"Es war super, hat Spaß gemacht. Es war eigentlich ein Top-Rennen." So fasste Max Verstappen den Saisonauftakt in Melbourne bei Sky zusammen. Wer den Niederländer kennt, hört den puren Sarkasmus in seinen Worten. Die beste Beschreibung für Red Bulls Start in die Formel-1-Saison 2026 ist wohl holprig. Isack Hadjar musste seinen RB22 bereits nach elf Runden mit einem Motorschaden abstellen. Verstappen konnte sich von Platz 20 zwar auf Platz sechs vorarbeiten, scheitertet aber am McLaren. Vor allem beim Start gab es Probleme.

"Der Start war super. Naja, die Abfahrt, ich bin gut weggekommen", stellte Hadjar klar. Der Start an sich war sowohl für ihn als auch Verstappen ein ziemlicher Reinfall. Beide fingen das Rennen mit einer leeren Batterie an. "Es war schrecklich. Auf der Formationsrunde habe ich irgendwie die ganze Energie verloren. Ich hatte keine Power", klagte auch Verstappen. Auch Racing-Bulls-Pilot Liam Lawson erlitt ein ähnliches Schicksal. In der RBPT-Motorenfamilie blieb nur Rookie Arvid Lindblad verschont.

Es war bitter für Hadjar, für den es nach einem bisher beeindruckenden Wochenende auf den ersten Metern so aussah, als würde er die Führung übernehmen. "Ich hätte es leicht schaffen können. Aber dann hatte ich keine Energie mehr. Das war großartig", merkte er nach dem Rennen sarkastisch an. Er fiel in wenigen Kurven von P3 auf P5 zurück.

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Das Energie-Problem war nicht technischer Natur, gab Teamchef Laurent Mekies zu. Der Fehler lag beim Team. "Wir wurden von Limitationen des Batterieladens auf der Formationsrunde überrascht. Wegen der ungewöhnlichen Art, wie die Fahrer dort fahren müssen, konnten wir die Batterie nicht mehr genügend aufladen. Da haben wir keine gute Arbeit geleistet", nahm der Red-Bull-Boss die Schuld auf sich.

Max Verstappens Aufholjagd: "Natürlich, war auch zwei Sekunden schneller"

Für die nächsten paar Runden hieß es Energie sparen. Verstappen machte schnell Positionen gut, aber zwischen Alpine, Cadillac, Williams und Aston Martin war auch kein Auto in seiner Umgebung auf dem Level des RB22, selbst im Sparbetrieb. "Ich habe sie natürlich trotzdem überholt, ich war zwei Sekunden pro Runde schneller", blieb Verstappen realistisch. Hadjar hatte hingegen nicht viel Zeit, um sich wieder unter die Top-3 vorzuarbeiten.

In Runde 11 machte sein Motor auf der Geraden zu Kurve neun ein ungutes Geräusch und begann zu rauchen. Hadjar musste auf dem Grünstreifen neben der Strecke parken. "Der Motor hat sich schrecklich angehört. Ich wusste, ich würde das Rennen nicht beenden. Das ist sehr schade, wir hätten im Mix mit Lewis [Hamilton, Anm. d. Red.] sein können", lamentierte der Red-Bull-Debütant. Es bereits der zweite Australien Grand Prix, der enttäuschend für Hadjar endete. 2025 rutschte er bei den Einführungsrunden auf nasser Strecke in die Wand.

Verstappen arbeitete sich stetig nach vorn, fünfzehn Runden vor Schluss jagte er seinen letztjährigen WM-Rivalen Lando Norris über den Albert Park Circuit. Doch obwohl der McLaren eine ernüchternde Pace zeigte und Verstappen sich immer wieder im Overtake-Mode-Fenster (innerhalbe einer Sekunde) befand, kam er nicht an Norris vorbei. "Wir hatten einen hohen Verschleiß auf dem harten Reifen. Wir haben gedacht, der wäre der bessere heute, aber das war der Medium", erklärte Verstappen.

Verstappen: Red Bull nicht top, aber mit Potential

Der vierfache Weltmeister konnte am Ende mit dem sechsten Platz Schadensbegrenzung betreiben, für sich und das Team. Mehr Freude am neuen Reglement verschaffte ihm das Rennen aber nicht. Zumindest Potential sei im Auto. "Auf der Motorenseite sind wir nicht schlecht. Ich würde sagen, dass unsere Pace fehlt zur Hälfte beim Motor und zur Hälfte beim Chassis, was nicht schlecht ist. Das ist nicht schockierend. Das sind Dinge, die wir beheben können", so Verstappen.

Für ihn ist Red Bull derzeit die dritt- bzw. viertstärkste Kraft im Feld. Möglicherweise könnte ihm eine Verbesserung der Wettbewerbsfähigkeit auch mehr Gefallen am Fahren der neuen Autos bringen: "Wir haben bisher gute Arbeit geleistet, dass wir gegen McLaren mit einem Mercedes-Motor kämpfen können. Wenn wir uns verbessern und ein bisschen weiter vorne kämpfen können, dann sieht die Welt schon viel besser aus. Ich hoffe, dass wir in den nächsten Rennen einen Schritt vorwärts machen können."

Für Nico Hülkenberg endete das Rennen bereits, bevor es anfing. Der Audi-Pilot musste mit einem Defekt von der Startaufstellung geschoben werden. Dafür holte Gabriel Bortoleto Punkte beim Team-Debüt!