2026 gibt es in der Formel 1 sechs Sprintrennen. Eine Zahl, die sich seit 2023 etabliert hat. Doch seit Jahren halten sich Diskussionen über eine Aufstockung. Die MotoGP hat es vorgemacht: Dort besteht seit 2023 jedes Wochenende aus einem Sprint und einem vollumfänglichen Rennen.

Es ist kein Geheimnis, dass die Verantwortungsträger in der Formel 1 ebenfalls auf mehr Sprints pochen. Schließlich sind die Kurzrennen am Samstag und das dazugehörige Sprint-Qualifying einen Tag davor kommerziell lukrativer als die zwei Trainingssessions, die dafür weichen. Dafür sprechen sowohl Einschaltquoten als auch GP-Besucherzahlen am Freitag und Samstag.

F1-Plan: Mehr Sprints, kürzere Rennen! Geil oder Schnapsidee? (22:47 Min.)

Stefano Domenicali: Formel-1-Fans wollen schon am Freitag Action sehen

F1-CEO Stefano Domenicali betont deshalb, dass zusätzliche Sprint-Events der richtige Weg seien. Und vor allem auch von den Fans gewünscht werden. "Wir erhalten das Feedback von den Fans, den Leuten, die die Strecke besuchen und den Promotern, dass die Leute echte Action an allen drei Tagen sehen wollen", betonte der F1-Boss das schon mehrmals wiedergegebene Mantra. "Die Menschen wollen schon am Freitag etwas Sportliches sehen. Qualifying, Punkte, was auch immer", fügte er hinzu.

Doch die Formel 1 kann hier keinen Alleingang hinlegen. Denn die regulatorische Hoheit liegt beim Motorsport-Weltverband FIA und diese steht trotz der kommerziellen Vorteile zusätzlichen Sprintrennen skeptisch gegenüber. Vor allem aufgrund der zusätzlichen Belastung für die Teams und die im Umfeld der Königsklasse involvierten Mitarbeiter. Außerdem droht in den Augen vieler Oldschool-Fans eine Verwässerung des Wettbewerbes.

Zwölf Sprints ab 2027: F1-Kommission diskutiert Vorstoß

In der jüngsten Sitzung der F1-Kommission am Rande der Testfahrten in Bahrain, an der wie üblich neben den Teamvertretern auch Formel-1-CEO Stefano Domenicali und als FIA-Vertreter Single-Seater-Direktor Nikolas Tombazis teilnahmen, kam das Thema einmal wieder auf den Tisch. Es wurde diskutiert, die Anzahl der Sprints pro Saison auf zwölf Stück zu verdoppeln. Bei dem Treffen wurde keine Einigung erzielt, die Gespräche halten aber noch an.

Domenicali betonte, dass man auch abgesehen von den Sprints eine Aufwertung des Freitagsgeschehens ins Auge gefasst hat: "Wir wollen jeden Tag auf der Strecke relevant halten, selbst wenn es keinen Sprint gibt." Wie man an einem Freitag an einem Formel-1-Wochenende ohne Sprint diese Relevanz erzielen will, kommentierte er nicht. Das sei derzeit Gegenstand von Gesprächen zwischen der Formel 1 und FIA-Vertretern.

"Wir arbeiten an einem Plan, um sicherzustellen, dass es an einem normalen Wochenende auch am Freitag Action gibt und sich sportliches Geschehen abspielt", sprach der Italiener. Genauere Details zu diesem Plan nannte er nicht. Eine Variante wäre, Punkte für das Ergebnis des F1-Trainings zu vergeben. Diskussionen darüber gab es bereits seit 2022.

Der Schritt zu mehr Sprints und zunehmender Action am Freitag würde die Formel-1-Fahrer vor die Herausforderung stellen, dass die klassische Trainingszeit vor jedem Wochenende abnimmt. Während von arrivierten Piloten erwartet werden darf, dass sie diese Reduktion gut wegstecken, könnte das vor allem für Rookies zu Problemen führen.

Domenicali stellte es in den Bereich des Möglichen, dass man einen gewissen Ausgleich für diese entgangene Eingewöhnungszeit einführt. "Um die Rookies zu schützen und ihnen Zeit zum Fahren zu geben, könnte man ihnen entweder mehr Zeit im Training geben oder eine eigene Session für sie, damit sie sich besser an das Ökosystem gewöhnen können. Denn es ist klar, dass ein Rookie an einem Sprint-Wochenende nicht viel Zeit dafür hat."

Laut dem F1-Chef ist das einer von mehreren Punkten, der derzeit diskutiert wird. Aber für konkrete Neuerungen in diesem Bereich ist noch Geduld angesagt. "Wir werden bald etwas Konkretes in diesem Zusammenhang präsentieren", verspricht Domenicali.