0,506 Sekunden Vorsprung! Ducati erlebte am Freitag in Jerez das erhofft starke Training und distanzierte MotoGP-Titelrivale Aprilia deutlich. Ein rotes Ausrufezeichen, und doch ist in Borgo Panigale noch lange kein Aufatmen angesagt. Denn das Trainingsresultat kommt durchaus pikant daher: Für die überlegene Bestzeit sorgte nicht etwa der wieder vollständig fitte und damit favorisierte Marc Marquez, sondern ausgerechnet dessen jüngerer Bruder Alex, der 2026 bislang kein Bein auf den Boden bekommen hatte. Ein Grund zur Sorge?

Verkehrte Welt bei den Marquez': Alex tanzt, während Marc kämpft

Ja - zumindest, wenn man es mit der Nummer 93 hält. Denn diese zog am Freitagabend ein ernüchterndes Fazit: "Das war ein akzeptabler Tag. Nicht richtig schlecht, aber auch nicht gut. Ein durchschnittlicher Tag eben. Ich bin langsamer als die anderen [Ducati-Piloten, Anm.]. Wir sind irgendwo zwischen den Plätzen vier und sechs."

'Diggia' bestätigt: Marc Marquez' Ducati-Weg nicht für mich (09:17 Min.)

Von Aufschwung kann beim MotoGP-Superstar also zumindest nach dem Freitag in Jerez keine Rede sein, trotz ausgestandener Schulterverletzung. Ganz anders bei Alex Marquez. Dieser zeigte sich am Ort seines ersten Grand-Prix-Sieges in der Königsklasse regelrecht beflügelt: "Ich hatte das nicht erwartet, aber ich habe mich seit heute Morgen richtig gut gefühlt. Ich war im Flow. Ich musste nicht mit dem Motorrad kämpfen, ich konnte damit tanzen. Ich bin wirklich glücklich. Das war genau der Tag, den ich nach drei so schweren Rennwochenenden gebraucht habe."

Wie dieser Aufschwung gelang? Gresini-Teammanager Michele Masini gab einen Einblick: "Wir haben speziell an der Elektronik gearbeitet und die Motorbremse verbessert. Außerdem haben wir das Setup für den Kurveneingang etwas angepasst. Das scheint gut zu funktionieren." Generell scheint das für die Desmosedici GP26 zu gelten, die in Jerez einen verbesserten Eindruck machte. Schließlich war auch Fabio Di Giannantonio als Zweiter nochmal anderthalb Zehntel schneller als Aprilia-Speerspitze Marco Bezzecchi und Francesco Bagnaia verlor nur fünf Hundertstel auf seinen künftigen Teamkollegen. Einzig Marc Marquez harmonierte nicht so wirklich mit dem italienischen PS-Monster.

Marc Marquez fand am Freitag kein gutes Gefühl für seine Ducati, Foto: IMAGO / ZUMA Press Wire
Marc Marquez fand am Freitag kein gutes Gefühl für seine Ducati, Foto: IMAGO / ZUMA Press Wire

Marc Marquez strauchelt in Jerez: MotoGP-Podium aktuell das Maximum

"In Sektor vier verliere ich die meiste Zeit, in den beiden schnellen [Rechts-]Kurven dort. Aber auch in den Linkskurven war das Gefühl heute nicht gut", gab der neunmalige Weltmeister unverblümt zu. Macht ihm die rechte Schulter also womöglich doch noch zu schaffen? Nein: "Körperlich geht es mir gut. Mir fehlt es nur an Gefühl für das Motorrad." Auf Bruder Alex und dessen ausgezeichnetes Gefühl für die GP26 angesprochen, scherzte Marc Marquez dann: "Das letzte Mal, dass ich getanzt habe, war letztes Jahr in Motegi [nach dem Gewinn der Weltmeisterschaft, Anm.]. Vielleicht habe ich seither vergessen, wie man tanzt."

Natürlich nicht ganz ernst gemeint, ließ der Ducati-Star mit dieser Aussage dennoch tief blicken. Denn an eine Trendwende in Jerez glaubt er schon jetzt nicht mehr: "Ich habe dieses Wochenende nicht das Potenzial, um zu attackieren. Ich habe nur das Potenzial, um zu überleben. Wir werden sehen, ob wir uns morgen noch verbessern können, aber das Ziel wird das Podium sein - und das ist ein optimistisches Ziel. Momentan sind wir nicht einmal auf dem Podium."

Ein gutes Qualifying am Samstagvormittag und die Welt könnte gewiss schon wieder ganz anders aussehen, und doch klingt da ungewöhnlich viel Pessimismus beim 99-maligen Grand-Prix-Sieger durch. Triumph Nummer 100 scheint in weiter Ferne, dafür spricht auch die Prognose von Bruder Alex, dass Ducati Aprilia nicht abgehängt hat: "Wir haben an den ersten drei Rennwochenenden gesehen, dass sich Aprilia von Freitag auf Samstag verbessern kann und am Sonntag sind sie ohnehin in der Lage, eine wirklich starke Pace aufrechtzuhalten."

Es wird also spannend zu sehen sein, ob Alex Marquez seine Topform vom Freitag bestätigen kann und Bruder wirklich in größeren Problemen steckt. Wenn ihr Qualifying und Sprint in Jerez nicht verpassen wollt, dann könnt ihr hier nachlesen, wie ihr live zuschauen könnt: