McLaren war als Weltmeister im ersten Formel-1-Qualifying 2026 mehr als chancenlos. Gegen Mercedes hatten Oscar Piastri und Lando Norris in Melbourne am Samstag genauso wenig zu melden, wie der Rest der F1-Welt. Gleicher Motor, und doch fast eine ganze Sekunde Rückstand. Nach den Startplätzen fünf und sechs für das Rennen in Australien am Sonntag, begann sogleich die Suche nach der fehlenden Performance. McLaren-Teamchef Andrea Stella liefert Antworten und stellt klar, dass es nicht am Material liegt.

"Ich habe gestern wohl ein etwas zu optimistisches Bild von uns abgegeben", räumt Oscar Piastri seine Fehleinschätzung ein. Im FP2 hatte er die Bestzeit gefahren, doch keine 24 Stunden später sah die Welt sehr anders aus. Im Q3 fehlten achteinhalb Zehntelsekunden auf die Pole Position von George Russell. "Ich hatte gedacht, wir wären dabei. Aber nach dem dritten Training hatte ich schon nicht mehr den Eindruck, dabei zu sein."

"Mercedes hat es schon verstanden. Sie haben es schneller als andere verstanden. Sie sind ein gutes Team und es ist natürlich auch ihr eigener Motor, den sie besser als wir verstanden haben", sagt Lando Norris. Der amtierende Weltmeister hatte bisher ein durchwachsenes Wochenende und stellte im letzten Teil des Qualifyings als Sechster doch noch den Anschluss an den Teamkollegen her. "Das Problem ist heute, dass du nicht einfach ins Auto steigen und so wie immer fahren kannst, und es dann klickt."

Mercedes in Melbourne auch in den Kurven schneller

Der Zeitverlust gegenüber Mercedes beschränkte sich aber nicht allein auf die Geraden des 5,278 Kilometer langen Albert Park Circuit. Wie unsere Analyse zeigt, sind Norris und Piastri auf der Start-und-Zielgeraden zunächst noch schneller als Russell, verlieren aber schon in der ersten Kurvenkombination eine knappe Zehntelsekunde. "In ein paar Kurven können wir mit ihnen mithalten, aber sie sind auch da schneller, wo es auf Grip ankommt", erklärt Teamchef Andrea Stella.

Dass das Werksteam auch bei der Leistungsabgabe im Vorteil ist, bleibt dennoch nicht von der Hand zu weisen. Doch für McLaren konnten diese Erkenntnisse erst am Samstag in Melbourne kommen: "Es brauchte erst ein Qualifying, wo alle mit ihren Power Units bei denselben Bedingungen auf der Strecke waren, um eine ausreichende Referenz zu haben, was überhaupt möglich ist."

Das Werksteam war mit seinem Know-how schlichtweg im Vorteil. "In der Hinsicht ist es kein Vorteil, wenn man ein Kundenteam ist", so Stella, der sogleich klarstellt, dass es selbstverständlich keinerlei Benachteiligung durch den Motorenpartner gibt: "Es liegt nicht am Material, sondern am Wissen über das Material, und herauszufinden, wie man es am besten ausnutzen kann."

Neue Formel 1 muss von den Teams erst verstanden werden

Am Trainingsfreitag hatte Mercedes noch selbst davon gesprochen, mit den Daten von den Testfahrten in Bahrain auf dem Albert Park Circuit zunächst nicht sonderlich weit gekommen zu sein. Über Nacht konnten die Teams die Simulatoren in den heimischen Werken mit den Daten aus den Freien Trainings füttern, um das Energiemanagement der Power Units auf den Kurs in Melbourne anzupassen.

Mercedes machte das laut Stella schlichtweg besser als McLaren. "Und das sind teilweise gute Nachrichten, denn es bedeutet, dass viel Rundenzeit vom Fahren her zu holen ist, wenn du die Kontrollsysteme richtig ausnutzt und programmierst", so der 55-Jährige. "Wir sind in einer neuen Ära der Formel 1, in der diese Faktoren entscheidend sind, was den Input des Fahrers angeht, wie er die Energie auf einer Geraden nutzt, um dann auf der nächsten Geraden die maximale Energie zu haben, besonders wenn es eine lange Gerade ist. Diese drei Faktoren sind alle essenziell. Das ist eine neue Sprache und eine neue Art des Denkens."

Anhand der GPS-Daten ließ sich für die Ingenieure bereits ableiten, was Mercedes anders macht. "Das genügt, um für sich selbst alternative Wege zu finden, die Power Unit zu nutzen. Das hat uns Einsicht in andere Möglichkeiten gegeben, die wir in Erwägung ziehen können und die uns schon ein paar Zehntel an Rundenzeit gebracht hätten. Heute wären für uns die Plätze drei und vier möglich gewesen, einfach nur indem wir besser verstehen, wie wir Performance von der Power Unit abrufen können", erklärt er.