Auch wenn sich die Formel 1 aufgrund der Absagen des Bahrain GP und des Saudi-Arabien GP in einer fünfwöchigen Zwangspause befindet, geht es hinter den Kulissen alles andere als ruhig zu. Im Gegenteil! "So selten habe ich sie noch nie kochen gesehen, wie gerade jetzt", verrät Alex Wurz.
Was er damit meint? Die GPDA-WhatsApp-Gruppe, in der sich Wurz als GPDA-Präsident mit den 22 Fahrern austauscht. "Ich habe die Gruppe 2015 oder 2016 ins Leben gerufen, und die geht gerade über vor Emotionen und möglichen Lösungsvorschlägen", so Wurz im "Lift and Roast"-Podcast. Auch Max Verstappen, der einer der lautesten Kritiker des aktuellen Reglements ist, ist Teil dieser Gruppe.
Wurz: Sicherheit muss oberste Priorität haben
"Ich verrate natürlich nicht, was in der Gruppe geschrieben wird. Aber die Quintessenz ist, dass die Fahrer so emotional sind, weil sie das Produkt lieben. Die Politik ist ihnen völlig egal", betonte Wurz. Als Präsident der Fahrergewerkschaft sieht sich der Österreicher auch in der Pflicht, die Fahrer auf Dinge hinzuweisen, die sie vielleicht nicht hören wollen.
"Wir können zwar technische Ideen äußern, aber die Umsetzung müssen wir den Experten überlassen. Es hängen da noch so viele Dinge dran, wie die Hardware, die nicht geändert werden kann, oder die Software, die teilweise vom Reglement vorgegeben ist", so Wurz. Seiner Ansicht nach muss jetzt vor allem eines im Fokus stehen: die Sicherheit.
In Suzuka sorgte Oliver Bearman für eine Schrecksekunde, als er die Kontrolle über seinen Haas verlor und mit hohem Tempo seitlich in die Streckenbegrenzung einschlug. Auslöser für den Crash war eine massive Diskrepanz beim Energie-Management zwischen Bearman und dem direkt vor ihm fahrenden Alpine von Franco Colapinto. Aktuell wird darüber diskutiert mit Hilfe der Warnlichter eine Wiederholung des Szenarios zu verhindern.
Nach dem heftigen 50G-Crash von Oliver Bearman stellt unser Experte Christian Danner das aktuelle Formel-1-Reglement massiv infrage. Mehr im Video:
Laut Wurz ist es eine Erste-Hilfe-Maßnahme, dennoch brauche es eine stärkere Maßnahme. "Es braucht eine Software, die bei allen Teams gleich ist und die das abrupte Aufladen bei Top-Speed aus Sicherheitsgründen untersagt", erklärte Wurz. Am 9. April ist ein Meeting zwischen den Technikchefs der Teams sowie Vertretern der Motorenhersteller mit den Spitzen der FIA und der Formel 1 anberaumt.
Auch wenn es Befürworter des neuen Reglements gibt, denen vor allem die gestiegene Anzahl an Überholmanövern gefällt, gibt es auch zahlreiche Kritiker, die den eigentlichen Kern des Sports schwinden sehen. Zu ihnen gehört auch Verstappen, der zuletzt sogar in den Raum stellte, die Formel 1 zu verlassen. "Ich kann Max verstehen, und ich bin auch auf seiner Seite. Aber wir sind erst am Anfang und müssen uns alle erst daran gewöhnen", so Wurz.
Nach dem Japan-GP werden die Problemzonen der neuen Formel 1 immer klarer. Weltmeister Lando Norris demonstriert, wie wenig die Fahrer in Zweikämpfen selbst kontrollieren.
Wurz ist überzeugt, dass sich ab Saisonmitte alles einpendeln wird. "Es wird besser werden. Die Teams werden sich anpassen und kopieren, was die anderen machen. Somit bewegen wir uns in eine Entwicklungsrichtung, in der sich alle angleichen. Dann wird es weniger künstlich, die Fahrer werden auf einmal richtig gegeneinander kämpfen", glaubt Wurz. Als Beispiel nennt er Charles Leclerc und Lewis Hamilton, die sich in China einen großartigen Kampf um das Podium lieferten.
Wurz: So muss die DNA der F1 aussehen
"Wir haben hier einen Kampf zwischen zwei sehr weit entwickelten energieeffizienten Autos gesehen. Energie hin oder her, aber du musst schon die Eier haben, außen in Kurve 1 vorbeizuzischen. Das ist wieder echter, heroischer Motorsport", so Wurz begeistert. Nichtsdestotrotz fordert er von den Verantwortlichen, sich Gedanken zu machen, was die DNA der Formel 1 sein soll. Für ihn sowie die Mehrheit der Fahrer muss die Formel 1 ein Vollgassport bleiben.
"Die Vision muss ganz klar lauten: kleinere, leichtere Vollgasautos. Ich will nicht behaupten, dass alle Fahrer es gerne sehen würden, wenn wir zu normalen Verbrennungsmotoren zurückkehren, aber die meisten würden sich darüber freuen. Natürlich leben wir heute in einer anderen Welt, aber mit synthetischem oder nachhaltigem Kraftstoff können wir die Forderungen nach Nachhaltigkeit und Umweltfreundlichkeit zu 100 Prozent erfüllen", stellte Wurz klar.



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