Zehnter Sprint der MotoGP-Saison 2025, zehnter Doppelsieg. Die Marquez-Brüder sorgten am Samstag in Assen wieder einmal für die Schlagzeilen, diesmal jedoch nicht aufgrund ihrer deutlichen Überlegenheit. Vielmehr war im Sprint zur Dutch TT selbst mit bloßem Auge zu erkennen, dass Alex Marquez deutlich schneller konnte als Bruder Marc. "Ich war heute nicht der Schnellste, aber ich habe gewonnen", sollte dieser später auch vielsagend kommentieren. Einem echten Überholversuch seines jüngeren Bruders sah sich Marc Marquez jedoch zu keinem Zeitpunkt ausgesetzt. Warum? Das fragte sich am Samstag die gesamte MotoGP-Welt.
"Das interessiert mich auch", verriet am Samstag mit Joan Mir sogar ein Fahrerkollege der beiden Marquez-Brüder. Nach seinem Sturz gleich in der dritten Kurve hatte der Honda-Pilot den Sprint und damit auch das Brüderduell fast über die volle Länge im TV verfolgen können. "Ich habe gesehen, dass er etwas mehr im Tank hatte, speziell in Sektor drei und vier. Vielleicht nicht in den letzten Runden, weil Marc da normalerweise sehr stark ist, wenn alles zu rutschen anfängt, aber in den Runden zuvor hatte Alex definitiv die Möglichkeit, vor der Schikane ohne Probleme zu überholen", fand Mir. "Ich weiß nicht, warum er es nicht versucht hat."
Marc Marquez meint: Manchmal willst du, kannst aber einfach nicht
Womöglich doch zu viel Respekt vor dem großen Bruder, wie es Alex Marquez in den vergangenen Monaten von seinen Kritikern stets vorgeworfen wurde? Marc Marquez glaubt nicht daran. "Manchmal willst du überholen, aber du kannst einfach nicht", verteidigte der MotoGP-Superstar seinen jüngeren Bruder. "Ich hatte das in Silverstone. Ich war nah dran und es sah [im TV] so aus, als könnte ich überholen, aber ich konnte nicht. Wenn der Fahrer vor dir gut aus der Kurve herauskommt, spät bremst und keine Fehler macht, dann wird es schwierig zu überholen. Ich weiß nicht, ob er alles versucht hat, aber ich habe mich heute sehr stark auf der Bremse gefühlt, da bin ich der beste Ducati-Fahrer aktuell."
In den klassischen Überholpunkten des TT Circuits in Assen wie Kurve eins, fünf oder 16 kam Alex Marquez dadurch gar nicht in die Position für einen Überholversuch. Es blieb nur die Möglichkeit in den schnellen Rechtsknicken von T12 und T13. Doch dort verteidigte sich Marc Marquez laut eigener Aussage jedoch einfach clever: "Ich wusste, dass Alex dort sehr schnell war. Aber wenn du dort keinen größeren Fehler machst, dann wird es sehr schwer, dort zu überholen. Auf der Bremse war ich ohnehin stark, da musste ich mich nur auf meine Schwachpunkte fokussieren."

Alex Marquez verrät: Darum attackiert er Bruder Marc im Sprint nicht
"Kurve zwölf war die einzige Stelle, wo ich es hätte schaffen können", bilanzierte dann auch Alex Marquez in seiner Medienrunde. Der Gresini-Pilot haderte: "Ich war nur an den Stellen schneller als er, wo es schwierig zu überholen ist, speziell mit dem Wind und allem." Nachdem er sich bereits in Folge des Italien-GPs zuletzt zweimal intensiv gegen seine Kritiker gewehrt hatte, wollte er auch diesmal nichts von bewusst zurückhaltender Fahrweise gegen seinen älteren Bruder wissen. "Ich habe es versucht, ich war nah dran. Aber ich war eben nicht an den Stellen schnell genug, wo du das sein musst, um hier überholen zu können. Diese Strecke ist extrem eng und später hatte ich dann auch noch die Tracklimits-Warnung. In Kurve 14 ist es so einfach, das Grün zu berühren. Deshalb habe ich es einfach nicht als clever angesehen, dort in seiner Nähe zu sein. Ich habe kein klares Überholmanöver gesehen und war einfach nicht schnell genug, um ihn anzugreifen", verteidigte sich die Startnummer 73.
"Ich hätte heute sowieso nicht ewartet, auf dem Podium zu stehen, weil ich heute Morgen große Probleme hatte. Ich war drei oder vier Zehntel langsamer als Pecco [Bagnaia] und Marc. Jetzt auf dem Podium zu stehen und bis zur letzten Runde um den Sieg gekämpft zu haben, ist daher ein großartiges Resultat für uns", hielt Alex Marquez außerdem fest. Einen möglichen Sprintsieg habe er am Start verloren. Eigentlich vor Marc Marquez ins Rennen gegangen, fand sich der WM-Zweite schon vor Kurve eins wieder hinter seinem Bruder wieder. Der entscheidende Moment am Samstag, das fand auch die Nummer 93: "Ich wusste, dass der Start der wichtigste Moment des Rennens wird. Wenn ich hinter Pecco, Alex oder auch [Marco] Bezzecchi gewesen wäre, wäre ein Überholmanöver für mich wohl auch schwierig geworden."
Wie habt ihr den Zweikampf der Marquez-Brüder gesehen? Hättet ihr euch eine Attacke erhofft oder könnt ihr die Sicht von Alex Marquez verstehen? Sagt uns eure Meinung in den Kommentaren!



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