2025 müssen irgendwann im Laufe der Formel-1-Saison harte Entscheidungen getroffen werden. Denn nächstes Jahr kommt ein komplett neues Reglement, und dafür zu entwickeln braucht viele Ressourcen. Für Teams wie Ferrari, die so halb, aber nicht ganz vorne mitfahren, kann daher bald die Stunde geschlagen haben. Charles Leclerc ahnt eine Deadline.

"Wir wollen definitiv jetzt noch nicht aufgeben, noch ist es relativ früh", so Leclerc am Donnerstag in Monaco. Noch nicht. Denn schon vor Saisonbeginn hatte sein Teamchef Fred Vasseur prognostiziert: Ferrari will die letzten Updates für den aktuellen SF-25 eigentlich im Juni planen.

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Über Juni hinaus noch groß Ressourcen auf 2025 statt auf 2026 zu setzen sei unverhältnismäßig, hatte Vasseur damals im Winter durchblicken lassen. Damals hatte er aber auch noch ergänzt, dass der Saisonstart und das erste Update für die Entscheidung Schlüsselrollen einnehmen würden. Jetzt, Ende Mai, ist der SF-25 auch nach dem ersten großen Update-Paket von vor vier Rennen in Bahrain eine Enttäuschung.

Ferrari klammert sich an SF-25 fest: Probleme 2025 noch lösbar?

Doch jetzt abdrehen? Schwierig. "Ich meine, langsam geht es auf die Saisonmitte zu, aber wir können es uns nicht leisten, jetzt aufzugeben", sagt Leclerc nun am Donnerstag in Monaco. Das Problem: Einerseits ist der SF-25 teilweise ein Desaster, wenn es darum geht, ihn für das Qualifying fitzumachen. Aber im Renn-Trimm ist er gar nicht mal so weit von den Platzhirschen McLaren und Red Bull weg.

Ferrari-Fahrer Charles Leclerc mit Maskottchen im Paddock
Charles Leclerc braucht in Monaco dringend Aufmunterung, Foto: IMAGO / PsnewZ

Die Verlockung ist groß, zu sagen, dass es nur ein paar kleine Verbesserungen braucht, ein bisschen mehr Verständnis eines im Winter doch recht umfangreich erneuerten Autos. Vielleicht geht es nicht einmal um Teile, sondern einfach nur um das Finden eines besseren Basis-Setups, mit dem Leclerc und Lewis Hamilton im Qualifying schneller sind. Wenn sie erst einmal von weiter vorne starten - wer weiß?

"Ich glaube, Barcelona wird ein weiterer Schlüsselmoment sein", schielt Leclerc jetzt auf die Woche nach Monaco. Beim Spanien-GP werden die Biegsamkeits-Tests der Frontflügel verschärft. Für Ferrari sei das kein großes Problem, meint Leclerc: "Mal schauen, vielleicht erwischt es ein anderes Team schlimmer, und wir können die Lücke etwas verkürzen." Vor allem McLaren werden seit Monaten besonders biegsame Frontflügel nachgesagt.

Was tun, wenn Barcelona für Ferrari nicht reicht?

"Dann werden wir eine Entscheidung treffen müssen, genauer gesagt wird Fred eine Entscheidung treffen müssen, ob das der Moment ist, um auf die nächste Saison umzuschwenken", schätzt Leclerc. Nur auf Barcelona zu hoffen, ist aber trügerisch: "Ich bezweifle, dass sich das Kräfteverhältnis massiv ändern wird."

Also muss Ferrari zugleich selbst auch dringend im Qualifying-Trimm nachlegen. Leclercs Aussagen hierzu versprühen in Monaco keinen Optimismus: "Was stimmt mit dem Auto nicht? Ich wünschte, ich wüsste es." Auch seine Update-Prognosen sind vage: "Es gibt ein paar Dinge, aber ich kann keinen Zeitrahmen geben, denn der ändert sich ständig, weil das Team hart daran arbeitet, sie so früh wie möglich zu bringen."

Alle diese Faktoren werden Fred Vasseur und seine leitenden Techniker in den nächsten Wochen also sehr sorgfältig abwiegen müssen. Fakt ist: Ferrari fehlen 165 Punkte in der Konstrukteurs-WM. Leclerc liegt 85 Zähler in der Fahrer-WM hinter Oscar Piastri zurück. Der McLaren-Pilot könnte drei Rennen zuschauen und wäre beim Österreich-GP noch immer mindestens zehn Zähler vor beiden Ferrari-Fahrern. Irgendwann hat es keinen Sinn mehr, weiter in das Jahr 2025 zu investieren.