Marc Marquez hat schon so einige unglaubliche Geschichten geschrieben, aber dieser Sieg im MotoGP-Sprint von Jerez war selbst für seine Verhältnisse außergewöhnlich. Der Weltmeister stürzte sich im Regen-Chaos förmlich zum Erfolg.
Regen in Jerez: Marc Marquez will Bruder Alex ins MotoGP-Debakel folgen
Schon im Qualifying hatte die Nummer 93 auf nasser Fahrbahn geglänzt und die erste Pole-Position der Saison herausgefahren. Im Sprint am Nachmittag war es zunächst aber trocken und es zeichnete sich das ab, was der Ducati-Pilot schon am Freitag vorhergesagt hatte. Obwohl er die Führung nach gutem Start zunächst hielt, brauste von hinten Bruder Alex Marquez heran und machte Druck. Letztlich gelang dem Gresini-Piloten auch das Überholmanöver, doch das Wetter hatte andere Pläne für diesen Sprint.

Der Regen setzte ein und die Frage lautete: Reinkommen und auf das Regen-Motorrad wechseln, oder es bis zum Ende auf Slicks versuchen? Die Marquez-Brüder trafen die falsche Wahl. "Die richtige Entscheidung wäre es gewesen, schon eine Runde vorher reinzukommen. Aber Alex blieb draußen und ich entschied mich, an ihm dranzubleiben", erklärte Marc Marquez.
Zur richtigen Zeit am richtigen Ort: Sturz zwingt Marc Marquez zu seinem Glück
Doch ein weiterer Fehler entpuppte sich als der große Jackpot für den Ducati-Piloten. "Irgendjemand hat mir heute dieses bisschen Extra-Glück geschickt, dass ich da gestürzt bin", meint er zu seinem Wegrutschen in der Schlusskurve, denn: "Ich bin in der bestmöglichen Kurve und zum bestmöglichen Zeitpunkt gestürzt."
Marquez hatte nun nichts mehr zu verlieren und war zu seinem Glück gezwungen worden: "Ich war in der Auslaufzone und dachte mir: Was soll ich tun? Ich entschied mich, stehenzubleiben und die anderen Fahrer vorbeizulassen, um keine gefährliche Situation zu erzeugen. Als keiner mehr kam, fuhr ich an die Box. Das (Regen-)Bike stand zum Wechsel bereit, das war der Schlüsselmoment des Rennens." Trotz des Zeitverlustes durch Sturz und durch Warten war Marquez so gegenüber einem Großteil des Feldes auf Slicks im Vorteil, jedoch nicht gegen alle. Einige Piloten weiter hinten im Feld hatten bereits mit Regenreifen gepokert.

Brad Binder war so zunächst der klar bestplatzierte der früh wechselnden Fahrer und wurde weit in Führung gespült. Dieses Problem erledigte sich jedoch von selbst, denn der KTM-Fahrer kam kurz darauf zu Sturz. So war es plötzlich Teamkollege Francesco Bagnaia, der vor Marquez als Gegner um den Sprint-Sieg auftauchte. Doch Marquez machte mit ihm kurzen Prozess und fuhr souverän zum Sieg.
Alles Regelkonform: Marc Marquez bietet MotoGP-Fans besondere Show
Kurz stand dieser noch in Frage, denn mehrere Beobachter wunderten sich, ob Marquez nach dem Sturz überhaupt in die Boxengasse hineinfahren hätte dürfen. "Lest die Regeln! Wenn du keine Zeit gewinnst, keine gefährliche Situation auslöst oder keine Kurve durch eine Service-Road abkürzt, dann gibt’s ja auch nichts dagegen zu sagen", sagt der Sprint-Sieger dazu. Die MotoGP-Stewards stimmten zu. Es gab keine Strafe.
Stattdessen wurde das Spektakel auf den Tribünen groß gefeiert. "Mehr als für mich selbst ist das für die Fans etwas Besonderes. Jetzt können sie in Zukunft immer sagen: Er hat auch gewonnen, obwohl er gestürzt ist oder als letzter gestartet ist. Manchmal erinnern sich die Leute eher an den Fahrer, der eine Show geboten hat, als an den Fahrer, der viel gewonnen hat. Am wichtigsten ist es, dass es den Fans gefallen hat", meint der Held des Tages.
Glück am Samstag, zu wenig Pace am Sonntag? Alex Marquez im Grand Prix Favorit
Doch bei aller Freude ist sich Marc Marquez auch bewusst, dass das an diesem Samstag ganz anders hätte ausgehen können. "Ein Fehler hat mir die Chance gegeben, das Rennen zu gewinnen", stellt er unmissverständlich klar. Bei der Frage ob Glück oder Können ausschlaggebend war, gab er dementsprechend eine recht eindeutige Antwort: "Es war glücklich, aber auch klug dann in der Auslaufzone anzuhalten. Aber insgesamt ist es Glück, weil es in der letzten Kurve war. Ich hätte ja auch in Kurve 1 stürzen können. Es ist außerdem auch glücklich, denn der Fehler entstand durch den anderen Fehler, nicht in die Box zu fahren."
'Vieles falsch gemacht und trotzdem gewonnen' lautet also das Motto. Am Sonntag wird es aber kaum zur Wiederholung kommen. Gegen Bruder Alex sieht sich der Pole-Mann im Nachteil: "Er ist schneller als ich. Gestern war er schon eine halbe Sekunde schneller auf die einzelne Runde und im Rennrythmus etwa drei Zehntel. Morgen werde ich einen guten Start versuchen, aber es sieht nach trockenem Wetter aus. Dann ist Alex der Favorit." An diesem Samstag hat dies Alex Marquez aber nichts eingebracht. Er wurde für seine Fehler im Gegensatz zu seinem Bruder bestraft.
Was meint ihr? Ist das mal wieder eine Geschichte, die nur Marc Marquez schreiben kann oder war das diesmal wirklich pures Glück? Sagt es uns in den Kommentaren.


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