Das Regenchaos blieb der Formel 1 in Miami fern, nicht aber die Turbulenzen. Schon auf der fünften Runde des Rennens kam es hier zu einem Schockmoment, als Pierre Gasly sich durch einen Kontakt mit Liam Lawson in der Haarnadel überschlug. Eine scheinbar einfache Schuldfrage verkompliziert sich durch eine verrückte Lawson-Ausrede nach dem Rennen.
Für Gasly ging die Situation zum Glück glimpflich aus. Es passierte kurz vor dem Scheitelpunkt von Kurve 17. Er hatte sich außen in der Bremszone an Lawson vorbeigebremst, doch der Racing Bull verzögerte nicht und rauschte dem Alpine mit stehenden Reifen in die Seite. Es folgte ein klassischer Formelsport-Unfall: Rad-an-Rad-Kontakt hebelte Gasly aus und stellte ihn auf den Kopf.
"Ich muss sagen, dass ich ziemliche Angst hatte, weil ich ohne Kontrolle in der Luft war und mit dem Heck voran in die Bande geflogen bin, also wusste ich nicht, wo ich landen würde, und das war nicht angenehm", beschreibt es Gasly. Zum Glück landete das Auto richtigrum, halb auf der TecPro-Absperrung. Gasly konnte aussteigen.
Die Schuldfrage scheint auf den ersten Blick klar. Gasly war außen schon vor Lawson, und ließ ihm weit mehr als eine Fahrzeugbreite auf der Innenbahn Platz. "Hat sich für mich eigentlich angefühlt, als ob er seine Position nicht aufgeben wollte, und sich dabei leider auf der Bremse verschätzt hat."
Liam Lawson hat gute - und verbriefte - Ausrede parat
Was aber war hier wirklich passiert? Als Lawson kurz darauf vor die Presse tritt, hat er kein Schuldeingeständnis im Gepäck, im Gegenteil: "Ich bin in die Kurve rein, und als ich bremste, habe ich das Getriebe verloren. Ich bin in den Leerlauf, hatte quasi gar keine Gänge, und konnte nicht mehr verzögern."
Ein Blick auf die Wiederholung bestätigt alles an Lawsons Geschichte. Als er vor Kurve 17 auf die Bremse trat und begann runterzuschalten, brach der fünfte Gang. Das Getriebe ging prompt in den Anti-Stall-Modus. Ohne die zusätzliche Motorbremswirkung konnte Lawson jetzt aber unmöglich den Unfall verhindern. Das Auto blieb auch danach mehrere Sekunden im Anti-Stall-Modus.
"Es war ein ziemlich großes Problem für uns, dann mussten wir auch aufgeben", erklärt Lawson auch, dass sein folgender Ausfall eigentlich nichts mit dem Kontakt zu tun hatte. "Schade, dass es auch Pierre mitgerissen hat." Nach dem Rennen suchte er Gasly auf, um sich zu entschuldigen. Wie auch Racing-Bulls-Teamchef Alan Permane: "Wir entschuldigen uns bei Pierre und Alpine."
Beide Fahrer trauern danach möglichen Punkten in Miami hinterher. Lawson weniger: Er hatte sich mit einem guten Start nach vorne katapultiert und war zum Unfallzeitpunkt Zehnter, aber schien nicht in der Lage, die Autos um ihn herum, wie eben Gasly, hinter sich zu halten. Gasly war nach einem eigentlich guten Start hinter dem Dreher von Max Verstappen aufgehalten worden und hatte viel Boden verloren.
Deswegen war er überhaupt erst in diese Situation geraten. "Ich war nicht allzu besorgt, denn mit unserer Pace von gestern wusste ich, dass wir in einem langen Rennen wieder durch das Feld kommen würden. Jetzt bin ich vor allem für das Team enttäuscht, weil das eine große verpasste Chance war."
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