George Russell hat am Sonntag in Australien einen ereignisreichen Formel-1-Auftakt in die Saison 2026 gewonnen. Die vermeintlich dominanten Mercedes wurden im turbulenten Rennen in Melbourne zunächst von überraschend gefährlichen Ferraris herausgefordert. Die Italiener verzockten sich in dem von der Technik der neuen Autos bestimmten Grand Prix strategisch jedoch komplett und ermöglichten den Silberpfeilen einen fulminanten Doppelsieg. Nach 58 Runden feierte George Russell ungefährdet seinen sechsten F1-Triumph vor Teamkollege Kimi Antonelli. Als Dritter komplettierte Charles Leclerc das Podium. Audi holte beim Formel-1-Debüt Punkte. Alle Reaktionen zur Formel 1 heute in Australien gibt es im Live-Ticker

Schon vor dem Start gab es den ersten Aufreger. Oscar Piastri setzte seinen McLaren noch auf dem Weg ins Grid in die Wand und konnte nicht am Rennen teilnehmen. Der Grand Prix wurde daraufhin vom Kampf zwischen Ferrari und Mercedes sowie der Technik bestimmt. Mit phänomenalen Starts sagten Charles Leclerc und Lewis Hamilton den Silberpfeilen umgehend den Kampf an. Dem Schlagabtausch zwischen den beiden und George Russell gesellte sich nach wenigen Runden auch Kimi Antonelli hinzu.

Technisch bedingte Ausfälle von Isack Hadjar und Valtteri Bottas sorgten in der ersten Rennhälfte für zwei VSC-Phasen, die alle Teams bis auf Ferrari für günstige Boxenstopps nutzten. Die Italiener setzten auf die Einstopp-Strategie und gaben das Kommando zur Rennhälfte vorerst wieder an Mercedes ab. George Russell stellte sich mit seinem großen Vorsprung derweil ebenfalls auf eine Einstopp-Strategie ein.

Das Mercedes-Duo machte seine Drohung wahr und brachte die Reifen trotz früher Boxenstopps in Runde 13 über die Distanz. Im Ziel gewann George Russell das erste von 24 Formel-1-Rennen in der Saison 2026 mit drei Sekunden auf Kimi Antonelli. Charles Leclerc fuhr über 15 Sekunden dahinter als Dritter über die Linie, unmittelbar vor Lewis Hamilton. Im Kampf um Platz fünf setzte sich der amtierende Weltmeister Lando Norris knapp gegen Max Verstappen durch, der nach seinem Qualifying-Debakel eine Aufholjagd zeigte.

Dahinter landeten mit Haas, Racing Bulls, Audi und Alpine drei weitere Teams in den Punkterängen. Für die Ingolstädter fuhr Gabriel Bortoleto beim Formel-1-Debüt des Herstellers auf Platz neun. Teamkollege Nico Hülkenberg konnte wegen eines Defekts beim Vorstart nicht am Grand Prix teilnehmen. Aston Martin nahm beide Autos von Fernando Alonso und Lance Stroll aus Angst vor logistischen Problemen aus dem Rennen.

Die Highlights vom Formel-1-Rennen in Australien

  • George Russell führt Mercedes-Doppelsieg an
  • Ferrari verzockt Siegchance mit Strategie-Fail
  • Ausfälle stellen Rennen auf den Kopf
  • Unfall von Oscar Piastri auf dem Weg ins Grid
  • Audi holt beim Debüt mit Gabriel Bortoleto Punkte
  • Rookie Arvid Lindblad in erstem F1-Rennen auf P8
  • Aston Martin stellte beide Autos freiwillig ab

Das Wetter: Down Under begrüßte die Formel 1 auch zum Höhepunkt des Wochenendes mit Traumwetter. Bei strahlendem Sonnenschein betrug die Außentemperatur am Sonntag in Melbourne milde 24 Grad Celsius. Der Asphalt wurde mit 38 Grad gemessen. Die Luftfeuchtigkeit war mit 56 Prozent rund zehn Prozent geringer als in den vorangegangenen Sessions am Freitag und Samstag.

