Oliver Bearman eilte in den vergangenen Wochen von einem Erfolgserlebnis zum nächsten. In Brasilien führte er das Mittelfeld an, zwei Wochen zuvor in Mexiko verpasste er das Podium nach einer sensationellen Fahrt nur knapp. Insgesamt landete der Brite nun schon bei vier Formel-1-Rennen in Serie in den Punkten - das gelang im Haas noch niemandem vor ihm.
Doch die Medaille hat eine Kehrseite und diese heißt Esteban Ocon. Der Franzose steckt in einer handfesten Krise. Seit der Sommerpause sammelte er gerade einmal drei Punkte, im Gegensatz zu 32 Stück auf der Garagenseite von Bearman. Damit hat sich das Bild in diesem Jahr beim US-Team radikal gedreht, denn lange Zeit war es Ocon, der die Big Points für das Team von Gene Haas sammelte, während Bearman vor der Sommerpause zwar vereinzelt sein Talent aufblitzen ließ, dieses aber nur selten in Punkte umwandeln konnte.
Formel 1 Tabelle: F1 WM Stand 2025
Der heimliche Mittelfeld-Verlierer: Was ist bei Esteban Ocon los?
Doch bei Ocon liegt es nicht nur an mangelnder Umsetzung, sondern die Probleme sind tiefgreifender. Denn seit der Sommerpause wurde nicht nur sein Punktekonto ziemlich schwach befüllt, seitdem findet er auch im Qualifying keine Antwort auf die Pace des Ferrari-Juniors. Seit dem Italien-GP im September unterlag er Bearman in sämtlichen Qualifikationen und Sprint-Qualifyings – immerhin neun an der Zahl.
Und das nicht zu knapp: 0,54 Prozent betrug sein durchschnittlicher Rückstand im letzten gemeinsam absolvierten Segment – umgerechnet etwa 0,45 Sekunden. Eine Welt in der Formel 1 2025. Vor allem im Mittelfeld, wo regelmäßig wenige Zehntel zwischen einem Q1-Ausfall und einem Q3-Einzug entscheiden. Entsprechend qualifizierte sich Ocon in diesem Zeitraum durchschnittlich über fünf Positionen schlechter als sein Teamkollege. Auf eine Q3-Teilnahme wartet er schon seit dem Monaco-GP im Mai.
| Ocon | Bearman | |
|---|---|---|
| Ø Rennergebnis | 12,5 | 10,7 |
| bis Miami | 11,7 | 11,0 |
| Imola bis Sommerpause | 12,3 | 12,9 |
| nach Sommerpause | 13,3 | 8,3 |
| Ø Qualifying-Ergebnis | 15,1 | 14,0 |
| bis Miami | 15,0 | 16,8 |
| Imola bis Sommerpause | 13,8 | 13,1 |
| nach Sommerpause | 16,8 | 12,3 |
Haas 2025: Esteban Ocon war nur zu Beginn schneller
Im Vergleich über die gesamte Saison tritt ein klarer Trend zutage. Zu Beginn bewegten sich die Haas-Piloten noch auf Augenhöhe, wobei der Vorsprung von Ocon bei den ersten Übersee-Rennen der Formel-1-Saison von einem komplett verpatzten Sprint-Qualifying bei Bearman in Miami geschönt wird. Ansonsten wäre es statistisch beinahe ein Gleichstand (Ocon im Schnitt 0,01 Prozent schneller).
| Ø Qualifying-Rückstand | % | Zeit |
| bis Miami | - 0,29 | - 0,26 |
| Imola bis Sommerpause | 0,08 | 0,047 |
| nach Sommerpause | 0,47 | 0,386 |
Schon mit dem Beginn der Europa-Saison schlug das Pendel allerdings zugunsten des Neulings um. Ab Imola war er mit wenigen Ausnahmen (Belgien, Niederlande) der schnellere Haas-Pilot auf eine Runde. Die Qualifying-Niederlagen in Imola und Monaco hatten andere Gründe, in beiden Fällen war Bearman eigentlich schneller.
Haas-Teamchef nennt Schwachstelle von Esteban Ocon im 2025er-Haas
Die Ursachenforschung für diesen Umschwung ist schwer zu belegen. Denn es gäbe mehrere schlüssige Erklärungen und eine konkrete Einschätzung dazu hat auch Ocon in den letzten Monaten nicht geliefert. Einerseits natürlich der zu erwartende Lerneffekt bei Bearman, der auch mit der Vorerfahrung von mehreren Rennen 2024 immer noch ein Rookie ist und als solcher auch schnelle Fortschritte machte.
Andererseits korreliert der erste Leistungs-Rückgang von Ocon auch genau mit dem großen Haas-Update in Imola. Dort wurde vor allem am in der Ground-Effect-Ära notorisch einflussreichen Unterboden Hand angelegt. Weitere Upgrades kamen in Silverstone und zuletzt beim USA-GP in Austin. Letzteres zeigte seine positiven Effekte bislang nur bei Bearman, Ocon hingegen beklagte sich mehrmals über Balance-Probleme, so auch beim letzten Formel-1-GP in Brasilien.
Das Update betonte vielmehr ein grundlegendes Problem, das Ocon mit dem VF-25 schon seit Saisonanfang mitschleppt - unabhängig von der Ausbaustufe. "Wenn man sich an Jeddah erinnert, dort waren es auch schon die Highspeed-Richtungsänderungen", benannte Teamchef Ayao Komatsu beim USA-GP an die Problemzonen des ehemaligen Alpine-Fahrers. "In Austin ist es außerdem noch verdammt uneben. Diese Kombination findet er schwierig", so Komatsu weiter.



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