Der Besitzer kaum eines Cockpits in der Formel 1 war in den letzten acht Jahren bemitleidenswerter als der zweite Fahrer bei Red Bull. Im Team von Max Verstappen wurde an der Seite des Dominators der beginnenden 2020er-Jahre ein Teamkollege nach dem anderen abgefertigt und dessen jeweilige Karriere zumindest temporär beschädigt. Yuki Tsunoda war es 2025 und nicht wenige befürchteten, dass Isack Hadjar sich in diese illustre Reihe an Verstappen-Opfern einreihen könnte.

Doch der Franzose strafte seine Kritiker Lügen - zumindest bislang am ersten Rennwochenende in Australien. Denn während Verstappen einen etwas merkwürdigen Unfall zu verzeichnen hatte, füllte Hadjar dessen Lücke eindrucksvoll und reihte sich hinter dem überlegenen Mercedes-Duo auf der dritten Startposition ein.

Damit beendet er bereits zum Auftakt des neuen Formel-1-Jahres gleich mehrere Unserien des verfluchten zweiten RBR-Cockpits. Zum einen sorgte Hadjar für die erste Niederlage Verstappens in einem gewöhnlichen Qualifying seit Baku 2024 - das ist immerhin 31 Rennwochenenden her. Erstmals seit dem Belgien-GP 2024 startet der zweite Red-Bull-Pilot aus den Top-3. Da sind wir schon bei 34 Grands Prix.

Nicht schlecht für den Start, auch wenn sich Hadjar in seiner für ihn typischen Art in der Pressekonferenz nicht zu viel Freude anmerken ließ. Er analysierte sachlich: "Es gab keine Dramen für mich. Außerdem ist es das erste Mal, dass ich in meiner kurzen F1-Karriere auf jeder Runde noch etwas mehr Rundenzeit fand - sogar auf gebrauchten Reifen."

Weniger Druck bei Red Bull: Diese Einstellung half Hadjar im Qualifying

"Ich hatte mich einfach dazu aufgebaut. Wir haben einen sehr guten Job gemacht, indem wir konstant mit dem Energie-Deployment auf einer Runde waren", erklärte er weiter. Gestern hatte man sich an diesem Punkt noch deutlich im Hintertreffen befunden und auch die Balance des Red Bulls passte in den ersten beiden Trainings noch nicht.

Hadjar, der schon im Vorjahr im Racing Bull häufig im Qualifying Ausrufezeichen setzen konnte, ließ sich den Aufstieg ins Topteam nicht zu Kopf steigen, sondern fühlte sich durch diesen sogar befreiter und von Druck entlastet: "Meine Herangehensweise war: Es ist das erste Mal in meiner Karriere, dass es einfach ist, ein Auto in die Top-10 zu bringen. Das macht den ganzen Prozess ein bisschen einfacher. Man kann sich vorbereiten, wie man will und darf sogar ein paar Fehler machen."

Das gelang dem Red-Bull-Neuzugang mit Bravour. In Q1 klassifizierte er sich auf P5. In Q2 ebenfalls, diesmal mit einer vier Zehntel schnelleren Runde und im entscheidenden Qualifying-Segment packte er schließlich nochmal drei Zehntel drauf und kam damit in der ultraengen Verfolgergruppe hinter den Mercedes um zwei weitere Plätze nach vorne. Wie eng es dort zugeht, zeigt ein Vergleich am besten: Lewis Hamilton auf P7 war gerade einmal 0,175 Sekunden langsamer als Hadjar.

Zweites Formel-1-Podium: Kann Hadjar die nächste Unserie stoppen?

Nachdem er am Samstag mit seiner Qualifying-Vorstellung Hoffnung auf eine endgültige Lösung der Nummer-2-Frage im Team rund um Max Verstappen geweckt hat, könnte im Rennen gleich die nächste Unserie fallen. Stichwort Podium. Inzwischen ist es bereits 43 Grands Prix her, dass ein Red-Bull-Pilot, dessen Name nicht Verstappen lautet, in einem Rennen unter den ersten drei ins Ziel kam.

Die Aussichten auf P3 sind intakt, auch wenn Hadjar unter normalen Umständen keine Ambitionen auf die beiden Spitzenplätze hegt: "Falls wir nach Kurve 1 unsere Position halten können, werden wir ein gutes Rennen haben. Aber die Pace für den Sieg haben wir einfach nicht." Es wäre die zweite Podestplatzierung von Hadjar in der Formel 1 nach seinem sensationellen dritten Platz in Zandvoort 2025.