Je genauer man hinschaut, desto bizarrer wird die Lage rund um Fernando Alonso, Aston Martin, Honda und den problematischen Start in die Formel-1-Saison 2026. Obwohl 11 Jahre vergangen sind, gibt es unangenehm viele Parallelen zu Alonsos dreijährigem McLaren-Honda-Fiasko von 2015 bis 2017. Motorsport-Magazin.com zeigt die Details, und analysiert, wie einem riesigen Konzern das zweimal passieren könnte.

Rein auf der Strecke und in Sachen Problemen wirken die beiden 11 Jahre voneinander getrennten Honda-Debüts nämlich wirklich faszinierend ähnlich. Einzig positiv: Alonso überstand die Testfahrten unbeschadet. 2015 hatte er in Barcelona einen bis heute von Spekulationen und Gerüchten umgebenen mysteriösen Unfall erlitten, wegen dem er den Saisonstart hatte verletzt auslassen müssen.

Bis auf einen Kiesbett-Ausritt und einen vermuteten Batterieschaden auf der Strecke geschah mit dem Aston Martin da 2026 deutlich weniger Besorgniserregendes als mit dem McLaren 2015. Die Ähnlichkeiten beginnen aber schon mit den technischen Problemen von Honda.

Honda: 2015 wie 2026 nicht bereit für die Formel-1-Saison?

Auch der erste McLaren Honda war 2015 bei den Testfahrten fast nicht gefahren. Tatsächlich sogar noch weniger als der Aston Martin 2026, aber das war auch zu erwarten - 11 Jahre später sind die Vorbereitungs-Programme der Hersteller auf den Prüfständen deutlich besser. 2.110 Kilometer mit dem Tiefpunkt von nur sechs Runden am letzten Tag sind nach 2026er-Maßstäben eben aber auch fast nichts.

Die 2026 vermeldeten Probleme scheinen auf Batterie und Hybridsystem zurückzugehen. Laut einem BBC-Bericht ließ Teamchef Adrian Newey die anderen Teams am Rande der Bahrain-Testfahrten wissen, dass der Honda-Motor bei der Energie-Rückgewinnung aktuell nicht einmal 250 kW schaffe. Honda sprach nach dem Test von "abnormalen Vibrationen" unbekannten Ursprungs, welche das Batterie-System in Mitleidenschaft gezogen hätten.

F1 2026 - Bahrain-Bilanz: Tops & Flops der letzten Testwoche (48:43 Min.)

Das klingt fast genauso wie 2015. Die Testfahrten waren damals von Dauerschäden der kinetischen Energie-Rückgewinnung gezeichnet, und selbst nach Gegenmaßnahmen tendierte das System das ganze Jahr über zur Überhitzung.

McLaren-Hondas "Size Zero" vs. Adrian Neweys "aggressiver" Aston Martin

Einige der Probleme gingen 2015 auf das berüchtigte "Size Zero"-Konzept des damaligen McLaren zurück. Das Auto war als möglichst kompaktes Paket designt worden, um den Aerodynamikern möglichst viel Raum zu geben. Bald darauf stellte sich nur heraus, dass das motorenseitig nicht nur Temperaturmanagement erschwerte, sondern auch das Entwicklungspotenzial der Power Unit unterminierte.

Jenson Button verbremst sich in Bahrain 2015 im McLaren-Honda
McLaren traf 2015 viele falsche Entwicklungs-Entscheidungen zum Honda-Debüt, Foto: IMAGO / DeFodi

Wieder sind die Parallelen zu Aston Martin 2026 schwer zu ignorieren. Der AMR26 fiel vom ersten Test-Tag an mit einem aggressiven Packaging-Design auf, welches Teamchef und Chefdesigner Newey auch explizit als eines der Ziele nannte: "Es hat ihr Leben nicht einfach gemacht, ganz im Gegenteil, aber sie haben die Herausforderung absolut angenommen." Das kam auch noch in einem komprimierten Zeitrahmen zustande, weil das Newey-Design erst mit seinem Dienstbeginn im März 2025 in die Entwicklung ging.

Wie konnte Honda das 2026 schon wieder passieren?

Definitiv kann Honda aber unmöglich sich vor einer Mitschuld verstecken. Zur Erinnerung: Man hatte einen Ausstieg mit Ende 2021 beschlossen und wollte nur noch den alten Motorenpartner Red Bull bis Ende 2025 mit den da schon per Reglement eingefrorenen Power Units beliefern. Ab 2021 wurden daher die Entwicklungs-Kapazitäten Schritt für Schritt zurückgefahren.

