In der 21. Runde des Japan-GPs war es so weit, und die Befürchtungen der Formel 1 bezüglich der neuen Regeln 2026 bewahrheiteten sich. Wegen eines durch das neue Hybrid-Management bedingten massiven Tempo-Unterschieds verlor Oliver Bearman im Duell mit Franco Colapinto die Kontrolle und schlug brutal in die Absperrung ein. Schockierende Bilder, erst später gibt es Entwarnung.

Direkt nach dem Unfall war Bearman nämlich zwar erst einmal ausgestiegen, dann aber nur langsam erst hinter die Absperrung gehinkt, später dann zum Medical Car. Während des Rennens wurde er im Medical Center von Suzuka durchgecheckt und geröntgt. Danach aber kam Entwarnung von Haas: Keine Brüche, lediglich ein geprelltes rechtes Knie.

Sehr gute Nachrichten bei einem Unfall, der einer der heftigsten der letzten Jahre ist. Beim Einschlag meldete Haas eine Belastung von bis zu 50 G, also dem 50-fachen des eigenen Körpergewichts. Ein Einschlag, der von der Vehemenz mit Max Verstappens Copse-Abflug 2021 in Silverstone zu vergleichen ist. Als er die Kontrolle verlor, hatte Bearman in der Spitze 308 km/h drauf. Und genau hier beginnt das Problem.

Franco Colapinto lädt, Oliver Bearman boostet: Das Angst-Szenario der neuen Formel 1

Den Unfall ausgelöst hat nämlich eine massive Diskrepanz beim Energie-Management zwischen Bearman und dem direkt vor ihm fahrenden Alpine von Franco Colapinto. Nach ihren ersten Boxenstopps kämpften die beiden da gerade um Platz 17, boxenstoppbereinigt aber potenziell um die letzten Punkte.

Während Bearman nun zwischen der Haarnadel und der langen Spoon-Kurve mehr Elektro-Power einsetzte, um sich an Colapinto heranzuarbeiten, schien der das Gegenteil zu machen. Er lud seine Batterie auf, um sich auf der folgenden Geraden durch die 130R bis zur Schikane zu verteidigen. Während Bearman also 308 km/h schnell wurde, stagnierte Colapintos Alpine im Lade-Modus unter 270 km/h.

Colapinto hatte an der Stelle auch an den vorangegangenen Runden geladen. "Selbst bei normalen Runden hatten wir dort 20 km/h Vorteil", erklärt Haas-Teamchef Ayao Komatsu. Deswegen wollte Bearman das nun für eine Attacke ausnutzen - und drückte dazu auch noch den Boost-Knopf, wodurch noch mehr Energie eingesetzt wird. "So kam es zum 50-km/h-Unterschied.

Auf dieser Runde schien bei Colapinto das Laden obendrauf noch extremer, er musste sogar bei Vollgas vom siebten zurück in den sechsten Gang schalten. Der finale Tempo-Überschuss erwischte Bearman mitten im Rechtsknick vor Spoon kalt, als Colapinto dann auch kurz eine späte Defensive nach links andeutete. Er konnte nur noch aufs Gras, wo er die Kontrolle verlor und mit hohem Tempo seitwärts in den Reifenstapel außen in Spoon rutschte.

Bearman schießt sich auf Colapinto ein: Nicht viel Platz gelassen

Bearman gab am Sonntag nach dem Unfall keine Interviews, lieferte aber zumindest ein knappes Statement. "Es war ein unglückliches Resultat dieses massiven Unterschieds, was wir in der F1 noch nie gesehen haben", meint er, spricht Colapinto aber nicht ganz frei von Schuld: "Ich dachte auch, mir sei nicht viel Platz gelassen worden, basierend auf dem riesigen Tempo-Unterschied, den ich hatte."

"Für mich war alles normal, ich habe nicht gezuckt oder irgendwas", verteidigt Colapinto nach dem Rennen ein kleines Bewegen nach links, kurz bevor Bearman außen ansetzen wollte. Für ihn ist allein die Hybrid-Differenz schuld: "Die ist so groß - als ob du auf einer Outlap wärst und der andere in einer Rennrunde. Wir stehen in der Kurve voll am Gas und er ist gute 50 km/h schneller."

"Wenn es keine Geraden sind, sondern Kurven, und du dabei einlenkst, wird es richtig haarig", beschreibt Colapinto. Weil die Differenz so riesig war, sah er bei einem Blick in den Rückspiegel einen noch zurückliegenden Haas. Beim zweiten war Bearman schon am Gras: "Sogar als er sich drehte, hat er mich überholt! Stellt euch die Differenz vor. An einem Punkt wird das richtig gefährlich."

"Für uns ist es unmöglich zu wissen, wie viel schneller das andere Auto ist", beklagt sich Colapinto. "Wir schauen in den Rückspiegel, und plötzlich ist das Auto schon an dir vorbei. Da bist du etwas verloren." Das Thema war schon vor Wochen am Rande der Testfahrten aufgebracht worden. Besonders McLaren, mit Teamchef Andrea Stella und Lando Norris, hatte lautstark Warnungen ausgesprochen. In Suzuka ist nun genau das passiert, was sie fürchteten.