Nach dem ersten Sieg von Lando Norris vor Heimpublikum herrschte am Abend bei der Formel 1 in Silverstone Partystimmung. Am Rande des Teamfotos ließ sich Norris noch einmal an der Boxenmauer von den britischen Fans bejubeln - doch als er bis zum Fangzaun vorging, endete sein Tag beinahe richtig schmerzvoll. Zum Glück nur beinahe.

Norris war noch einmal nach vor zur Boxenmauer gegangen. Draußen auf der Zielgeraden jubelten ihm nämlich immer noch hunderte Fans zu. Das Unheil nahm seinen Lauf, als vor ihm mehrere Fotografen auf den Fangzaun kletterten, der nach dem Rennen mit leichtem grauem Stoff abgedeckt worden war. Nur war die Befestigung alles andere als fest. Sie riss, und die ganze Gruppe stürzte nach hinten. Wo unten Norris stand.

Die Szene hätte schlimmer ausgehen können, doch der fallende Fotograf schob Norris lediglich zurück in die Menge, wobei er wohl eine Kamera mitten ins Gesicht kam. Sofort wurde er, sich das Gesicht haltend, von Personal wegeskortiert. Wenig später tauchte er aber wieder - bloß mit kleinem Cut auf der Nase - auf der Fan-Bühne auf.

Lando Norris hält sich nach einem Unfall beim Feiern in der Boxengasse das Gesicht
Lando Norris direkt nach dem kleinen Unfall, Foto: IMAGO / Action Plus

Dort konnte Norris schon wieder Scherze machen: "Jetzt habe ich zwei Narben auf meiner Nase! Die eine war einsam, also habe ich jetzt zwei. Alles Teil der Erinnerungen an Silverstone." Die erste zog er sich vor gut einem Jahr mit einer Glasscherbe beim Feiern im Rahmen des Koningsdags in den Niederlanden zu. Wenige Tage später bejubelte er damals mit Pflaster auf der Nase in Miami seinen ersten F1-Sieg.

Silverstone-Sieg größter Moment in der F1-Karriere von Lando Norris

Miami, und auch der Monaco-Sieg dieses Jahr, werden für Norris aber von diesem Silverstone-Triumpf klar in den Schatten gestellt: "Das ist für mich der beste Sieg. Vielleicht nicht die beste Art und Weise, ihn zu holen. Ich werde nicht sagen, dass es mein fahrerisch bester Sieg ist. Das stimmt nicht." Lange hatte im Rennen Teamkollege Oscar Piastri geführt, bis eine kontroverse Strafe Norris beim letzten Boxenstopp kampflos in Führung brachte.

Norris hatte sich lange zurückgehalten, auch im Regen zu Rennbeginn, während Piastri vorne mit Max Verstappen kämpfte: "Ich wollte auf meine Reifen aufpassen, für den später kommenden Regen, aber das war wohl falsch, ich hätte einfach pushen sollen. Wir haben dann ja noch einmal auf Inters gewechselt." Immerhin: Als es am Schluss trocken war, und Norris führte, stellte er mit einer Serie von richtig schnellen Runden sicher, dass Piastri nicht noch einmal aufschließen konnte.

Emotionen, aber keine Tränen von Lando Norris

Nach dem Rennen wird Norris schließlich emotional. Hier begann als Kind sein F1-Traum. "Ich denke, es war dieses extrem nasse Rennen hier, 2008. Da begann ich wirklich, Formel 1 zu schauen. Ich glaube, Lewis [Hamilton] hat gewonnen, und ich habe dieses Bild von ihm, wie er fährt und alle Fans aufstehen, diese Silverstone-Atmosphäre, und davon habe ich jahrelang geträumt. Und heute habe ich dieses Gefühl selbst erlebt."

Das McLaren-Teamfoto in der Boxengasse von Silverstone
Jetzt ist Lando Norris der Mittelpunkt von Silverstone, Foto: IMAGO / PsnewZ

"Auf den letzten paar Runden habe ich nur in das Publikum geblickt, wollte es alles mitnehmen und den Moment genießen, denn er könnte nie wieder kommen", so Norris. Schon am Donnerstag hatte er festgehalten, dass er einen einzigen Sieg in Silverstone gegen alle anderen Siege seiner Karriere eintauschen würde. "Das sind Erinnerungen, die werde ich auf immer und ewig mitnehmen."

Das Ganze lief allerdings recht trocken ab, ohne Tränen: "Ich habe es versucht, aber nein! Wenn ich emotional werde, dann weine ich nicht, ich lächle bloß. Es ist reine Freude. Ein reiner Genuss des Moments, in dem du dich befindest. Ich wünschte, ich könnte weinen, das schaut manchmal auf den Fotos besser aus!"

Der Silverstone-Sieg hat aber auch eine viel nüchterne Konsequenz: Norris hat den Punkte-Rückstand zu Piastri auf 8 Zähler verkürzt. "Schau, du kannst es immer Momentum oder was auch immer nennen, aber ich weiß nicht", wiegelt Norris nach drei Siegen in vier Rennen ab. "Es ist das, an das du letztendlich glauben willst. Ich glaube, es heißt immer noch: Ein Rennen nach dem anderen nehmen."