Der Sieg nach dem Tod eines Crewmitglieds in Austin konnte emotional nicht getoppt werden, doch rein sportlich betrachtet hat Intact GP in Jerez noch einmal eine Schippe draufgelegt. Ein Moto2-Doppelsieg beim Klassiker wurde durch zwei Comebacks samt Podium in der kleinen Klasse garniert. Jürgen Lingg und Peter Öttl können derzeit mächtig stolz auf Fahrer und Team sein.
Kein Kater nach verpasstem Titel 2025: Intact GP kommt stärker aus dem Winter zurück
Die Plätze eins und zwei, sowohl im Spanien-GP als auch in der Moto2-Fahrerwertung - das hätte sich das deutsche Team wohl nicht erträumen können. Nach der WM-Niederlage im Vorjahr wäre Katerstimmung kein Wunder gewesen. "Ich muss ehrlich sagen: Nachdem wir letztes Jahr die kleine Enttäuschung erlebten, dass wir den Titel nicht nach Hause gebracht haben, hat dann doch die Freude überwogen, dass sowohl Team als auch Fahrer Vizemeister geworden sind", betont aber Teamchef Jürgen Lingg im Gespräch mit Motorsport-Magazin.com.

Statt hängenden Köpfen wurde eine 'Jetzt erst recht'-Mentalität freigesetzt: "Den ganzen Winter war immer dieser Gedanke da: Was müssen wir tun, damit wir dieses Momentum halten können? Glücklicherweise hat es funktioniert. Aber es war allen klar, dass das kein Selbstläufer ist."
Überlegene Pace nicht nutzbar: Senna Agius beweist Geduld beim Siegmanöver
Damit trifft Lingg ins Schwarze, denn auch beim Triumph in Jerez war es keineswegs so, dass der Erfolg dem Team einfach zuflog. Beide Piloten hatten zu kämpfen, womit nicht nur der starke Ajo-Pilot Collin Veijer gemeint ist, welcher letztlich auf Rang drei verwiesen wurde. "Mein Plan war es eigentlich, in Führung zu gehen und wegzuziehen. Ich hatte aber einen heiklen Moment in Kurve 11 und verlor die Front. Da bin ich bis auf Rang drei zurückgefallen", berichtete Sieger Senna Agius, der das gesamte Wochenende überragende Pace hatte.

Diese konnte er aber im Rennen erstmal nicht nutzen: "Ich verlor zu viel auf den Geraden und habe das auf der Bremse überkompensiert. Dabei habe ich den Vorderreifen zu sehr verbraucht und überhitzt. Das konnte ich nicht ändern. Also hielt ich mich zurück. Ich sah, dass ich an einigen Stellen der Strecke viel mehr Speed hatte, aber konnte es nicht für ein Überholmanöver nutzen." Letztlich folgte aber doch der Kraftakt zum zweiten Sieg in Serie: "Ich muss ehrlich sein. Ich hatte nicht mehr viel übrig im Tank. Ich musste alles geben, um diese Manöver für die Führung durchzuziehen."
Manu Gonzalez mit Konstanz auf Titelkurs: WM-Kampf mit dem Teamkollegen?
Auf den Heimsieg schielte Manu Gonzalez. Der Spanier konnte jedoch das gesamte Wochenende nie ganz mit seinem Teamkollegen mithalten. Im Qualifying hatte ihn Agius sogar auf einen guten Startplatz ziehen müssen. Mit Blick auf die WM-Führung war dann aber wieder alles in Ordnung: "Es ist schade, dass ich nicht bis zur letzten Kurve kämpfen konnte, so wie ich es gehofft hatte. Aber ich habe auch an die Meisterschaft gedacht und wollte keinen Fehler begehen. Ich habe Punkte zwischen mich und meine Rivalen gelegt. Ich möchte mich jetzt Rennen für Rennen steigern. Ein zweiter Platz ist doch wirklich positiv."
Es ist genau das, was Hoffnung macht. Gonzalez hat noch nicht die Form des Vorjahres gefunden und ist trotzdem voll dabei: "Es fehlen uns schon noch ein paar Kleinigkeiten zu den anderen, um mehr Rennen zu gewinnen. Aber wir sind da. Drei Podien in vier Rennen und immer unter den ersten Fünf: Das brauchst du, wenn du die Meisterschaft gewinnen willst."

