Die Formel 1 steuert auf eine Zwickmühle zu. Seit Jahren ist der Gang zu nachhaltigeren Power Units mit mehr Elektroanteil eines der Hauptanliegen der Königsklasse, für 2026 der Umstieg auf 50 Prozent Elektro beschlossene Sache. Doch der Gegenwind gegen diese Motor-Revolution lässt nicht nach. Inzwischen hat sogar die Idee Auftrieb gewonnen auf eine radikale Alternative umzuschwingen: Zurück zu V10-Motoren. Ohne Elektroanteile, dafür mit E-Fuels.

Am Freitag findet in Bahrain ein richtungsweisendes Meeting statt, bei dem die Regelhüter der FIA, die Formel-1-Teams und Vertreter der Königsklasse über diesen Vorstoß diskutieren. Ein Last-Minute-Umstieg erscheint aber unwahrscheinlich – unter anderem aufgrund von Neueinstiger Audi, die sich klar gegen V10 aussprechen und ihren Einstieg von einer Elektrifizierung abhängig gemacht haben. Unter den Fahrern hat die V10-Idee sehr viele Unterstützer gefunden. Carlos Sainz ist einer davon.

Carlos Sainz kritisiert Formel-1-Zukunft: Gefällt nicht, was ich von 2026 sehe

Der Williams-Pilot betont aber, dass das weniger aus nostalgischen Gründen der Fall ist, sondern in erster Linie aufgrund einer großen Skepsis des neuem Motor-Reglements gegenüber. "Ich würde das Comeback eines V10-Motors nicht lautstark unterstützen, wenn mir gefallen würde, was ich von 2026 sehe. Aber mir gefällt das, was ich von 2026 sehe, nicht wirklich."

Damit steht Sainz nicht alleine da. Seit Jahren warnen F1-Fahrer und -Teamchefs vor dem neuen Reglement. Dieses umfasst neben dem Wandel zu 50 Prozent Elektro-Power auch im Rahmen eines Chassis-Reglements, das voll auf die Motorseite zugeschneidert wurde, aktive Aerodynamik. Das ruft in der Formel 1 viele Zweifler hervor.

"Es wäre nicht fair, diesem Reglement keine Chance zu geben, wenn alle glauben würden, dass es so gut ist, aber alle scheinen zu glauben, dass es nicht mehr so gut ist. Deshalb reden alle über V10", sagte Sainz. Red Bull war das erste Team, das schon bald nachdem die neuen Regeln unter Dach und Fach gebracht wurden, dagegen ins Feld zog. 2024 warnte unter anderem Max Verstappen nach ersten Simulator-Tests davor, dass man möglicherweise auf Geraden lupfen müsse, damit einem nicht die Energie ausgeht.

Wie gut stehen die V10-Chancen? Meeting am Freitag

"Ich würde sagen, in Bezug auf das, was das Auto tun wird und was der Motor tun wird, die Art und Weise, wie alles funktioniert, da hätte ich früher oder später lieber einen V10-Motor mit E-Fuels", ist Sainz überzeugt. Doch inzwischen drängt die Zeit: Am Freitag müssen deshalb Nägel mit Köpfen gemacht werden. FIA-Monoposto-Chef Nikolas Tombazis hatte schon durchklingen lassen, dass man nur bei Einstimmigkeit bereit wäre, vom aktuellen Plan abzuweichen. Dieser sieht vor, dass die nächste Motor-Generation bis 2030 läuft.

Ohne Audi lässt sich also kaum etwas machen, zumal die F1-Neueinsteiger mit Sauber nicht ein einzigen wären, die potenziell ohne eine Power Unit dastehen würden. Auch für Aston Martin würden sich durch den geplanten Einstieg bei Honda als Werksteam zahlreiche Probleme ergeben, für das Projekt von Red-Bull-Ford ebenso.

Oscar Piastri will dem neuen Reglement eine Chance geben

McLaren-Pilot Oscar Piastri warnt vor dem Bahrain-GP der Formel 1 davor, die V10-Idee durch eine nostalgische Brille zu sehen und die 2026er-Regeln schlechtzureden: "Wir dürfen das nicht herunterspielen, was wir für die kommenden Jahre haben. Ich werde mit allem fahren, was ich bekomme."

Charles Leclerc stellt sich hingegen klar auf die Seite seines ehemaligen Teamkollegen Sainz und stimmte ihm in dessen Feststellung zu, dass zahlreiche Fahrer diese Ansicht teilen: "V10 wäre großartig und was wir für nächstes Jahr sehen, ist nicht etwas, das besonders aufregend für mich ist und ich muss sagen, die meisten von uns teilen dieselbe Meinung."

Charles Leclerc: V10 wäre eine viel bessere Lösung

"Einige tun nur vielleicht aus verschiedenen Gründen dies etwas lautstärker kund, aber ich denke alle stimmen zu, dass V10 eine viel bessere Lösung ist", führte der Ferrari-Fahrer weiter aus. "Was uns im Moment bevorsteht, ist nicht sehr großartig, sowohl im Sinne des Racings als auch für alles andere. Das Thema Sicherheit ist ziemlich knifflig", warf er ein.

Die Sicherheits-Fragezeichen, welche Leclerc thematisiert, beziehen sich vor allem auf die aktive Aerodynamik. Dabei geht es etwa um den sogenannten x-Mode, der niedrigsten Downforce-Variante, der sich ähnlich dem DRS vor einer Kurven wieder deaktivieren müsste, um Abtrieb zu generieren. Falls es dabei zu technischen Problemen käme, drohen schwerwiegende Unfälle.

Stoppt die F1 die 2026er Regeln? V10-Comeback im Gespräch! (20:04 Min.)