Ganz an der Spitze hat sich die Formel 1 über die letzten Wochen hinweg zusammengeschoben. Aber dahinter sieht es inzwischen ganz anders aus. Enges Mittelfeld? Spannende "Formel 1.5"? Mitnichten. Immer weiter scheinen die Racing Bulls gerade ihrer direkten Konkurrenz zu enteilen. Motorsport-Magazin.com sieht sich die Details dahinter genauer an.
In der WM-Tabelle sind die Racing Bulls zwar noch hinter Alpine - aber nach Silverstone trennt sie nur mehr ein Punkt vom fünften Rang. Und die letzten Ergebnisse sprechen eine sehr deutliche Sprache. Ignoriert man die vier großen Teams und fokussiert sich nur auf das Mittelfeld, wird erst richtig deutlich, wie stark die Racing Bulls gerade sind.
In Spielberg und in Silverstone beendeten sie zuletzt beide Rennen mit Quasi-Doppelsiegen relativ zum Rest des Mittelfeldes. Nachdem Liam Lawson und Arvid Lindblad auch im Qualifying schon die einzigen aus dieser Gruppe in Q3 waren, fuhren sie im Rennen stets dem Rest davon. 11 Sekunden in Österreich, und in Großbritannien waren es bereits über 7 Sekunden, als das späte Safety Car kam.
Diese zwei dominanten Vorstellungen sind die Kulmination einer seit Saisonstart stetigen Formkurve. Nur in Miami punktete das Team nicht. In Kanada, Monaco und Barcelona unterlag man schon nur einem Alpine im Rennen und belegte die Mittelfeld-Plätze zwei und drei.
Die technischen Hintergründe zur Racing-Bulls-Hochform
Nach den Testfahrten und dem allgemeinen Saison-Vorlauf kommt diese Hochform eigentlich schon überraschend. Die Tests selbst waren mittelmäßig gewesen, und das Team selbst hatte auch recht geringe Erwartungen an die ersten Rennen gehabt. Im Vorjahr hatte man erst spät im Herbst die Ressourcen komplett vom alten Auto auf das neue umgeschichtet. "Da sind wir etwas hintendran", meinte Teamchef Alan Permane nach den ersten drei Rennen in der Aprilpause.
Diesen Rückstand holten die Racing Bulls aber mit einem hervorragenden Entwicklungsprogramm auf. Das begann eigentlich schon in Australien. Für den Saisonauftakt hatte man schon die generalüberholte erste Ausbaustufe des Unterbodens parat, was relativ zur unauffälligen Testform sofort einen Performance-Sprung produzierte, und Punkte in allen drei Rennen vor der Aprilpause.
Beim Entwicklungsprogramm half eine sehr gute Basis. "Wir kamen mit einem guten Verständnis vom Sweetspot des Setups nach Melbourne, und mit den zusätzlichen aerodynamischen Upgrades haben Pace und Balance einen weiteren Schritt vorwärts gemacht", berichtete Cheftechniker Tim Goss am ersten Wochenende. Darauf konnte man aufbauen.
Racing Bulls mit perfekter Update-Trefferquote 2026
In Kanada kam die zweite große Ausbaustufe mit einer neuen Geometrie des Unterbodens. Diese wurde über die folgenden Rennen in mehreren Schritten verfeinert. Ein neuer Diffusor kam in Barcelona dazu, dieser Diffusor erhielt neue Detailanpassungen in Österreich, und dann noch eine Überarbeitung der Geometrie in Silverstone.
Das sind Anzeichen für einen typischen Entwicklungsschub mit einem guten Design. Man entwickelt ein neues Basiskonzept in Windkanal und CFD, und wenn das erste funktioniert, kann man immer mehr neue Dinge auf der Basis evaluieren und kommt in einen richtigen Entwicklungsrhythmus, wo man manchmal sogar mit jedem Simulationsdurchlauf eine Verbesserungsmöglichkeit findet.
Das resultiert dann wie bei den Racing Bulls meist in einer Serie von Änderungen unterschiedlicher Größe. Damit heben sie sich aktuell auch etwas von ihrer Konkurrenz ab. Zumindest Alpine haderte im Saisonverlauf schon öfters mit Setups und brauchte meist länger, um neue Teile auszusortieren.
Das bremst den Entwicklungsprozess und verlangt im schlimmsten Fall danach, Zeit und Ressourcen zum erneuten Evaluieren bereits fertiger Teile aufzuwenden, während die Racing Bulls diese Ressourcen bereits in die nächste Detailverbesserung steckten. So kamen seit Miami an jedem Rennwochenende neue Racing-Bulls-Teile. Alpine jedoch stockte, brachte sowohl in Barcelona wie auch in Silverstone gar nichts.
Motor und Fahrer klicken bei den Racing Bulls 2026
Sicherlich nicht zu vernachlässigen ist die starke erste Power Unit von Red Bull Ford Powertrains, die dem Mercedes-Motor im Alpine-Heck um nicht viel nachsteht. Das hilft vor allem aber gegen die anderen direkten Gegner Haas-Ferrari und Audi, die mit schwächeren Power Units zu kämpfen haben.
Und dann präsentieren sich bislang Liam Lawson und Rookie Arvid Lindblad in sehr guter Form. Lawson schrieb erst zwei Nuller, und in Australien war es ein wohl nicht nur an ihm hängender schlechter Start, und in Miami ein Unfall wegen eines Getriebedefektes. In allen anderen Rennen war er nie schlechter als Neunter.
Lindblad hat seinerseits seit dem Beginn der letzten Update-Serie ab Kanada aus jedem Wochenende Punkte mitgenommen. Pace-technisch war dabei Monaco sein schwierigstes Wochenende, dort hatte er dafür Rennglück. Auf normalen Rennstrecken war er Lawson meist ebenbürtig, auch wenn Lawson im Qualifying-Duell momentan noch 6 zu 3 vorn liegt. So eng waren die beiden zuletzt beieinander, dass sie sich in Österreich sogar ein kleines Teamorder-Drama leisten konnten.



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