Mit den Punkten aus den zwei Siegen ist nun ausgerechnet Agius sein erster Verfolger - und auch Titelrivale? "Ich weiß es nicht. Ich hoffe es, das wäre doch schön. Momentan ist er sehr stark, aber er war auch inkonstant auf anderen Strecken", meint 'ManuGasss'. Ein teaminterner Titelkampf birgt natürlich auch Sprengstoff. Jürgen Lingg sieht das aber ganz pragmatisch: "Manchmal passt es besser mit den zwei Fahrern in der Box und manchmal weniger. Am Ende stelle ich immer klar: Man muss nicht beste Freunde sein, aber man muss sich respektieren und bis zu einem gewissen Grad helfen. Am Ende muss am Sonntag der Bessere vorne sein." Die Hilfestellung im Qualifying bewies ohnehin, dass bis jetzt zwischen den beiden noch alles im Reinen ist. Es durfte also ohne Zwist gefeiert werden.
Aus dem Krankenhaus aufs Moto3-Podium: Davi Munoz mit sensationellem Comeback
Und das galt nicht nur in der mittleren Klasse, denn auch in der Moto3 gab es Grund zum Jubel. In den USA waren beide Davids noch wegen Operationen ausgefallen und gaben nun ihr Comeback. "Wir sind praktisch ohne Erwartungen zum ersten europäischen Rennen hier in Jerez gekommen. Wir hatten lediglich gehofft, dass unsere beiden Fahrer nach ihrer Verletzungspause am Donnerstag vom Rennarzt die Freigabe erhalten würden", meinte Teamchef Peter Öttl.
Was als eine Art Herantasten angedacht war, entpuppte sich als viel mehr. David Munoz qualifizierte sich sensationell auf Startplatz zwei und erkämpfte dann im Rennen als Dritter sogar das Podium. Nach 19 Rennrunden holte er sich ein einem heißen Dreikampf mit Marco Morelli und Adrian Fernandez um die Ränge zwei und drei seinen Pokal ab. Besonders mit Fernandez gab es sogar den Ellenbogeneinsatz. Der Leopard-Pilot hatte damals in Indonesien mit einer Kollision für den schweren Unfall und die Oberschenkelverletzung Munoz' gesorgt. "Die letzte Runde war spannender, als mir lieb war, aber solche Duelle sind in der Moto3 normal. Der Kampf mit Fernandez war angesichts meiner körperlichen Verfassung sehr anstrengend", kommentierte der Spanier.
Vor dem Sonntag hatte er höchstens sieben Runden am Stück absolviert. Nun hielt er mehr als das Doppelte durch. "Heute ist ein sehr wichtiger Tag in meinem Leben, und mein Heimrennen auf dem Podium zu beenden, macht es noch unvergesslicher. Da ich mich gerade erst von einer Verletzung erholt habe, hätte ich nicht erwartet, hier schon auf diesem Niveau zu sein. Ich habe in letzter Zeit viel Zeit im Krankenhaus verbracht, konnte nicht trainieren und nichts für meinen Körper tun", zeigte sich Munoz daher überrascht ob seiner sensationellen Leistung.

Peter Öttl sicher: Die Intact-Davids werden noch stärker!
Weniger glücklich war Thailand-Sieger David Almansa. Er hatte beim Comeback mehr zu kämpfen: "Um ehrlich zu sein, unser Rennen heute war nicht so gut. Vor allem, weil ich mich körperlich nicht zu 100 Prozent fit fühle. Wegen meines Ellbogens konnte ich die Motorbremse nicht richtig nutzen, da ich den Kupplungshebel nicht schnell genug betätigen konnte. Dadurch habe ich beim Bremsen Zeit verloren und bin mehrmals zu weit nach außen gekommen." Was nach einem furchtbaren Rennen klingt, wusste er dann aber doch richtig einzuschätzen: "Am Ende belegten wir den achten Platz und holten eine gute Punkteausbeute für die Meisterschaft, auch wenn ich mir etwas mehr erhofft hatte."
Peter Öttl hofft, dass diese Leistungen nur der Anfang von noch mehr waren. "Ich denke, ein Podiumsplatz nach diesen sechs qualvollen Monaten seit seinem schweren Sturz ist sicherlich etwas ganz Besonderes. Auch David Almansa fuhr ein gutes Rennen und holte mit seinem achten Platz wertvolle Punkte. Beide haben sich nun eine Pause verdient, die sie sinnvoll nutzen werden, um sich zu erholen und weiter an ihrer Fitness zu arbeiten. In zwei Wochen in Le Mans werden sie definitiv noch stärker zurückkommen", kündigt der Bayer an. Vielleicht ist ja dann auch in der Moto3 noch irgendwann ein Doppelsieg der beiden Davids möglich. Wer angeschlagen so fährt, mit dem ist bei voller Fitness zu rechnen.
Wesentlich unglücklicher Verlief das Moto3-Rennen für Leo Rammestorfer, denn der Rookie konnte gar nicht erst starten. Was da schiefging, lest ihr hier:



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