Le-Mans-Prototypen, Rallye- und Dakar-Autos, dazu ein Audi 90 quattro aus vergangenen IMSA-Zeiten: Audi fuhr am Rande seiner großen Formel-1-Präsentation in München so ziemlich alles auf, was das hauseigene Museum noch herzugeben hat. Rollende Relikte, die an große Erfolge der Marke mit den vier Ringen rund um den Globus erinnern - und die so schnell keinen Nachfolger finden werden.

Der Audi-Vorstand um den längst entlassenen CEO Markus Duesmann hatte Mitte 2023 die Anordnung erteilt, dem angestrebten Formel-1-Einstieg alles unterzuordnen: Schluss mit weiteren Werkssport-Engagements und Feierabend für den werksunterstützten Kundensport. Die Kritik aus der Motorsportwelt abseits der F1 hallt bis heute nach.

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Wie sieht es mit Motorsport neben Formel 1 aus, Herr Döllner?

Duesmann und der frühere Technikvorstand Oliver Hoffmann sind inzwischen Geschichte, stattdessen sitzt seit September 2023 Gernot Döllner als starker Mann am Ruder und überblickt auch das milliardenschwere Formel-1-Engagement der Ingolstädter. Das 'Königsklassen-Projekt' hielt einer zwischenzeitlichen Neubewertung stand - wie sieht es mit weiteren Motorsport-Aktivitäten bei Audi in Zukunft aus, Herr Döllner?

"Zunächst einmal haben wir die klare Entscheidung getroffen, uns mit unseren Motorsportprogrammen vollständig auf die Formel 1 zu konzentrieren", sagte Döllner bei einer Interviewrunde während der F1-Vorstellung. "Das war die richtige Entscheidung, um das Ganze beherrschbar zu machen. Und vielleicht müssen wir in der Zukunft noch einmal darüber nachdenken, was wir im Kundensportbereich machen. Im Moment führen wir darüber aber nicht einmal eine Diskussion. Wir fühlen uns in der aktuellen Situation sehr stabil."

DTM: Audi-Team hatte Hoffnung auf Werksunterstützung

Bedeutet für Kundenteams konkret: Eine technische Unterstützung seitens Audi Sport in Neuburg für Modelle wie den Audi R8 LMS GT3 wird es weiterhin geben, mit finanziellem Support ist aber nicht zu rechnen. Vorstandschef Döllner hinterließ auch nicht unbedingt den Eindruck, dass in der kommenden Zeit neue Werkssport-Engagements wie zuletzt bei der Rallye Dakar oder den halbfertigen Le-Mans-Plänen zur Debatte stehen.

Die ausbleibende Werksunterstützung ist seit mehr als einem Jahr bekannt, aber trotzdem gab es Hoffnungen bzw. Aussichten beim einen oder anderen Kundenteam. So sagte Land-Motorsportchef Wolfgang Land im August dieses Jahres zu Motorsport-Magazin.com: "Es gibt keine finanzielle Unterstützung mehr von Audi, nur ein wenig technischen Support. Wir haben zwar gedacht, dass Audi uns ein bisschen mehr unterstützen würde. Das wurde uns auch in Aussicht gestellt, ist dann aber relativiert worden. Im Moment muss ich sagen: Was die Unterstützung von Audi angeht, bin ich enttäuscht."

Das Team Land-Motorsport, das 2025 trotz des kurzfristigen DTM-Einstieges für reichlich Furore sorgte und durch Ricardo Feller sogar einen Sieg erzielte - den voraussichtlich letzten für Audi in absehbarer Zukunft - hat sich inzwischen von den Ingolstädtern verabschiedet. "So wie jedes Kapitel einmal endet, schließt sich nun auch dieses. Land-Motorsport bedankt sich bei Audi für die großartige gemeinsame Zeit und die erfolgreiche Zusammenarbeit", teilte das Team nach mehr als zehn Jahren Zusammenarbeit mit.

Audi entwickelt Drehmomentsensoren für Macau

Dass die Audi-Kundenteams dennoch nicht komplett auf sich allein gestellt sind, bewies der FIA GT-Weltcup am vergangenen Wochenende in Macau. Für den Straßen-Klassiker hatte Audi Sport extra drei GT3-R8 mit Drehmomentsensoren ausgestattet, die in diesem Jahr erstmals vorgeschrieben waren - und das ohne jegliche Vorkenntnisse aus der WEC oder IMSA. Mercedes-AMG verzichtete wegen der komplexen und nicht zuletzt teuren Messwellen-Technik hingegen komplett auf Macau.

Wie konkurrenzfähig der Audi R8 LMS GT3 weiterhin auch im hochklassigen Motorsport mithalten kann, bewies unter anderem Joel Eriksson. Der Schwede belegte im Qualifying-Rennen sowie im anschließenden Weltcup-Hauptrennen den starken vierten Platz (P5 wegen einer nachträglichen Strafe).

Audi Sport hatte im Vorfeld von Macau nur ein Rennen der GT World Challenge in Peking genutzt, um sich mit den Drehmomentsensoren vertraut zu machen. "Ehrlich gesagt mussten wir sie von Grund auf neu entwickeln", wurde Alexander Blackie, Audi-Kundensportleiter für den asiatischen Markt, von Sportscar365 zitiert. "Hut ab vor allen in Neuburg, die diese Aufgabe angenommen und durchgezogen haben, um in wenigen Monaten aus dem Stand ein technisch sehr anspruchsvolles Instrument zu entwickeln."

Unser Formel-1-Ressorleiter Christian Menath war bei der großen Audi-Präsentation in München vor Ort. Seine Eindrücke findet ihr in diesem Video:

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