Wie schnell sich Gefühlswelten doch ändern können! Durften Marc Marquez und das Ducati-Werksteam am Samstag noch einen völlig verrückt zustande gekommenen Sprintsieg bejubeln, war keine 24 Stunden später nichts mehr von Feierlaune übrig. Der MotoGP-Superstar verabschiedete sich bereits in der zweiten Runde des Spanien-GPs auf Platz zwei liegend aus dem Rennen und kassierte damit einen abermaligen Rückschlag im Titelkampf 2026.
Bei ServusTV bekam Marquez von Ex-Honda-Kollege Stefan Bradl daraufhin sein Fett weg. "Das macht er wieder ein Bisschen wie ein 14-jähriger", kritisierte der deutsche Experte deutlichst und unterstellte seinem langjährigen Weggefährten, dass er wieder einmal zu früh im Rennen zu viel gewollt hätte. "Ein Fehler, der einfach nicht passieren darf", fuhr Bradl fort. "Das soll jetzt keine Kritik sein, denn mit dieser Mentalität ist er neunmaliger Weltmeister geworden. Aber das Problem ist, dass die Aktionen ihn auch mehrere Titel und Siege gekostet haben. Er kann da langsamer machen, sich Zeit nehmen und dem Alex folgen. Dann gestaltet sich das Rennen anders."
Marc Marquez widerspricht Bradls Sturz-Theorie - aber woran lag's dann?
Im Grunde habe es sich also um eine exakte Wiederholung jenes Patzers gehandelt, der Marc Marquez schon beim Spanien-GP im Vorjahr unterlaufen war. Auch damals stürzte er früh im Rennen, als er nach der Führung jagte. Doch dem widersprach der Titelverteidiger am Sonntagnachmittag vehement. "Letztes Jahr war das anders. Da habe ich zu viel gepusht. Ich war zu schnell, weil ich meinen Vordermann attackieren wollte. Aber dieses Jahr wollte ich gar nicht gegen Alex kämpfen. Ich wusste, dass er auf einem anderen Level war", kommentierte Marquez in seiner Medienrunde.
Wieso war es also zum Sturz gekommen? Das konnte Marquez nicht erklären. "Ich habe sogar früher gebremst als in der Runde zuvor, ich hatte den gleichen Kurvenspeed und die gleiche Schräglage. Und dennoch bin ich gestürzt", analysierte der MotoGP-Superstar und konnte somit nur ratlos festhalten: "Irgendwas muss ich falsch gemacht haben."
Eine Idee, was womöglich schiefgelaufen war, präsentierte nur WM-Rivale Marco Bezzecchi. Der Italiener war zum Zeitpunkt des Sturzes genau hinter Marquez gelegen und hatte alles aus nächster Nähe verfolgen können. "Er war eigentlich auf einer guten Linie", rätselte auch 'Bezz' zunächst, gab dann aber an: "Das Einzige, was mir aufgefallen ist, ist, dass der Wind heute recht stark war. Den hatten wir gestern wegen des Regens nicht, aber heute war das wieder das typische Jerez-Wetter: Sonnig, aber sehr windig. Deswegen habe ich auch einen Fehler in Kurve acht gemacht [und daraufhin Platz zwei an Alex marquez verloren, Anm.]".
Krisenstimmung im Ducati-Lager: Jerez-Test wird richtungsweisend
Möglicherweise waren es also die äußeren Gegebenheiten, die Marquez am Sonntag zu Fall brachten. Ob den wirklich so ist, werden wir vielleicht nie mit Gewissheit erfahren. Aber es würde schon irgendwie ins Bild passen, denn mit dem Circuito de Jerez pflegt der 33-Jährige schon seit einigen Jahren keine Liebesbeziehung mehr. Den letzten Sieg gab es in Jerez an einem Sonntag in der Saison 2019. "Ich mag die Strecke eigentlich und genieße es jedes Mal, hier zu sein. Aber aus irgendwelchen Gründen habe ich hier sonntags immer Pech oder mache Fehler", haderte Marquez auch selbst.
Was aber noch viel größere Sorgen als dieser vermeintliche Jerez-Fluch macht: Es hätte am Sonntag auch ohne Sturz keinesfalls zu einem Sieg gereicht. Nicht einmal ein echter Kampf um Platz eins wäre für den Polesitter möglich gewesen. Zu stark war Bruder Alex, zu stark auch Bezzecchi und vielleicht auch Fabio Di Giannantonio. "Es hätte nur zu Platz drei oder vier gereicht", gab Marquez auch selbst an. Das Fahrgefühl für die Desmosedici GP26 im Trockenen passt einfach nicht und deshalb wartet am Montag nun ein ganz wichtiger Testtag. "Wir müssen das Gefühl für das Motorrad verbessern. Das wird entscheidend sein", unterstrich der neunmalige Weltmeister die Bedeutung des anstehenden Jerez-Tests (27. April). "Ich muss besser fahren können!"

Gelingt das nicht, könnte es eine lange Saison für das Ducati-Werksteam werden. Denn auch bei Francesco Bagnaia lief am Sonntag nichts zusammen. Der Italiener rollte kurz nach Rennhalbzeit aus, lag zu diesem Zeitpunkt aber auch nur auf Platz neun. "Ich hatte ein Problem mit der Front des Motorrads. Das Team versucht jetzt herauszufinden, was passiert ist. Ich konnte jedenfalls nicht mehr stoppen. Ich habe mich schon zu Beginn des Rennens unwohl gefühlt und das wurde dann immer schlimmer und schlimmer, bis ich nicht mehr bremsen konnte", beschrieb der Italiener. Auch auf ihn wartet nun ein entscheidender Testtag. Einziger Lichtblick: Alex Marquez. Der Gresini-Pilot gewann in überlegener Manier, weshalb sich Bagnaia nun etwas abschauen will: "Er hat deutliche Fortschritte mit der GP26 gemacht. Das werden wir jetzt analysieren und versuchen, das zu kopieren."
Was meint ihr: Gelingt Ducati am Montag der dringend benötigte Fortschritt mit der Desmosedici GP26? Sagt es uns in den Kommentaren!
Das komplette Ergebnis zum Spanien-GP 2026 findet ihr derweil hier:



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