Platz 17 im Qualifying zum Australien GP war für Aston Martin fast schon eine kleine Formel-1-Sensation. Fast hätte sich Fernando Alonso sogar ins Q2 gezittert. Im wahrsten Sinne des Wortes: Denn die extremen Vibrationsprobleme, die der Honda-V6 im Heck verursacht, sind weiterhin nicht gelöst.

Aber für Fernando Alonso läuft das Wochenende in Anbetracht der extremen Probleme noch zufriedenstellend. Abgesehen vom 1. Freien Training konnte er immerhin an allen Sessions teilnehmen und sogar verhältnismäßig viele Runden drehen. 18 Runden im 2. Training, 20 Runden im 3. Training und 10 Runden im Qualifying.

Aston-Drama verschärft sich, zeigt Mercedes das wahre Gesicht? (16:32 Min.)

Teamkollege Lance Stroll kam insgesamt nur auf 16 Runden. Er konnte weder am 3. Training, noch an der Qualifikation teilnehmen. Der Honda-Motor sorgte einmal mehr für Probleme. Diesmal war es eine beschädigte Ölleitung. Das lässt Startplatz 17 für Alonso in einem anderen Licht erscheinen.

Aston-Martin-Mechaniker: Tag & Nacht Motorwechsel

"Die Mechaniker haben die letzten sechs Wochen Tag und Nacht Motoren gewechselt. Es ist besser, als abgeschlagen Letzter zu sein. Hoffentlich ist das für sie ein Antrieb", meint Alonso selbst. Hätte Mercedes das Auto von Kimi Antonelli nicht rechtzeitig reparieren können, wäre Alonso sogar ins Q2 eingezogen.

Allerdings ist Startplatz 17 etwas schmeichelhaft. Max Verstappen konnte nach einem Unfall nicht weiter am Qualifying teilnehmen. Carlos Sainz startet wegen technischer Probleme erst gar nicht. Auf der Strecke konnte Aston Martin nur die beiden Cadillac von Sergio Perez und Valtteri Bottas hinter sich lassen. Eine Dreiviertel Sekunde fehlte Alonso auf Oliver Bearman und das Weiterkommen.

Alonso schafft 107-Prozent-Hürde, Stroll nicht

Damit blieb Alonso trotzdem locker innerhalb der 107-Prozent-Regel. Die Regel besagt, dass nur am Rennen teilnehmen darf, wer im Qualifying nicht langsamer als 107 Prozent des Schnellsten fährt. Die Regel wurde vor vielen Jahren eingeführt, um besonders langsame Fahrer und Teams aus dem Verkehr zu ziehen. Seit anderthalb Jahrzehnten kam sie nicht mehr zum Einsatz.

Trotzdem kommt es immer wieder vor, dass die Stewards eine Ausnahmegenehmigung erteilen müssen. Wie bei Max Verstappen oder Carlos Sainz in Melbourne. Beide konnten im Qualifying keine Runde fahren, bekamen aber ohne Probleme die Starterlaubnis.

Auch Lance Stroll bekam die Starterlaubnis der Stewards, allerdings nicht ohne Probleme. Die Stewards mussten sich eine längere Begründung ausdenken. Denn Strolls schnellste Zeit am Wochenende war rund acht Zehntel langsamer als die 107-Prozent-Zeit im Q1.

Die Stewards rechtfertigten die Startzulassung einerseits mit Alonsos Zeit, die demonstrierte, dass das Auto gut genug ist. An Strolls Fähigkeiten haben sie ebenfalls keine Zweifel. 859 Kilometer bei den Wintertests im AMR26, 178 GP-Starts, sieben Teilnahmen am Australien GP mit Platz vier als bestem Ergebnis und 325 WM-Punkte zählten sie als Gründe auf, Stroll zuzulassen.

Was macht eher schlapp: Mensch oder Maschine?

Jetzt hängt die Teilnahme nur noch an der Technik. Denn Ersatzteile sind weiterhin Mangelware. Aber auch wenn Stroll starten kann, sind die Erfolgsaussichten wie bei Teamkollege Alonso eher mau. Die Ingenieure konnten Gegenmaßnahmen ergreifen, um die Batterie vor den Vibrationen zu schützen. Die Fahrer bekommen aber noch immer die volle Gewalt des Honda-Triebwerks zu spüren.

Zu Beginn des Wochenendes erklärte Team- und Technikchef Adrian Newey, dass die Piloten nicht mehr als 25 Runen mit dem AMR26 fahren könnten. Nervenschäden könnten die Folge längerer Ausfahrten sein. "Im Auto hat man so viel Adrenalin, da spürt man keinen Schmerz. Würden wir um den Sieg kämpfen, würde ich es drei Stunden aushalten", zeigte sich Alonso kämpferisch.

Nervenschäden-Risiko: Alonso schafft max. 25 Runden im Aston (18:29 Min.)

"Wir kennen die Konsequenzen nicht, wenn man monatelang so fährt", schränkte der zweimalige Formel-1-Weltmeister ein. Und um den Sieg geht es ohnehin nicht. Ob am Ende der Körper der limitierende Faktor ist, ist fraglich. Denn auch die Technik ist weiter fragil. "Wir haben wenig Ersatzteile und China kommt schnell", weiß Alonso. Das Rennen in Shanghai findet bereits eine Woche nach Melbourne statt.

Aston Martin hat lediglich die zwei Batterien zur Verfügung, die in den Autos verbaut sind. Auch bei Honda in Sakura gibt es derzeit noch keinen Ersatz. "Wir dürfen keine Schäden riskieren und müssen flexibel sein", mahnt Alonso.

Aston Martin startete derart schlecht in die Saison, dass das Team schon die Lachnummer des Fahrerlagers ist...