Desaströse Tests und ein desaströses erstes Wochenende bringen Aston Martin und Honda schon zu Beginn der neuen Partnerschaft 2026 in Erklärungsnot. Experte Christian Danner beobachtet die Ereignisse mit großer Besorgnis. Denn Sinn macht das nicht, was da passiert.
"Also ganz ehrlich, was wir da sehen, kann eigentlich nicht sein", so Danner im 'AvD Motorsport Magazin'. "Das kann es nicht geben. Das gibt es nicht, dass man mit so einem desolaten technischen Paket an die Rennstrecke kommt."
Nachdem Aston Martin schon verspätet zu den ersten Testfahrten gekommen war, hatte man bei den zweiten und dritten Tests sowie am ersten Rennwochenende der Formel 1 fast gar nicht fahren können. Hauptgrund sind starke Vibrationen des Honda-Motors, primär vom Bereich der Batterie ausgehend.
Nach mehreren Schäden bei den Testfahrten leidet Honda deshalb aktuell auch noch unter akutem Ersatzteil-Mangel, hatte in Australien nur zwei Batterien dabei. Deshalb konnten Fernando Alonso und Lance Stroll auch kaum fahren und weitere Daten sammeln, und mussten beide während des Rennens auch für 16 respektive 18 Minuten in der Garage Pausen einlegen.
Wer ist schuld an der Misere von Aston Martin und Honda?
"Wie kann denn sowas passieren?", wundert sich Danner. "Ein vibrierender Rennmotor vibriert auch auf dem Prüfstand. Und es kann nicht sein, dass die bei Honda nicht in Sakura das Ding auf dem Prüfstand hatten und gemerkt haben, da stimmt was nicht, da vibriert was."
Logische Antworten sind für Danner da schwer zu finden. Die Umstände lassen natürlich Vermutungen zu. Etwa, dass Aston-Martin-Teamchef Adrian Newey mit seiner Absicht, den Motor besonders aggressiv im Chassis zu verpacken, Honda unter Druck setzte. Aber das scheint fast wieder zu einfach.
"Adrian ist jemand, der sehr kompromisslos baut", urteilt Danner. "Und die Honda-Entschuldigung, bei der - wenn man Japaner ein bisschen kennt - zwischen den Zeilen steht, ist ja, na ja, der hat uns zeitlich gedrängt, der hat uns von der Dimension her gedrängt, und deswegen ist das jetzt so entstanden. Man muss einfach sagen, das ist so ein bisschen der schwarze Peter von links nach rechts und von rechts nach links."
Aston Martin unvorbereitet in das Abenteuer Honda gestartet?
"Aber eines hat mich dann doch schon ein bisschen stutzig gemacht", meint Danner. "Als Adrian Newey gesagt hat, er war ganz erstaunt, dass die ganzen Ingenieure dann nicht mehr da waren, die er gekannt hat." Der ehemalige Red-Bull-Designer Newey arbeitete schließlich ab 2019 schon einmal eng mit Honda zusammen, als die noch Werks-Partner von Red Bull waren.
"Erstens ist es völlig normal bei Honda und historisch immer so gewesen: Nach erfolgreichem Rennengagement sind die Top-Ingenieure in die Serien-Entwicklung gegangen, um dort ein bisschen mehr Speed reinzukriegen, ein bisschen mehr Know-how zu verbreiten, das war auch dieses Mal so", weiß Newey. Und das ist nicht der einzige Aspekt, den man hätte wissen sollen.
"Nicht vergessen, Honda wollte aussteigen, das Projekt war beendet", erinnert Danner daran, dass Honda eigentlich 2022 den Laden dichtmachte und nur mehr eine Minimal-Belegschaft zurückließ, welche die per Reglement damals eingefrorenen alten Motoren von 2022 bis 2025 an Red Bull lieferte. Erst 2023 entschloss sich Honda dazu, doch 2026 mit Aston Martin weiterzumachen.
"Also ja, da sind viele Ingenieure, die - Surprise, Surprise - Adrian Newey noch nie gesehen hat", sagt Danner. "Aber das musste er doch wissen, weil er hat doch auch gemeinsam mit Red Bull den einen oder anderen Honda-Ingenieur in Richtung Red Bull Powertrains abgeworben. Da sind also ein paar Sachen in der ganzen Argumentationskette, die nicht schlüssig sind."
"Da bleiben wir dran, das ist eine ganz, ganz delikate Angelegenheit, und da ist so was von Feuer unterm Dach", lautet Danners Fazit. Für das nächste Rennen in China hoffen Aston Martin und Honda währenddessen auf zählbare Fortschritte. Notlösungen zum Reduzieren der Vibrationen, die in Australien getestet wurden, sollen tatsächlich helfen. Man ist zuversichtlich, in China eine Renndistanz zu schaffen.
Adrian Newey muss währenddessen raus aus seiner Komfortzone, nachdem er eigentlich seine ganze, mehrere Jahrzehnte umspannende Karriere als Designer verbracht hat. Plötzlich muss er als Teamchef aber viel mehr überblicken. Kann auch das ein Problem sein? Wir haben Neweys Aussagen dazu:



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