Drama für Oscar Piastri: Kurioser Unfall vom McLaren-Fahrer noch vorm Rennen

Der Piastri-Crash: Für einige der australischen Fans rund um den Albert Park Circuit, war der Rennsonntag schon gelaufen, bevor er richtig begonnen hatte. Oscar Piastri baute noch auf dem Weg ins Grid einen kuriosen Unfall und konnte nicht am Grand Prix teilnehmen. Der Lokalmatador verlor beim Herausbeschleunigen aus Kurve vier das Heck seines McLaren auf dem Exit-Kerb und schlug auf der gegenüberliegenden Seite der Rennstrecke in die Streckenbegrenzung ein. Die Beschädigungen waren für eine Rückkehr an die Box aus eigener Kraft zu stark, und die Zeit bis zum Start für eine Reparatur zu kurz.

Raketenstart von Ferrari erwischt Mercedes beim Formel-1-Start eiskalt

Der Start: Nach Oscar Piastri verzeichnete das Grid noch vor der Formation Lap den nächsten Verlust. Nico Hülkenbergs Audi musste aufgrund technischer Probleme wieder von der Startaufstellung zurück in die Garage geschoben werden. Der Deutsche konnte daraufhin nicht am Rennen teilnehmen. Die 20 verbliebenen Autos fuhren allesamt ohne Probleme in die Einführungsrunde. Fast alle Fahrer setzten für den ersten Stint auf den Medium-Reifen von Pirelli. Verstappen fuhr Hard. Der Rennstart hielt daraufhin wie erwartet Action bereit.

Ferrari zeigte wie erwartet Raketenstarts und Charles Leclerc preschte auf dem Weg zu Turn 1 von der vierten auf die erste Position vor. Pole-Sitter George Russell hielt Platz zwei, dahinter hatte auch Lewis Hamilton die Vorteile des kleineren Ferrari-Turboladers am Start ausgenutzt und fuhr in der Startrunde von Platz sieben auf P3 vor. Nach der ersten Runde komplettierten Lindblad, Hadjar, Norris, Antonelli, Ocon, Gasly und ein sensationeller Fernando Alonso die Top-10. Der Spanier hatte sieben Plätze gutgemacht. Max Verstappen war 16.

Kein Mercedes-Alleingang in Melbourne: Ferrari fordert George Russell heraus

Der frühe Rennverlauf: An der Spitze ging es daraufhin zwischen Leclerc und Russell heiß her. In Runde zwei ging der Brite beim Run vor Kurve elf vorbei und holte sich die Führung zurück. Leclerc blieb dran und konterte einen Umlauf später vor Turn neun. Dahinter blieb Hamilton dran. Hadjar hatte Lindblad derweil wieder den vierten Platz abgenommen, lag aber schon fast drei Sekunden hinter dem Führungsduo. Auch Antonelli ging in Runde fünf am Racing-Bulls-Rookie vorbei.

In der achten Runde ging der Schlagabtausch zwischen Leclerc und Russell in die nächste Runde. Der Mercedes-Fahrer hatte vor Kurve drei mehr Momentum und ging wieder in Führung - und wieder suchte sich Leclerc den Run zu Turn neun aus, um sie ihm zu entreißen. Der Kampf gewann daraufhin massiv an Intensität. In der neunten Runde erzwang Russell den Move auf der Start-und-Zielgeraden und verbremste sich dabei heftig vor der ersten Kurve. Leclerc blieb vorne, und nach Hamilton stellte nun auch Antonelli den Anschluss her und machte aus der Angelegenheit einen Vierkampf.

Nachdem sich Russell zuvor bereits über eine zu aggressive Verteidigung von Leclerc beschwert hatte, wurde der Ferrari-Fahrer von der Rennleitung notiert, es folgte aber keine Untersuchung. Die erste Strafe der Saison kassierte derweil Franco Colapinto. Für den Argentinier gab es eine Stop-and-Go-Penalty für ein Vergehen beim Vorstart.

Defekte stellen Formel-1-Rennen in Australien auf den Kopf

In der elften Runde musste Isack Hadjar seinen rauchenden Red Bull mit einem Defekt zwischen den Kurven acht und neun abstellen. Der Franzose wurde damit zum ersten technischen DNF der Saison. Die Rennleitung rief das Virtual Safety Car auf den Plan. Norris, Ocon, Gasly, Sainz, Lawson, Alonso und Stroll nutzten die Möglichkeit umgehend zum ersten Boxenstopp und gingen auf Hard. Einen Umlauf später zog Mercedes mit Russell und Antonelli nach, die ebenfalls beide von Medium auf Hard gingen.

