Das Regen-Chaos im Sprint von Jerez barg mit Sicherheit das Risiko, eine falsche strategische Entscheidung zu treffen und sich das Rennen zu ruinieren. Für die beiden Spitzenpiloten der bisherigen MotoGP-Saison ergab sich diese 'Gelegenheit' aber gar nicht mehr. Pleiten, Pech und Pannen raubten dem Aprilia-Duo bereits die Chancen, bevor das Wetter sich einmischen konnte.

Abreißvisier sorgt für Start-Debakel bei Marco Bezzecchi

Für WM-Leader Marco Bezzecchi war alles im Prinzip schon am Start gelaufen. Der Italiener kam furchtbar weg und fiel bis auf Rang 17 zurück. Er war dafür aber nicht verantwortlich: "In dem Moment wusste ich es nicht, aber wir haben jetzt auf dem Video gesehen, dass wohl Alex Marquez ein Abreißvisier in der letzten Kurve abnahm. Ich war hinter ihm und es verhing sich in meiner Verkleidung, bis ich in meiner Startbox anhielt. Dort blieb es zunächst, fiel dann aber unter mein Motorrad."

Darauf wegrutschend wurde dann der Rückwärtsgang eingelegt. Bezzecchi konnte sich danach nur mühsam um ein paar Plätze verbessern. Als dann der Regen einsetzte, endete sein verkorkster Sprint nach dem Wechsel auf das Regenmotorrad: "Ich hatte nicht genug Temperatur in den Bremsen. Ich versuchte sie bereits in der Boxengasse zu wärmen und auch im Bremsen auf Kurve 1. Aber in Kurve 2 waren sich trotzdem noch nicht ansatzweise auf Betriebstemperatur. Da habe ich sofort die Front verloren. Ich fuhr nicht zu schnell, aber das reicht schon für einen Sturz."

Letztlich war dies aber nur der Schlusspunkt eines Rennens, das bereits viel früher verloren war. "Natürlich hatte ich Pech. Aber am Ende ist es etwas, das außerhalb meiner Kontrolle lag. Ich hätte nichts tun können. Ich kann nur noch versuchen, es morgen besser zu machen", lautete daher das Fazit von 'Bezz'.

Marco Bezzecchi holte keine Punkte, Foto: Aprilia Media
Marco Bezzecchi holte keine Punkte, Foto: Aprilia Media

Jorge Martins Vormarsch schnell durch Aprilia-Defekt gestoppt

Mit dem Sturz im Regen kam er aber immerhin weiter als Teamkollege Jorge Martin. Dieser konnte nur ein paar - immerhin starke - Meter im Trockenen absolvieren: "Beim Start gelang mir ein guter Job. Ich war schnell unterwegs und konnte Alex [Marquez] überholen. Ich war auf dem Weg an die Spitze. Aber als in Kurve 1 bremsen wollte, konnte ich einfach nicht abstoppen. Ich ging weit und erkannte, dass es etwas nicht richtig funktionierte. Ich musste aufgeben."

Von außen war klar ersichtlich, dass die vordere Bremsscheibe förmlich glühte. Kein Wunder also, dass Martin keine Bremskraft mehr zur Verfügung hatte. Was dieses Problem verursachte, konnte der Spanier nicht sagen: "Nein, ich weiß es noch nicht. Das Team untersucht es. Aber das ist Rennsport, das kann passieren. Manchmal verlierst du ein Rennen aus technischen Gründen."

Mit etwas Galgenhumor schaute er sich dann das chaotische Rennen an. "Heute weiß ich ohnehin nicht, ob es nicht besser war, in der Box, statt auf der Strecke zu sein. Das war schön, das Rennen von außen zu sehen. Wenn du da mit drinsteckst, ist das sehr schwierig", gibt der Weltmeister von 2024 an. Vielleicht kamen da Erinnerungen an Misano in seinem Titeljahr hoch, als er in einer solchen Flag-to-Flag-Situation eine fatale Fehlentscheidung traf. Diesmal war definitiv das Material schuld, weswegen Martin auch meint, den Vorfall gut abhaken zu können.

Jorge Martin in der Aprilia-Box
Jorge Martin musste den Defekt abhaken, Foto: IMAGO / CordonPress

Kompletter MotoGP-Alptraum am Samstag: Lorenzo Savadori abgeschossen

Das wird im Aprilia-Lager auch nötig sein, denn um das Debakel-Triple des Samstags perfekt zu machen, wurde auch noch Wildcard-Pilot Lorenzo Savadori von Toprak Razgatlioglu abgeschossen. Der Türke erhielt daraufhin eine Longlap-Strafe für den Grand Prix, während der Italiener infolge des Unfalls nicht zur Medienrunde erschien. Laut Informationen des Teams ist der Testfahrer aber bereit für den Start am Sonntag. Das bleibt dann auch die einzige gute Nachricht: Im Grand Prix können alle drei es noch einmal versuchen. Und Aprilias Bilanz im Rennen sollte nach fünf Triumphen in Serie, davon zuletzt sogar zwei Doppelsiege, hinlänglich bekannt sein.

Manchmal kann das Leben unfair sein. Während alle drei Aprilia-Piloten unverschuldet ihrer Chancen beraubt wurden, beging Marc Marquez gleich zwei Fehler und gewann trotzdem. Mehr zum Glückspilz gibt es hier: