Ein schwerer Unfall im Formel-1-Rennen von Japan endete für Oliver Bearman nach anfänglichen Verletzungssorgen eher glimpflich, doch der Widerhall seines 50G-Abflugs in Suzuka ebbt nicht ab. Denn als entscheidende Ursache für den Crash wurde das neue F1-Reglement ausgemacht, das für teils enorme Geschwindigkeitsunterschiede während der Rennen sorgt.
Bearman war mit einem Überschuss von mehr als 50 km/h zu Franco Colapinto aufgelaufen, als dieser gerade seine Batterie lud. Eine leichte Verteidigungsbewegung des Alpine-Piloten reichte bei dieser Differenz, um den Kontrollverlust von Bearman einzuleiten. Die Formel-1-Fahrer waren sich anschließend einig, dass so etwas nicht mehr vorkommen sollte und die Königsklasse bzw. die FIA Maßnahmen ergreifen müssen.
Formel-1-Experte Danner: "Gibt keine schnelle Patentlösung"
Dieser Ansicht stimmt auch Christian Danner zu. Im AvD Motorsport Magazin erklärte der Formel-1-Experte: "Handlungsbedarf besteht auf jeden Fall." Konkrete Änderungsvorschläge nennt er keine, dafür sei das Thema auch zu komplex. "Die paar Rennen, die gefahren wurden, ergeben noch kein so klares Bild, dass es eine schnelle Patentlösung gibt", merkt Danner an.
Die FIA kündigte bereits vor dem Japan-GP an, dass in der April-Pause der Formel 1 Gespräche mit den direkt involvierten Stakeholdern geführt werden, um etwaige Regeländerungen diskutieren zu können. Diese Absicht unterstrich der Weltverband in einem Schreiben am Rennsonntag des Japan-GPs noch einmal. Diese Vorgehensweise, anstatt auf Schnellschüsse auf konstruktive Gespräche zu setzen, bezeichnet Danner als "nachvollziehbar."
Ein 'weiter so' darf es nicht geben, bekräftigt der ehemalige Formel-1-Fahrer: "Es muss etwas gemacht werden, gar keine Frage. Aber in welche Richtung das hingeht, das würde ich mal aus meiner Position offen lassen, und schauen, wie sich die direkten Gespräche mit den Beteiligten weiterentwickeln." Ohne genau sagen zu können, wie dieser aussieht, rechnet Danner mit einem "Kompromiss zwischen Speed und Action." Allerdings ohne, dass Letztere verlorengeht.
Grundsätzlich sind derartige Gespräche ein Thema für die F1-Kommission. In dieser sind alle Teamchefs vertreten, sowie Vertreter der FIA und der Formel 1. Die Frage für die aktuellen Diskussionen ist aber, ob und in welcher Form man auch die Fahrer direkt miteinbezieht.
Fahrergewerkschafts-Vertreter Carlos Sainz forderte im Nachgang des Bearman-Unfalls, dass der Weltverband nicht nur die Teams konsultieren solle, sondern auch die Fahrer selbst. Denn diese hatten schon mehrmals vor der Gefahr der großen Speed-Differenzen gewarnt. Danner unterstützt diesen Vorschlag: "Ich glaube, da sind jetzt einmal die Ingenieure gefragt und die aktuellen Fahrer."
Christian Danner urteilt über Unfallhergang: "Kampflinie völlig überflüssig"
Unschuldig sind die Fahrer am Unfall in Japan allerdings auch nicht, jedenfalls die beiden Involvierten, ist der 36-fache Grand-Prix-Starter überzeugt. Vor allem Franco Colapinto nimmt er in die Kritik: "Da kann der Colapinto sagen, was er will, ja er hat versucht zuzumachen. Er ist weit nach links gekommen, als Bearman sich schon komplett in den Überholvorgang hineinbegeben hat."
Das anschließende Ausweichmanöver führte zum Unfall. Colapinto sei aus diesem Grund kein Unschuldslamm, zumal derartige Verteidigungsmanöver in der neuen Formel-1-Generation laut Danner in dieser Konstellation keinen Sinn mehr machen: "Die Tatsache, dass man mit 30 bis 50 km/h Überschuss als Hinterherfahrender ankommt, macht diese Kampflinie von früher eigentlich völlig überflüssig", sagt Danner. "Das Einzige, das ich damit mache, ich verursache einen großen Unfall", kritisierte er Colapinto.
"Ein bisschen was bleibt da schon am Colapinto hängen. Es ist auch von Bearmans Seite nicht optimal gelaufen, aber sowas ist problematisch", lautet Danners abschließendes Urteil. Die Formel-1-Stewards sahen keinen der Fahrer als überwiegend verantwortlich für den Abflug an und untersuchten diesen deshalb während des Rennens nicht weiter.



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