test bewusst auf die 'Timeattack' gelegt hatte. WM-Leader Marco Bezzecchi komplettierte ein Trio Aprilias an der Spitze, er büßte in Summe 0,328 Sekunden ein. Marc Marquez landete dicht hinter 'Bezz' auf Platz vier, Pedro Acosta wurde Fünfter. Alex Marquez fuhr seine schnellste Rundenzeit bereits am Vormittag und landete mit rund viereinhalb Zehnteln Rückstand auf Platz sechs.
Fabio Quartararo wurde Siebter, Namensvetter Di Giannantonio Achter. Johann Zarco platzierte sich als bester Honda-Pilot auf Rang neun, Francesco Bagnaia komplettierte die Top-10. Knapp dahinter folgten dann Jorge Martin und Enea Bastianini. Die Plätze 13 bis 15 gingen an das Honda-Trio um Diogo Moreira, Luca Marini und Joan Mir, während sich Brad Binder mit einer späten 'Timeattack' noch auf Rang 16 verbesserte.
Fermin Aldeguer entschied sich im Sinne der Rehabilitation von seiner schweren Beinverletzung aus der Winterpause, nur die Vormittagssession zu absolvieren. Er beendete den Testtag mit 1,1 Sekunden Rückstand und lediglich 28 absolvierten Runden auf Platz 17. Maverick Vinales fehlte wie schon am Wochenende verletzt, dank der Rückkehr von Dani Pedrosa waren zumindest am Montag aber dennoch vier KTMs im Einsatz. Der 'kleine Samurai' verlor lediglich anderthalb Sekunden auf die Bestzeit und ließ als 20. mit Toprak Razgatlioglu (21.) und Alex Rins (22.) gleich zwei Stammfahrer hinter sich. Beschlossen wurde das Feld von Aprilia-Testfahrer Lorenzo Savadori.
Aprilia überrascht im Jerez-Test: MotoGP-Messgerät am Heck
Die Technik: Bevor die MotoGP Ende Juni erstmals einen offiziellen Test den neuen 850ccm-Motorrädern widmen wird, gibt es kommenden Monat in Barcelona (18. Mai) nochmal einen letzten Testtag mit der aktuellen Bike-Generation. Die letzten technischen Updates für die 1.000ccm-Monster wurden aber wohl schon an diesem Montag in Jerez ausgepackt. Ein besonderes Interesse galt dabei natürlich Ducati. Die Italiener suchen nach enttäuschendem Saisonstart dringend nach einem besseren Fahrgefühl für die GP26. Die Marquez-Brüder wurden im Jerez-Test deshalb mit einer neuen Verkleidung und Schwinge gesichtet, Bagnaia experimentierte mit und ohne Massedämpfer am Hinterrad.

Für das größte Aufsehen sorgte am Montag aber wieder einmal der italienische Nachbar aus Noale. Aprilia schickte nämlich Testfahrer Lorenzo Savadori mit einem ganz merkwürdig aussehenden Heckanbau auf die Strecke. Dabei handelt es sich vermutlich aber nicht um den nächsten aerodynamischen Geniestreich von Technikdirektor Fabiano Sterlacchini, sondern schlicht um ein Messgerät zur besseren Datensammlung. Mehr Infos dazu liefern wir euch in diesem Artikel. Gleiches gilt für eine Neuerung am unteren Ende der Seitenverkleidung, die an Haifischzähne erinnert. Was bei Aprilia sonst noch los war? Bezzecchi testete auch noch eine neue Frontverkleidung mit dezenten aerodynamischen Anpassungen und Martin fokussierte sich auf Teile, die seine Markenkollegen schon länger im Einsatz haben, er selbst aufgrund seines verletzungsbedingten Fehlens im Sepang-Test aber noch nicht ausprobieren konnte.
Hier jeweils ein Bild von Aprilias neuem Messgerät am Heck der RS-GP, den Haifischzähnen am unteren Ende der Seitenverkleidung sowie der neuen Front-Aero:



Weniger spektakulär testete KTM in Jerez. An Pedrosas Maschine war eine neue Seitenverkleidung zu sehen, ansonsten lag der Fokus laut Teammanager Aki Ajo aber schlicht darauf zu verstehen, warum das vergangene Wochenende so enttäuschend verlaufen war. Auch Honda hatte fast keine neuen Teile im Einsatz. Hier konzentrierte man sich laut Technikdirektor Romano Albesiano darauf, mit Setup-Arbeit und dezenten Chassis-Anpassungen mehr Grip am Heck zu generieren sowie das Turning in Highspeedkurven zu verbessern.
Abschließend noch der Blick zu Yamaha. Hier hatte Fabio Quartararo bereits vor dem Testtag angekündigt, dass es nicht viel Neues zu entdecken geben werde. Der erhoffte neue Motor blieb auch tatsächlich aus, zumindest kleinere Updates gab es dann aber doch. "Wir evaluieren ein neues Chassis und ein Aero-Paket, außerdem arbeiten wir an der Elektronik", gab Teammanager Massimo Meregalli beim MotoGP-Format 'Midday Live' zu verstehen. Mit Blick auf den V4-Antrieb verriet er des Weiteren: "Es ist in Summe noch der gleiche Motor, aber wir haben ein paar Details geupdatet. Wir wissen, dass das die Performance leicht verbessert. Auch wenn die Fahrer solch kleine Veränderungen nicht spüren können, bestätigen uns das die Zahlen."
Gebrauchter Pramac-Tag: Stürze und Defekte für Jack Miller und Toprak Razgatlioglu
Stürze, Defekte & Zwischenfälle: Gegen 11:30 Uhr verschaffte Diogo Moreira den Marshals erstmals Arbeit. Der LCR-Pilot donnerte in Kurve vier mit hoher Geschwindigkeit ins Kiesbett. Er blieb glücklicherweise unverletzt, seine Honda war jedoch hinüber. Der zweite und letzte Crash der Vormittagssession ging dann auf das Konto von Rookiekollege Toprak Razgatlioglu. Er rutschte in Kurve drei von der Strecke.

Nachmittags sorgte Marco Bezzecchi gegen 15 Uhr für den ersten Knall. Der WM-Leader stürzte auf seiner ersten fliegenden Runde in der schnellen Kurve elf, konnte aber schon kurze Zeit später wieder auf die Strecke gehen. Rund 80 Minuten später ging Jack Miller in Kurve zwei zu Boden. Der Australier komplettierte damit einen bescheidenen Tag, denn Vormittags hatte er seine Pramac-Yamaha schon mit einem technischen Defekt in Kurve sechs abstellen müssen. Für den letzten Crash des Tages sorgte wenig später Dani Pedrosa. Der KTM-Testfahrer stürzte gegen 16:30 Uhr in der Schlusskurve 13.
Das Wetter: Der MotoGP-Testtag in Jerez begann mit fast wolkenlosem Himmel und ganz viel Sonnenschein. Im Verlauf des Tages kletterten die Temperaturen auf bis zu 26 Grad Luft- und 40 Grad Asphalttemperatur, erst gegen Abend kühlte es nochmal ab. Nach durchwachsenem Wetter am zurückliegenden Rennwochenende wurden die MotoGP-Stars also mit (fast) perfektem Testwetter verwöhnt. Einzig recht starker Wind machte den Piloten den gesamten Tag über etwas zu schaffen.



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