Yamaha fährt weiter und weiter hinterher in der MotoGP-Saison 2026. Starpilot Fabio Quartararo hatte sich zuletzt etwas zurückgehalten, doch nun platzt es wieder aus ihm heraus. Er richtet die M1 mit V4-Motor förmlich hin - und dabei ist das Aggregat noch nicht einmal das Schlimmste.

Vernichtende Bestandsaufnahme: Yamahas MotoGP-Bike hat nicht eine Stärke

Nach einem erneut chancenlosen Rennen in Jerez konnte 'El Diablo' seine Frustration nicht mehr verbergen. Die Bestandsaufnahme für das Motorrad ist vernichtend: "Letztes Jahr war das Bike recht in Ordnung, aber es gab zwei große Probleme: Der Grip und die Motorleistung. Jetzt haben wir keinerlei Stärken mehr oder gar irgendeinen Aspekt, wo ich behaupten könnte, dass ich mich gut fühle. Ich fühle mich nicht wohl auf der Bremse, am Kurveneingang, in der Kurvenmitte und am Ausgang, denn da ist kein Grip. Das Bike lenkt nicht ein."

Beim Einlenken ist die Yamaha schwach, Foto: Yamaha Motor Racing Srl
Beim Einlenken ist die Yamaha schwach, Foto: Yamaha Motor Racing Srl

Teamkollege Alex Rins war deutlich kürzer angebunden, aber im Endeffekt bestätigt er die brutale Diagnose: "Das Bike war auf demselben Niveau wie an den anderen Wochenenden. Wir können kaum einlenken, nicht herausbeschleunigen und verlieren beim Topspeed."

Yamahas dramatischer Absturz: Aus 2 Sekunden Rückstand werden 30

Dabei hätte es für den Spanien Grand Prix zunächst etwas Hoffnung gegeben. Zum Einen ist Quartararo absoluter Spezialist für den Kurs. Zum Anderen fällt Mangel an Motorleistung auf den kurzen Geraden sicherlich nicht so sehr ins Gewicht wie etwa noch in Austin. Doch der Franzose betont, dass es bei Weitem nicht nur um den Motor geht: "Um ehrlich zu sein: Die Leistung beim Topspeed ist unser geringstes Problem. Auf Strecken wie dieser macht die Motorleistung keinen großen Unterschied. Letztes Jahr sind wir mit schwächerem Motor auf Pole gefahren. Das ist nicht das Problem. Ich würde einfach gerne mal fahren und dabei Spaß haben."

Fabio Quartararo weiß nicht weiter, Foto: Yamaha Motor Racing Srl
Fabio Quartararo weiß nicht weiter, Foto: Yamaha Motor Racing Srl

Er macht seine Rechnung im Vergleich zur vorherigen Reihenmaschine auf, die für Yamaha nichts anderes als eine Demütigung darstellt: "Wir haben viele Bereiche mit großen Problemen. Wir haben eine Menge Arbeit vor uns. Selbst wenn wir eine Sache verbessern, gibt es noch vier andere. Und wir bräuchten große Fortschritte. Letztes Jahr kam ich zwei Sekunden hinter Alex [Marquez, auch 2025 der Sieger, Anm. d. Red.] ins Ziel und dieses Jahr sind es 30 Sekunden. Ich bin doch nicht dumm. Ich erinnere mich noch, wie man fährt. Es liegt nicht in meinen Händen und es liegt sicher nicht nur am Grip am Heck, dass wir 30 Sekunden verlieren."

Updatestau: Seit erster Wildcard des V4-Motorrads kaum etwas passiert

Der schwächelnde Motor ist also nur ein Puzzlestück in einer Großbaustelle. Und das Schlimmste ist: An diesem Bauprojekt geht in etwa so viel voran wie dereinst am Berliner Flughafen. "Es sind etwa 30 Prozent anders am Bike. Das ist natürlich nicht genug", antwortet Testfahrer Augusto Fernandez auf die Frage, was seit seiner ersten Wildcard in Misano 2025 in Sachen Updates passiert ist.

Augusto Fernandez hat nicht viel Neues zu testen, Foto: Yamaha Motor Racing Srl
Augusto Fernandez hat nicht viel Neues zu testen, Foto: Yamaha Motor Racing Srl

Dieser Gesamtzustand führt zu etwas bizarren Aussagen von Team-Manager Massimo Meregalli. "Der Motor ist insgesamt noch derselbe [wie zu Saisonbeginn]. Wir haben ein paar Updates um den Motor herum, von denen wir wissen, dass sie leicht Performance bringen. Aber wenn das so kleine Details sind, dann können die Fahrer das nicht spüren", berichtet er etwa von der Motorenentwicklung. Ein gänzlich neues oder stark weiterentwickeltes Aggregat wird seit Monaten erwartet, doch es kommt einfach nicht. "Es gibt keinen neuen Motor", stellt Quartararo ernüchtert fest. Und wann wirklich einer geliefert wird, steht in den Sternen: "Ich hätte ihn heute [beim Test am Montag, Anm. d. Red.] erwartet. Also weiß ich es nicht."

Jerez-Test bringt nichts ein: Yamaha hält die rote Laterne fest

Am Ende muss selbst der Team-Manager zugeben, wie schwer die Lage sich darstellt. Meregalli bleiben nur Durchhalteparolen: "Natürlich waren wir uns dessen bewusst, dass das nicht einfach wird. Ich dachte aber, dass es ein wenig leichter würde. Vielleicht haben wir einige Probleme nicht erwartet und diese verlangsamen den Entwicklungsprozess. Das Team selbst gibt Gas und die Atmosphäre ist gut. Wenn wir etwas Neues bringen, dann erzeugt das bereits positive Stimmung. Wir wussten alle seit dem Saisonstart, dass dieser erste Teil der Saison anspruchsvoll und hart wird, aber ich glaube daran, dass wir in der zweiten Saisonhälfte bessere Resultate sehen können."

Es herrschte Krisenstimmung beim Test, Foto: Ronny Lekl (gp-photo.de)
Es herrschte Krisenstimmung beim Test, Foto: Ronny Lekl (gp-photo.de)

Der Test in Jerez hat zur Hoffnung auf bessere Resultate allerdings wenig beigetragen. Es wurden ein paar Aero-Lösungen ausprobiert und mit dem Setup experimentiert. Die Erkenntnisse waren marginal. Die Fahrer bleiben ratlos. "Ich glaube nicht, dass wir irgendetwas Großes gefunden haben. Es ist ein kleines Detail, das mir ein wenig beim Fahren hilft. Aber ganz ehrlich: Wir haben nichts Wichtiges herausgefunden", berichtet Quartararo. Und Alex Rins verrät, was ganz oben auf seiner langen Wunschliste steht: "Die Priorität ist es, Traktion zu finden. Damit kannst du das Motorrad ein bisschen besser umdrehen und den Reifen ausnutzen." Doch im Moment kann diese Yamaha wohl nichts, außer hinterherzufahren.

Während Yamaha im Wald steht, zeigte Aprilia beim Test in Jerez groß auf. In unserem neuen Video berichten wir euch vom wahren Technik-Feuerwerk aus Noale:

Bumerang und Haifischzahn: Kuriose MotoGP-Updates im Jerez-Test (06:37 Min.)