Oscar Piastri unterlief am Sonntag vor dem Formel-1-Rennen in Australien das wohl peinlichste, was einem Rennfahrer passieren kann. Er warf seinen Boliden schon auf dem Weg in die Startaufstellung in die Wand - nach gerade einmal vier Kurven. Eine bittere Pille für den McLaren-Piloten aus Melbourne, dass ihm das ausgerechnet auf seiner Heimstrecke passiert ist. Und das, nachdem er schon im Vorjahr nach einem bitteren Ausrutscher im Regen anstatt auf dem Podium nur auf P9 landete.

Der Unfall warf natürlich schnell die Frage auf, wer dafür verantwortlich war. Sprich: War es ein Fahrfehler oder hat die Technik verrückt gespielt? Piastri führte an, dass es ein bisschen etwas von beidem gewesen sei. Darunter ein zu diesem Zeitpunkt unerwartet starker Schub der Power Unit. "Ich hatte ungefähr 100 Kilowatt Extrapower, die ich nicht erwartet hatte. Das ist nicht insignifikant", sagte Piastri.

Oscar Piastri: "Ein großes Element war ich selbst"

Allerdings will sich der WM-Dritte nicht darauf hinausreden. Auch er habe einen maßgeblichen Anteil an dem Abflug. "Es sind einige Dinge passiert. Ich denke ein Teil, den ich hervorheben will, ist, dass mit Sicherheit ein sehr großes Element ich selbst war", sprach Piastri. "Kalte Reifen. Ich nutze den Kerb am Ausgang wie jede Runde an diesem Wochenende, aber wahrscheinlich hätte ich das nicht müssen", benannte er seinen Fehler.

Dass bei Piastri in jenem Moment auch noch die Zusatzleistung anschob, sei dann unglücklich dazugekommen. Doch auch wenn er dies angeführt hat, macht sich Piastri selbst Vorwürfe dafür, dass er diesen Faktor nicht besser auf dem Schirm hatte. "Ich denke der schwierige Part zu akzeptieren ist, dass alles normal funktioniert hat. Es ist einfach die Arbeitsweise, wie diese Funktionen mit den neuen Regeln arbeiten", sagte er.

"Es wäre fast einfacher, wenn es nur kalte Reifen gewesen wären und ich zu optimistisch gewesen wäre. Aber wenn dann ein weiterer Faktor wie dieser dazukommt, dann ist es noch schmerzhafter", so Piastri. McLaren-Teamchef Andrea Stella bestätigte die Einschätzungen seines Fahrers und erklärte im Detail, woher die 100 Kilowatt kamen.

Andrea Stella erklärt Piastri-Dreher im Detail

Stella beschrieb: "Es gab diese Oszillationen nach dem Gangwechsel und diese führten zu zusätzlichem Drehmoment. Wenn man sich das Verhalten der Power Unit anschaut, dann ist das zu erwarten, aber es ist nicht etwas, das man willentlich herbeiführen würde." Er fügte hinzu: "Es ist gewissermaßen eine Voraussetzung, die man erfüllen muss."

Erste Anzeichen dieser Leistungssprünge habe es schon bei den Testfahrten gegeben, aber eben nicht unter den Bedingungen, die auf der Reconnaissance-Runde vor dem Formel-1-Saisonauftakt auf dem Albert Park Circuit gegeben waren. "Beim Testen haben wir ähnliche Umstände gesehen, aber wir hatten nicht die Kombination mit den kalten Reifen und dem Kerb. Dazu kommt, dass man gewisse Inkonstanzen beim Drehzahl-Deployment haben kann – beim Drehzahl-Deployment in grip-limitierten Phasen."

Formel 1: Australien-Fluch hält an

Piastri wäre in Melbourne von der fünften Position gestartet. Gemessen an der etwas ernüchternden Pace seines McLaren-Teamkollegen Lando Norris hätte er wohl nicht in den Kampf um die Top 4 eingreifen können, aber Platz 5 wäre bei einem normalen Rennverlauf auch als Zielposition realistisch gewesen. Diese belegte letztendlich Norris.

Der zweite McLaren-Pilot berichtete nach dem Rennen von Sicherheitsbedenken. Das hatte Norris zu sagen:

"Ich bin natürlich sehr enttäuscht. So ein Szenario sollte einfach nicht passieren", klagte er und entschuldigte sich bei den Fans: "Es tut mir leid für all jene, die herkamen, um mich zu unterstützen. Das ist klarerweise nicht der Weg, wie wir in das neue Jahr starten wollten."

Mit dem vorzeitigen Aus von Piastri setzt sich eine Statistik fort, die gerne als "Fluch" betitelt wird. Denn australische Fahrer waren bei ihren Auftritten im Albert Park oder zuvor auf dem Straßenkurs von Adelaide in den letzten Jahrzehnten häufig vom Pech verfolgt. Noch nie landete ein Pilot aus 'Down Under' bei seinem Heimrennen in der Formel 1 unter den ersten drei.

Stella ist überzeugt davon, dass Piastri den Rückschlag beim Saisonstart schnell abschütteln kann und er in China nicht von diesem Fauxpas im Hinterkopf gehemmt wird: "Oscar ist ein mental sehr starker Typ. Er wird all dies nutzen, um ab China noch konzentrierter und entschlossener zu Werke zu gehen." Viel Zeit zum Nachdenken bleibt ihm nicht. Schon am kommenden Wochenende geht die Formel-1-Saison auf dem Shanghai International Circuit in ihr zweites Rennwochenende.

So lief der Formel-1-Saisonauftakt in Australien - Der Rennbericht: