Ferrari konnte im Formel-1-Qualifying in Australien einmal mehr keinen Eindruck machen. Nach einem starken Trainingsauftakt hatten Charles Leclerc und Lewis Hamilton nicht nur gegen Mercedes keine Chance. Auch Isack Hadjar im Red Bull war als erster Verfolger der Silberpfeile knapp schneller als Leclerc. Teamkollege Lewis Hamilton musste sich dazu noch den McLaren-Fahrern geschlagen geben. Der siebenfache Weltmeister hegt ernste Zweifel an der Legalität des Mercedes.
"Ich verstehe das nicht genau. Sie haben bei den Testfahrten nicht gezeigt, dass sie so aufdrehen können und jetzt haben sie irgendwo diese extra Power her", sagt der Brite nach Platz sechs im Qualifying. Auf die Pole Position seines ehemaligen Mercedes-Teamkollegen fehlte ihm eine Sekunde. Das hatte im ersten Training am Freitag noch ganz anders ausgesehen. Da gaben Charles Leclerc und Lewis Hamilton den Ton an.
Nach dem FP2 dämmerte es dem Monegassen zwar, doch dass Mercedes derart im Vorteil sein würde, hatte er nicht erwartet. "Gestern haben wir von einer halben Sekunde gesprochen, jetzt sind es acht Zehntel. Das ist sicherlich mehr, als wir erwartet hatten", konstatiert der 28-Jährige, der im Q3 unter dem Strich nur anderthalb Zehntel schneller als Hamilton war. In der Analyse fiel er vom Glauben ab: "Die letzte Runde von George war einfach irre. Ich habe mir die Daten angeschaut und habe sie extra nochmal geladen, weil ich dachte, dass die fehlerhaft wären - aber scheinbar waren sie das nicht."
Lewis Hamilton fordert Mercedes-Trick von Ferrari
Vor allem die Performance von Kimi Antonelli sorgte bei den Rivalen für hochgezogene Augenbrauen. Der Italiener hatte seinen Mercedes im FP3 zerlegt. Im Q1 schaffte er es nur auf die Strecke, weil der Unfall von Max Verstappen und die damit einhergehende Unterbrechung dem Team die Chance gab, die Reparaturen abzuschließen. Am Ende machte er mit drei Zehnteln auf Russell die erste Startreihe für die Silberpfeile perfekt.
"Antonelli, unglaublich. Gott, was ein glücklicher Kerl. Der hatte anderthalb Stunden gar kein Auto", quittierte Audi-Fahrer Nico Hülkenberg die Leistung des 19-Jährigen beim Blick auf die Zeitenliste mit einem Schmunzeln. Lewis Hamilton kann darüber nicht lachen: "Wir müssen herausfinden, was das ist. Ich hoffe, das hat nichts mit dieser Kompressionsverhältnis-Sache zu tun. Hoffentlich ist es einfach nur die reine Leistung und wir müssen einen besseren Job machen. Aber wenn das die Sache mit der Kompression ist, dann wäre ich enttäuscht, dass die FIA das erlaubt hat, denn das steht so nicht in den Regeln."
Nach einem intensiven Hin und Her in der Winterpause entschied die FIA erst in der vergangenen Woche, das Messverfahren für das Verdichtungsverhältnis der Motoren ab Juni anzupassen, um den Technik-Kniff von Mercedes auszubremsen. Für Hamilton könnte das schon zu spät sein. "Dann ist die Saison durch", lautet seine pessimistische Prognose, die er dann sogleich wieder etwas relativiert: "Na gut, nicht durch, aber sieben Rennen, ein paar Monate - da verlierst du viele Punkte, wenn du im Qualifying eine Sekunde hinten bist."
Anstatt die Regeländerung ab dem 1. Juni abzuwarten, wäre es Hamilton lieber, wenn Ferrari bis dahin selbst in die Trickkiste greift, so lange es noch möglich ist. "Ich werde meinem Team Druck machen, dieselbe Sache zu tun, damit wir mehr Leistung bekommen", will er den Mercedes-Tick bei den Ingenieuren in Maranello persönlich einfordern.
Ferrari-Technik plagt Charles Leclerc und Lewis Hamilton
Abgesehen von Hamiltons Empörung über das Team, mit dem er zwischen 2014 und 2020 sechs WM-Titel gewann, gab es sportlich von seiner Seite nicht viel zu berichten. Im Q2 plagten ihn technische Probleme. "Ich habe einfach Leistung verloren. Auf dem Medium-Reifen sahen wir solide aus. Als wir wieder rausgefahren sind, kamen wir hinter noch mehr Fahrern raus und haben Temperatur in den Reifen verloren. Wir waren danach aus dem Rhythmus und haben keine guten Runden mehr hinbekommen", erklärt er.
Charles Leclerc war mit seiner Ausbeute letztendlich nicht unzufrieden. "Ich habe erwartet, dass wir in der Nähe von McLaren und Red Bull sein würden. Das war keine große Überraschung", so der achtmalige Grand-Prix-Sieger. "Wir hatten in unserem Qualifying auch ein paar Probleme. Ich denke, wir können noch schneller. Im Q2 hat das Deployment an beiden Autos nicht richtig funktioniert. Im Q3 mussten wir danach aufholen, was wir im Q2 nicht machen konnten und mit diesen Autos ist jede Runde, die du nicht fährst, ein großer Nachteil."


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