Viele Kapazitäten verschwanden. Die Operationsbasis in Großbritannien wurde aufgelassen. Ingenieure wurden in andere Abteilungen umgeschichtet. Auch Programmleiter Masashi Yamamoto und Cheftechniker Toyoharu Tanabe gingen. Beide waren mehr oder weniger mit Beginn der Red-Bull-Ära 2018 in ihre Positionen aufgestiegen und hatten Schlüsselrollen beim Verwandeln des Projektes vom McLaren-Debakel zum Weltmeister-Motor besetzt.

Streckenposten helfen Fernando Alonso beim Wegschieben seines McLaren 2015 in Ungarn
Alonso und ein kaputter McLaren - 2015 normal, Foto: IMAGO / HochZwei

Erst 2023 entschloss sich Honda zum Comeback mit Aston Martin. Die Entwicklung des 2026er-Motors begann deshalb über zwei Jahre später als bei Red Bull Ford Powertrains (an dem Punkt gab es noch nicht einmal die neue Motor-Kostengrenze), und über ein Jahr später als bei Audi, die schon spät dran waren. Durch das vorangegangene Zurückfahren mussten die neuen Chefs Koji Watanabe und Shintaro Orihara jetzt die Entwicklungskapazitäten wieder neu aufbauen, eine neue Operationsbasis in Großbritannien aufbauen, alles mit nur mehr zweieinhalb Jahren Zeit.

McLaren scheitert an Problemlösung - hat Aston Martin von Red Bull gelernt?

Daher ist das Honda-Team, das für Aston Martin einen Motor baut, eigentlich überhaupt nicht mehr jenes Honda, das Red Bull zu vier Fahrer- und zwei Konstrukteurstiteln verholfen hat, sondern ein verspäteter halber Neueinsteiger, der lediglich den Vorteil hat, auf die Daten ihrer Vorgänger zurückgreifen zu können, nicht aber auf die Leute, die das erreicht haben. Dass der Start in die Saison 2026 ein Reinfall wird, steht eigentlich schon fest. Die wirkliche Frage ist nun: Kriegt man die Kurve? Denn McLaren-Honda schaffte genau das eben nicht.

McLaren-Honda scheiterte ultimativ an völlig fehlgeleiteten Ansprüchen. Beide Seiten erwarteten schnell Erfolge, obwohl auch damals ein Problem gewesen war, dass Honda erst 2013 - mit nur zwei Jahren Vorlaufzeit - verspätet einstieg. Schon im ersten gemeinsamen Jahr 2015 zerfiel die Partnerschaft. McLaren machte den Motor nieder, Honda das Chassis. Fernando Alonso war kaum eine Hilfe, als er den Motor beim ersten Heim-GP in Japan in einem legendären Funkspruch als "GP2 Engine" bezeichnete.

In drei Jahren vermochten die beiden Seiten ihre Differenzen nicht beizulegen. Ein Kommunikationsproblem ungeahnten Ausmaßes verorteten die Beteiligten später. Als Honda 2018 dann zum kleinen Red-Bull-Team Toro Rosso wechselte, war es nicht nur ein Reset auf Honda-Seite. Die Zusammenarbeit verlief völlig anders, viel offener, und der Aufschwung kam fast sofort.

Dass Red Bull Honda ein Jahr bei Toro Rosso ausprobieren konnte, ehe man sie 2019 ins Hauptteam holte, war natürlich eine riesige Hilfe. Bei Aston Martin ist die Gefahr des McLaren-Szenarios wieder offensichtlich. Das Team von Lawrence Stroll ist seit Jahren instabil, tauscht andauernd im Team-Management durch, und steht unter immensem Druck, Fortschritte zu erzielen, ohne in den letzten Jahren sich positiv entwickelt zu haben. Vieles davon ähnelt McLaren.

Fernando Alonso gibt sich 2026 noch zuversichtlich. Alle Probleme seien lösbar: "Ich weiß nicht, wo wir in Sachen Chassis und Grip sind, aber selbst, wenn wir jetzt nicht bei 100 sind, werden wir bald bei 100 sein, weil wir alle Probleme mit der Power Unit lösen." Nur könnte man auch eins zu eins Alonso-Aussagen von 2015 in einen 2026er-Artikel kopieren: "Die fehlende Performance, die wir in einigen Bereichen des Autos beklagen, ruht auf teilweise fundamentalen Problemen, die aber keine allzu schwierige Lösung verlangen." Ist das ein gutes Zeichen?