In Runde 14 wurde das VSC aufgehoben. Leclerc lag nun zwei Sekunden vor Hamilton auf P1, zehn Sekunden dahinter folgte Russell mit frischen Reifen. Lindblad, Antonelli, Verstappen, Bearman, Bortoleto, Norris und Ocon folgten in den Top-10. Fernando Alonsos Überlebenskampf im Aston Martin fand in der 15. Runde sein vorläufiges Ende. Der Spanier wurde laut Informationen des Teams für Einstellarbeiten am Auto zurück an die Box geordert. Damit waren noch 18 Fahrer im Rennen.

Der nächste Ausfall sorgte für die nächste Neutralisierung. Valtteri Bottas rollte mit dem Cadillac kurz vor der Boxeneinfahrt aus. Die Rennleitung reagierte erneut mit dem VSC. Lindblad, Verstappen, Bearman, Bortoleto und Perez wurden von ihren Teams sofort für den Reifenwechsel an die Box geholt. Für Ferrari gab es daraufhin schlechte Nachrichten. Um das Auto von Bottas zu bergen, musste die Boxengasse geschlossen werden. Leclerc und Hamilton hatten damit keine Möglichkeit, nach der verpassten ersten Chance mit einem Pitstop nachzuziehen.

Aston Martin hat Angst um Autos: Fernando Alonso und Lance Stroll müssen aufgeben

Der weitere Rennverlauf: Nach erneuter Freigabe des Rennens führte Leclerc in Runde 20 mit anderthalb Sekunden auf Hamilton. Dahinter schlossen Russell und Antonelli mit schnellsten Rennrunden auf und waren auf fünf Sekunden dran. Norris lag zehn Sekunden hinter dem Mercedes-Duo auf P5, gefolgt von Verstappen, Lindblad, Bearman, Bortoleto und Gasly. Zwischen Pierre Gasly und Esteban Ocon kam es im Kampf um P10 zu einem Kontakt in Turn 3. Der Alpine-Fahrer boxte seinen Landsmann im Haas mit einem robusten Manöver bei Seite und ging vorbei.

In der 25. Runde kam Leclerc als erster Ferrari-Fahrer an die Box. Der Monegasse ging von Medium auf Hard und sortierte sich als Vierter ein, acht Sekunden hinter Antonelli. Lewis Hamilton übernahm dadurch die Führung und blieb zunächst draußen. Fernando Alonsos Aston Martin stand währenddessen von den Untoten auf. Nach einer Pause nahm der 44-Jährige den Grand Prix mit elf Runden Rückstand wieder auf.

Russell holte Hamilton in der 28. Runde ein und übernahm auf der Strecke die Führung. Der Ferrari-Fahrer leistete daraufhin seinen Boxenstopp ab und fiel auf Platz vier hinter Leclerc zurück. Der Gap auf den Stallgefährten betrug sechseinhalb Sekunden. Auf jüngeren Reifen holten die Ferrari-Fahrer in kleinen Schritten auf Russell und Antonelli auf. In Runde 34 lag Leclerc als Dritter aber immer noch 13 Sekunden hinter dem Führenden. Eine kurze VSC-Phase wegen Wrackteilen von Perez' Cadillac zwischen T8 und T9, wurde von Bortoleto, Albon, Sainz und Lawson für Boxenstopps genutzt.

Die Führenden profitierten nicht. Russell hatte zuvor bereits im Funk gemeldet, dass er die Einstopp-Strategie trotz des frühen Reifenwechels für realistisch hält. Lando Norris stoppte in Runde 35 für neue harte Reifen. Er befand sich zuvor im Duell mit Max Verstappen um P5 und rutschte durch den Service auf P8 ab. Fernando Alonso kehrte zeitgleich erneut an die Box zurück und stellte diesmal endgültig ab. Zwei Runden später gab auch Lance Stroll auf. Gemäß Statement des Teams handelte es sich dabei um Maßnahmen, das Material zu schonen.

Mercedes bestraft Ferrari für Strategie-Fail

Die Schlussphase: George Russell machte seine Drohung im letzten Drittel des Rennens gandenlos wahr. Sowohl er als auch Antonelli matchten die Rundenzeiten ihrer Ferrari-Verfolger ohne Probleme. Auf P3 kam Leclerc nicht auf unter 15 Sekunden an den Leader heran. Die Vorentscheidung im Kampf um den Sieg war damit zehn Runden vor Schluss gefallen. Um Platz fünf blieb es zwischen Norris und Verstappen dafür eng. Der amtierende Weltmeister setzte sich am Ende knappt durch und stellte den Platz sicher. Die Top-10-komplettierten Bearman, Lindblad, Bortoleto und Gasly.